Technik

RedTube-Abmahner bekommen Ärger Staatsanwalt überprüft IP-Gutachten

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Die entscheidende Frage: Wie kamen die Abmahner tatsächlich an die IP-Adressen der angeblichen Porno-Streamer?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Justiz reagiert auf Berichte, wonach die IP-Adressen im RedTube-Fall illegal besorgt worden sein könnten. Der Staatsanwalt erwägt Ermittlungen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es den Porno-Abmahnern an den Kragen geht.

Vermutlich haben bereits Zehntausende Deutsche Abmahnungen von der Rechtsanwaltskanzlei U + C erhalten. Die angeschriebenen Nutzer sollen illegal Videos vom Porno-Portal RedTube gestreamt haben. Schon früh kam der Verdacht auf, dass es dabei nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Viele der Abmahnopfer beteuerten, nie die Porno-Website besucht zu haben oder zumindest keinen der genannten Filme gesehen zu haben. Andere Betroffene erhielten offenbar mehrere Abmahnungen, wobei sie die Videos gleichzeitig konsumiert haben sollen.

Virus-Funde auf Rechnern und E-Mails- der Telekom deuten darauf hin, dass zahlreiche angebliche Porno-Streamer Opfer von Virus-Attacken wurden. Protokoll-Dateien von Browsern belegen womöglich, dass Internet-Nutzer gezielt auf gefährliche Adressen umgeleitet wurden.

Für den Antrag auf Herausgabe der Nutzerdaten legte der vom Schweizer Rechteinhaber beauftragte Berliner Anwalt Daniel Sebastian dem Kölner Landgericht ein Gutachten der Münchner Kanzlei Diehl & Partner mit einer eidesstattlichen Versicherung eines itGuards-Mitarbeiters vor. Es soll die "ordnungsgemäße Datenerfassung" der verwendeten Software "GLADII" belegen. Das könnte dem itGuards-Mitarbeiter und vielleicht auch Anwalt Sebastian zum Verhängnis werden.

Software, Gutachten und beteiligte Firmen dubios

Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Köln, Ulrich Brehmer, sagte n-tv.de, die Behörde überprüfe derzeit, ob sie wegen falscher eidesstattlicher Erklärung Ermittlungen aufnehmen solle. Die Chancen, dass sich die Staatsanwaltschaft dafür entscheiden wird, sind groß. Denn offenbar handelt es sich bei itGurads nur um eine Briefkastenfirma. Das Gutachten wurde einen Tag nach deren Registrierung erstellt.

Auch eine Überprüfung des Rechteinhabers The Archive AG dürfte für die Kölner Staatsanwälte interessant sein. Blogger Klemens von Kowabit hat dies bereits getan: Demnach hat The Archive AG eine Baukasten-Website von wix.com, jenem Anbieter, bei dem auch die Seite von itGuards erstellt wurde. Und: Die beiden Internetseiten liegen auf ein und demselben Server. Inhaber von The Archive AG sind Deutsche, die auch eine deutsche Domain haben: the-archive.de. Laut Kowabit wird die Domain auf die Schweizer Domain weitergeleitet und wurde am 28. März 2013 registriert, nur sieben Tage nach Gründung von itGuards.

All dies kann natürlich reiner Zufall sein, aber verdächtig genug für die Staatsanwälte, um der Sache mit Ermittlungen auf den Grund zu gehen. Die Juristen können allerdings nur wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Erklärung etwas unternehmen.

Um Ermittlungen gegen gegen die Abmahnanwälte direkt zu ermöglichen, müssten Betroffene Strafanzeige stellen, so Brehmer. Ein erstes Verfahren könnte dies jedoch wahrscheinlicher machen.

Quelle: ntv.de

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