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Nicht leicht zu haben, aber stark OnePlus 2 ist ein echter Preiskämpfer

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Das Display des OnePlus 2 kann sehr hell leuchten.

(Foto: kwe)

Ein Smartphone mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis als das OnePlus 2 gibt's derzeit kaum. Es ist top ausgestattet und kostet mit 64 Gigabyte Speicher gerade mal 400 Euro. Es gibt aber einen Haken: Man kann es nicht so einfach kaufen.

Über 4,5 Millionen Menschen haben sich bereits auf die Warteliste setzen lassen, um eine Einladung zu erhalten, die ihnen erlaubt, das OnePlus 2 zu kaufen. Selbst wenn letztendlich nicht alle das Gerät auch kaufen, ist jetzt schon klar, dass der chinesische "Flaggschiff-Killer" den Erfolg seines Vorgängers deutlich übertreffen wird. Das liegt sicher zum einen am cleveren Marketing des Unternehmens, aber auch am fast unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis des OnePlus One, das bei seiner Premiere im vergangenen Jahr für 300 Euro die Hardware eines Top-Smartphones bot. Ob die Chinesen beim Nachfolger noch eine Schippe drauflegen konnten, hat n-tv.de getestet.

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Die griffige Kunststoff-Rückseite kann gegen Schalen aus edleren Materialien erstetzt werden.

(Foto: kwe)

Das Design des OnePlus 2 ist schlicht, aber durchaus ansprechend. Durch einen Metallrahmen, eine bauchige Rückseite und das relativ hohe Gewicht von 175 Gramm fühlt es sich ähnlich dem Nexus 6 äußerst solide an, die Verarbeitung ist erstklassig. In der Standardausstattung hat das Smartphone eine Kunststoff-Rückseite mit rauer, gummierter Oberfläche. Dadurch liegt es enorm sicher und sehr angenehm in der Hand. Wer möchte, erhält gegen einen Aufpreis von rund 26 Euro auch andere Schalen, beispielsweise aus Bambus. Einen Platz für microSD-Karten gibt es im OnePlus 2 nicht, der Akku ist fest verbaut. Dafür können Nutzer zwei SIM-Karten parallel verwenden. Praktisch: Auf der linken Seite sitzt im Rahmen ein Schiebeschalter, mit dem der Nutzer zwischen den drei Benachrichtigungsarten wählen kann. Seltsam, aber nicht tragisch: OnePlus hat auf NFC verzichtet.

Full-HD ist sparsamer

Das 5,5 Zoll große LCD bietet im Gegensatz zu Samsungs Galaxy S6, dem LG G4 und anderen Smartphone-Boliden nur eine Full-HD-Auflösung – ein schärferer Bildschirm hätte das OnePlus 2 deutlich teurer gemacht und die Laufleistung verkürzt, ohne entsprechend große Vorteile zu bieten. Eine Pixeldichte von 401 ppi ist allerdings absolut ausreichend und das von Gorilla Glass 4 geschützte Display kann in anderen Bereichen punkten: Es ist sehr hell, stellt Farben natürlich dar und ist auch von der Seite noch gut ablesbar.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Betriebssystem: OxygenOS
  • Display: 5,5 Zoll, LCD, 1920 x 1080 Pixel
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 810, 8 Kerne, 1,8 GHz
  • GPU: Adreno 430
  • RAM: 3/4 GB
  • Interner Speicher: 16/64 GB
  • Hauptkamera: 13 MP, f/2.0, Dual-LED
  • Frontkamera: 5 MP
  • LTE, WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.1
  • Sensoren: Fingerabdruck, Beschleunigung, Gyro, Näherung, Umgebungslicht
  • Akku: 3300 mAh
  • Maße: 151,8 x 74,9 x 9,85 mm
  • Gewicht: 175 g

Unterhalb des Bildschirms hat das OnePlus 2 einen Fingerabdrucksensor. Er ist gleichzeitig auch ein Home-Button, aber keine physische Taste, wie bei Samsungs Galaxy-Geräten. Der Sensor arbeitet sehr zuverlässig und entsperrt das Gerät zügig, egal in welchem Winkel der Finger aufgelegt wird. Das funktioniert auch bei deaktiviertem Display in einem Rutsch. Nutzer können bis zu fünf Abdrücke speichern, aber einzelnen Fingern keine speziellen Funktionen zuordnen. Das ist allerdings für ein langes Berühren des Sensors möglich. Hier kann man unter anderem festlegen, dass die Kamera, der Google-Now-Ersatz Shelf oder die Suche gestartet wird. Apropos Shelf: OnePlus installiert das eigene, auf Android 5.1 basierende OxygenOS auf dem Gerät. Die Unterschiede zu Googles purem Betriebssystem sind aber nur marginal.

Tolle Bilder, heißer Chip

Die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite gehört zu den besten, die derzeit in Smartphones zu finden sind. Der Laserfokus arbeitet zackig und der optische Bildstabilisator hilft wirksam bei schwächerem Licht oder anderen wackeligen Situationen. Fotos überzeugen durch besonders natürliche Farben, starke Kontraste und eine feine Ausleuchtung. Auch bei Videos hat die Kamera im Test einen prima Eindruck hinterlassen. Die in HD-Auflösung mit 120 Bildern pro Sekunde gemachten Zeitlupenaufnahmen sehen geschmeidig aus und wer möchte, kann mit dem Smartphone auch sehr ansehnliche 4K-Filme drehen.

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Passt immer: Das OnePlus 2 hat einen praktischen USB-C-Eingang.

(Foto: kwe)

Bei den hochauflösenden Videos ist die Aufnahmezeit aber auf 10 Minuten beschränkt, da Qualcomms Prozessor Snapdragon 810 auch in der fürs OnePlus 2 angepassten Version unter Höchstlast stark erhitzt, was vor allem auf Kamerahöhe am Metallrahmen deutlich spürbar ist. Deshalb regelt der Qualcomm bei grafisch aufwändigen Spielen oder anderen anstrengenden Aufgaben herab und verringert seine Leistung. Der Nutzer merkt dies im Alltag nicht, eigentlich erkennt man es nur an schwächeren Benchmark-Resultaten, die bei kühlem Prozessor exzellent sind. Ebenso spüren Besitzer eines Geräts mit 64 Gigabyte Flash-Speicher normalerweise nichts von den zur Verfügung stehenden 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Trotzdem sollte nicht zur rund 60 Euro günstigeren Variante mit völlig ausreichenden 3 Gigabyte RAM gegriffen werden, da dann der interne Speicher mit 16 Gigabyte viel zu klein ist.

Spezielles Kabel

Der hitzköpfige Prozessor belastet auch nicht die Laufleistung. Mit einer Kapazität von 3300 Milliamperestunden bringt der Akku das OnePlus 2 locker über den Tag, bei moderatem Gebrauch sind auch mal zwei Tage drin. Geht der Saft zur Neige, sollte man aber unbedingt das mitgelieferte Kabel zur Hand haben. Denn das OnePlus 2 hat einen USB-C-Anschluss, der mit herkömmlichen Mikro-USB-Strippen nicht kompatibel ist.

Unterm Strich ist das OnePlus 2 für 400 Euro zwar kein Schnäppchen wie sein Vorgänger, der beim Verkaufsstart 100 Euro günstiger war. Doch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist immer noch großartig und so gesehen könnte das chinesische Smartphone tatsächlich, wie vom Unternehmen behauptet, ein "Flaggschiff-Killer" sein. Eine Bremse ist allerdings die Vermarktung über ein Einladungssystem und der Verkauf über den eigenen Online-Shop. Damit spart OnePlus zwar eine Menge Geld, was einen erheblichen Anteil am günstigen Preis haben dürfte. Es schreckt aber auch potenzielle Käufer ab und lässt viele Vertragskunden von Mobilfunkanbietern kalt.

Quelle: ntv.de