Technik

Galaxy S5 oder iPhone Air Kann Samsung Apple doch bezwingen?

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2013 hat das iPhone 5S das Galaxy S4 in Schach halten können. Kann Samsung Apple in diesem Jahr bezwingen?

(Foto: Apple/Samsung/n-tv.de)

2014 wird für die Hersteller von Highend-Smartphones extrem schwierig, da die Nachfrage sinkt und der Konkurrenzdruck wächst. Besonders spannend wird das Duell der beiden Giganten Apple und Samsung. Wer hat die besseren Karten?

Als Apple im vergangenen September das iPhone 5S auf den Markt brachte, sorgte eine kleine Begebenheit am Rande für Aufsehen. Samsung hatte Spione zum Apple Store in Manhattan geschickt. Wie "CNET" berichtete, filmte ein Video-Team der Südkoreaner die Schlange vor dem Geschäft und fragte Reporter nach ihren Eindrücken: "Ist die Schlange kürzer als im vergangenen Jahr? Sind die Leute diesmal mehr oder weniger aufgeregt?" Wie ein Samsung-Mitarbeiter "CNET" gestand, wollte sein Konzern wissen, was Apples Erfolgsgeheimnis ist. Samsung möchte verstehen, warum nur Apple-Smartphones so viele Emotionen wecken. Warum Menschen stunden- oder gar tagelang in Schlangen warten, um ein iPhone etwas früher in den Händen zu halten als andere und warum sie bereit sind, enorme Summen dafür auszugeben.

Samsung verkauft mehr Smartphones als Apple, aber ...

Eigentlich sollte man meinen, Samsung habe keinen Grund mehr, auf Apple eifersüchtig zu sein. In den ersten drei Quartalen 2013 verkauften die Südkoreaner weltweit mehr als 80 Millionen Smartphones. Einer Gartner-Studie zufolge hält Samsung damit einen Marktanteil von 32,1 Prozent und lässt den Zweitplatzierten Apple weit hinter sich. Noch besser: Während der iPhone-Hersteller im Jahresvergleich von 14,3 auf 12,1 Prozent absackte, hielt der asiatische Konzern seinen Anteil stabil.

Apples sinkende Marktanteile bedeuten allerdings recht wenig, wenn  man berücksichtigt, dass Samsung eine ganze Smartphone-Flotte besitzt, während Apple nur das iPhone in zwei Varianten anbietet – früher ergänzte ein älteres Modell das aktuelle Gerät, seit Ende September ein Kunststoff-iPhone. So stellte das Marktforschungsinstitut "Counterpoint" in einer Analyse fest, dass das iPhone 5S im September und Oktober das weltweit meistverkaufte Smartphone war. Besonders bitter für Samsung: Sein Flaggschiff Galaxy S4 lag in den Verkaufscharts sogar hinter Apples Vorjahresmodell iPhone 5 nur auf Platz 3, gefolgt vom iPhone 5C, das Samsungs Phablet Galaxy Note 3 hinter sich ließ. Wie das Wirtschaftsmagazin "Forbes" hervorhebt, konnte Apple in China seinen Absatz bereits vor dem Deal mit China Mobil drastisch erhöhen. Vermutlich lagen die iPhones daher auch im November und Dezember an der Spitze, zumal Apple wohl auch im Weihnachtsgeschäft die Nase vorne hatte. In Großbritannien beispielsweise  lagen laut "The Telegraph" mehr iPhone 5S als Galaxy S4 unter den Weihnachtsbäumen.

2014 wird "schrecklich"

Für Samsung wird es schwer, in diesem Jahr das iPhone vom Smartphone-Thron zu stürzen. Denn wie nicht nur Gartner feststellte, ist der Markt für Top-Smartphones weitgehend gesättigt, große Zuwächse sind nur noch bei sehr günstigen Geräten, vor allem in Asien zu erwarten. Hinzu kommt, dass Google mit den Nexus-Smartphones die Preise verdirbt.

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Das HTC One sieht klasse aus, hat ein Aluminiumgehäuse, ein tolles Display und viel Leistung - trotzdem rutschte sein Hersteller in die roten Zahlen.

(Foto: kwe)

Der Markt für Highend-Geräte werde 2014 "eine Kammer des Schreckens", schreibt "BGR" treffend. Die Hersteller sind gezwungen, die neueste und beste Hardware zu schmerzhaft günstigen Preisen anzubieten, was nicht alle überleben werden. Eines der ersten Opfer könnte HTC werden, das schon rote Zahlen schreibt. Dabei wird Samsung aufmerksam beobachtet ha ben, dass die Taiwaner mit dem HTC One zwar ein Smartphone haben, das als ähnlich cool wie das iPhone gilt, aber bei weitem nicht dessen Verkaufszahlen erreicht. Doch auch wenn HTC, Sony oder LG kaum in den Zweikampf zwischen Samsung und Apple eingreifen können, wird es sehr interessant, zu sehen, welche Boliden sie in diesem Jahr ins Rennen schicken.

Apple dagegen kann die Kammer des Schreckens relativ gelassen betreten. Denn es ist im Gegensatz zur Konkurrenz weniger auf Neukunden angewiesen. Eben weil die iPhones Kult und Statussymbole sind und als Ausdruck eines Lebensgefühls gelten, hat Apple eine sehr treue Anhängerschaft, die nicht nur bereitwillig Preise bezahlt, von denen Samsung & Co. nur träumen können. Viele Apple-Fans kaufen sich auch jedes oder zumindest alle zwei Jahre ein neues iPhone.

Millionenschwere Marketing-Kampagnen

Als ein Grund für den relativen Misserfolg des HTC One wird ein zu schwaches Marketing genannt, doch mehr Werbung hätte sich HTC kaum leisten können. Samsung dagegen investiert seit 2011 Unsummen in Marketing-Kampagnen  für seine Galaxy-Flaggschiffe. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, investierte Samsung 2012 alleine in den USA 401 Millionen Dollar in Werbung und übertraf auf diesem Gebiet Apple, das 333 Millionen ausgab. Doch die Kampagnen kommen den Südkoreanern im wahrsten Sinne des Wortes jetzt teuer zu stehen: Weil Samsung seine Smartphones immer günstiger anbieten muss, drücken die Werbekosten zunehmend den Gewinn auch des gesamten Konzerns, da die Smartphone-Sparte zwei Drittel zu Samsungs operativen Gewinn beiträgt. Analysten halten sogar einen Gewinnrückgang für möglich.

Der südkoreanische Technik-Gigant wird also eher früher als später feststellen müssen, dass teure Werbekampagnen mit Stars und Sternchen alleine seine Geräte nicht cool machen können. Die Smartphones selbst müssen cool und begehrenswert sein. Technisch sind die Galaxy-Flaggschiffe den iPhones ebenbürtig, in manchen Bereichen sicher auch überlegen, doch Samsung schießt vielleicht übers Ziel hinaus. So bietet das Galaxy S4 unglaublich viele Funktionen, aber etliche von ihnen sind unnötig, andere zu kompliziert. Ein wirklich cooles Feature, das andere nicht haben, fehlt. Der multifunktionale S Pen des Galaxy Note 3 ist ein Alleinstellungsmerkmal, allerdings für die breite Masse der Nutzer eher uninteressant.

Samsung hat ein Image-Problem

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Das Galaxy S2 hat ein eigenständiges und sehr gelungenes Design.

(Foto: Samsung)

Viel gravierender als ein fehlendes "Killer-Feature" ist aber das Image-Problem, das Samsung hat. Zum einen hat Apple durch seine Patentklagen sein eigentliches Ziel erreicht: Samsung gilt bei vielen Nutzern nicht als Inventor, sondern Plagiator. Apple selbst, das auch nicht alles selbst erfunden hat, besitzt immer noch den Nimbus des Andersdenkenden, den es sich 1997 mit einer legendären Werbekampagne ("Think different") selbst verlieh . Vor allem aber hat Apple sein extrem positives Image Steve Jobs und den unter seiner Regie entstandenen Produkten iPod, iPhone und iPad zu verdanken, die es so vorher tatsächlich nicht gegeben hat.

Auch wenn ihre technischen Qualitäten anerkannt werden, schmähen viele die Galaxy-Geräte als langweilige "Plastikbomber", während die iPhones als Inbegriff von Wertigkeit und Design gelten. Tatsächlich sind  Samsungs Smartphones gewöhnlich ebenfalls sehr gut verarbeitet, sehen aber nicht spektakulär aus. Das Galaxy S2  war vielleicht das einzige Gerät mit einem gelungenen Design, die Leder imitierenden Akku-Deckel der aktuellen Note-Serie sind jedenfalls kein Fortschritt.

Galaxy S5 soll anders werden

Wie also rüsten sich die beiden Gladiatoren für den Kampf um die Smartphone-Krone? Als erster muss Samsung seine Karten auf den Tisch legen. Die verantwortliche Vize-Präsidentin Lee Young Hee bestätigte der Finanznachrichtenagentur "Bloomberg", dass das Galaxy S5 zusammen mit einer weiterentwickelten Smartwatch Galaxy Gear voraussichtlich im März oder April vorgestellt wird. Die Managerin weiß, worauf es diesmal ankommt. Das Galaxy S4 habe die Erwartungen der Kunden vielleicht nicht ganz erfüllen können, sagte sie. Sein Design sei dem des S3 zu ähnlich gewesen, Nutzer hätten den Unterschied zwischen den beiden Produkten kaum "spüren" können.

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Samsung Vize-Präsidentin Lee Young Hee weiß, was beim Galaxy S4 schief lief.

(Foto: kwe)

"Beim S5 besinnen wir uns wieder auf das Wesentliche. Dabei geht es vor allem um das Display und wie sich die Rückseite anfühlt", sagte  Lee Young Hee. Sie bestätigte außerdem, dass Samsung erwägt, in komm ende Geräte einen Iris-Scanner einzubauen. Sie könne aber nicht sagen, ob das S5 diese Funktion bieten wird. Laut "Digitimes" könnte Samsung auch wie Apple beim iPhone 5S einen Fingerabdruck-Sensor in sein neues Top-Modell einbauen. Weiteren Gerüchten zufolge könnte das Galaxy S5 oder zumindest ein Premium-Modell ein Metallgehäuse haben. Spekuliert wird auch über ein noch schärferes Display, einen 64-Bit-Chip und eine verbesserte Kamera. Screenshots, die @evleaks auf Twitter geleakt hat, zeigen, dass Samsung auch seine Benutzeroberfläche Touchwiz überarbeitet, die optisch etwas altbacken ist. Viel ist auf den Bildern nicht zu erkennen, offenbar modernisieren die Südkoreaner aber die Oberfläche und gestalten sie etwas klarer.

Das nächste iPhone wird größer

Apples Antwort wird deutlich später folgen. Zwar gibt es Gerüchte, wonach das neue iPhone schon im Mai vorgestellt werden könnte. Aber warum sollte Apple dies tun? Um die Käufer des iPhone 5S zu verärgern? Das Argument, Nutzer könnten zu einem anderen Gerät greifen, wenn Apple zu lange wartet, ist in diesem Jahr so wenig plausibel wie in den Jahren zuvor. Wer ein iPhone mit größerem Display haben möchte, kann sicher sein, dass Apple so ein Gerät im Spätsommer oder Herbst präsentiert.

Gerüchten zufolge, die sich auf Quellen bei chinesischen Zulieferern stützen, könnte Apples neues Smartphone ein 4,7  Zoll großes Display haben. Möglicherweise arbeitet Apple sogar an einem Phablet mit  5,7-Zoll-Touchscreen. Nicht abwegig sind Spekulationen, Apple werde das neue Smartphone wie das aktuelle iPad "Air" nennen und auf eine weitere Nummerierung verzichten. Entsprechend soll das Gerät nicht nur größer, sondern sogar flacher als das iPhone 5S sein.

Das Rennen ist offen

Wie der Zweikampf zwischen Samsung und Apple ausgehen wird, ist noch offen. Apple hat auf den ersten Blick die besseren Karten, da es abwarten kann, was Samsung zu bieten hat. Die US-Amerikaner haben auch den Vorteil, dass sie ihren Anhängern relativ leicht etwas wirklich Neues bieten können, indem sie den iPhone-Bildschirm vergrößern. Samsung hat da weniger Luft nach oben, da es sonst seinem Note-Phablet ins Gehege käme.

Andererseits haben die Südkoreaner jetzt die Chance, genau das Smartphone vorzustellen, das Nutzer schon beim Galaxy S4 erwartet hatten: klasse Design, hochwertiges Gehäuse, Super-Display und Kamera mit optischen Bildstabilisator. Außerdem könnte eine neue Galaxy Gear mit mehr Funktionen, ansprechenderem Design und längerer Akku-Laufzeit ein starkes Kaufargument werden. Allerdings präsentiert vielleicht auch Apple zusammen mit dem neuen iPhone seine "iWatch".  Nichts ist entschieden, fest steht nur eins: Nutzer, die in den kommenden Monaten ein Highend-Smartphone kaufen möchten, sind auf jeden Fall Gewinner, weil sich in diesem Jahr wohl kein Hersteller leisten kann, Trümpfe für die Nachfolger-Modelle aufzusparen.

Quelle: ntv.de