Technik

Das "dünnste Smartphone der Welt" Tornado 348 ist ein Schmuckstück mit Haken

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Das Tornado 348 ist ein schickes Smartphone.

(Foto: jwa)

Das Kazam Tornado 348 ist so flach wie derzeit wohl kein anderes Smartphone. Dazu sieht es schick und edel aus, hat einen langen Atem und ist ziemlich günstig. Kauftipp oder Mogelpackung? Der Test zeigt, wo der Haken ist.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Handy bewundernde Blicke auf sich zieht, wenn man es auf den Tisch legt. Smartphones sind sowohl Gebrauchsgegenstände als auch Schmuckstücke - das weiß nicht nur Apple, auch Android-Smartphones werden immer ansprechender. Trotzdem ist das Kazam Tornado 348 eine Ausnahmeerscheinung: Es ist superflach und mit seinem Gehäuse aus Glas und dem Metallrahmen eine wahre Augenweide. Aber können seine inneren Werte halten, was das Äußere verspricht?     

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Vorn und hinten Gorilla Glass 3, getrennt von einem Metallrahmen.

(Foto: jwa)

Nimmt man den Kazam-Flachmann in die Hand, bestätigt sich der erste Eindruck. Das Tornado 348 wiegt nur 95 Gramm, ein echtes Fliegengewicht. Trotzdem wirkt es nicht billig, die Verarbeitung ist klasse, lediglich Anschalter und Lautstärkewippe haben etwas Spiel. Dank seines flachen Gehäuses und der guten Displaygröße liegt es angenehm in der Hand und fällt in der Hosentasche kaum auf. Im vergangenen Jahr holte das Tornado einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als dünnstes Smartphone der Welt – wie lange es diesen Titel trägt, ist offen, doch viel flacher geht es nicht, ohne Ausstattungsmerkmale wie den Kopfhöreranschluss zu opfern.

Satte Farben, nette Extras

Die wichtigsten technischen Daten
  • Android 4.4.2
  • Display: 4,8 Zoll, AMOLED, HD (1280 x 720 Pixel), 306 ppi
  • Prozessor: Mediatek MT6592, Octa-Core, 1,7 GHz
  • Arbeitsspeicher: 1 GB
  • Interner Speicher: 16 GB
  • Kamera: 8 MP
  • Frontkamera: 5 MP
  • Akku: 2050 mAh
  • Maße: 139,8 x 67,5 x 5,1 mm
  • Gewicht: 95,5 Gramm

Das AMOLED-Display nimmt mit 4,8 Zoll einen Großteil der Front ein, die Ränder sind schön dünn. Die HD-Auflösung reicht für eine scharfe Darstellung, auch wenn Adleraugen bei genauem Hinsehen einzelne Bildpunkte erkennen werden. Die Farbsättigung ist sehr kräftig, Symbole und Bilder wirken plastisch, die Kontraste sind hoch und bleiben auch bei schräger Betrachtung stabil. Typisch für ein AMOLED-Display ist der leichte Gelbstich in hellen oder weißen Bildbereichen und die im Vergleich zu LCDs geringere maximale Helligkeit. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Display dann auch nur noch schwer ablesbar. Im Sonnenlicht-Modus kann die Helligkeit künstlich hochgeschraubt werden – das hilft, saugt aber am Akku. Umgekehrt lässt sich die Displaydarstellung auch anpassen, um Strom zu sparen.

Erfreulich sind die kleinen Software-Zugaben, die Kazam dem Tornado 348 spendiert hat. Das Betriebssystem basiert noch auf Android 4.4.2 Kitkat, ob es ein Update auf Android 5 geben wird, ist offen. Die kapazitiven Bedientasten unterhalb des Displays wirken veraltet, die Menütaste wurde bei fast allen anderen Herstellern längst abgeschafft. Neben Details wie kleinen grafischen Anpassungen bei den Schnelleinstellungen und im Einstellungsmenü bietet Kazam aber gewitzte Extras, die darüber hinwegtrösten, dass die Oberfläche auch optisch nicht mehr zeitgemäß wirkt. Per Doppeltipp lässt sich das Display einschalten (leider aber nicht wieder ausschalten), Wischgesten auf dem ausgeschalteten Bildschirm starten Apps direkt - ein nach links offener Halbkreis führt zum Beispiel direkt zur Kamera.

Die Kamera macht wenig Spaß

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5,15 Millimeter - Viel dünner geht's nicht.

(Foto: jwa)

Den Spaß am Fotografieren selbst verdirbt einem das Tornado jedoch durch Aufnahmen, die auch bei gutem Licht nicht mehr als Mittelmaß sind. Motive mit großen Helligkeitsunterschieden überfordern die Kamera, Details verschwinden schnell im Pixelmatsch, Fotos wirken verwaschen und generell wenig ansprechend. Bei schlechtem Licht zeichnet die Software Bilder stark weich, wodurch noch mehr Details verloren gehen. Trotzdem weisen die Aufnahmen starkes Rauschen auf. Für Schnappschüsse reicht die Kamera damit zwar aus, für mehr aber auch nicht. Pluspunkt: Die Frontkamera bietet mit 5 Megapixeln eine recht hohe Auflösung und macht anständige, aber blasse Fotos.  

Die Leistung des Tornado ist im Alltagseinsatz gut, Ruckler treten nur hin und wieder auf, vor allem bei der Darstellung aufwändiger Grafik und dann, wenn der Prozessor im Sparmodus arbeitet, um den Akku zu schonen. Der knappe Arbeitsspeicher von 1 Gigabyte setzt dem Tornado nach oben hin Leistungsgrenzen, aber wer sein Smartphone vor allem als Alltagsbegleiter nutzt, wird davon nicht viel merken. Ärgerlich sind nur die gelegentlichen Aussetzer, die es sich im Test leistet, die aber nicht reproduzierbar sind - ab und zu kommt es vor, dass Inhalte nicht geladen werden oder das Gerät nur verspätet oder gar nicht auf eine Eingabe reagiert.

Sparmaßnahmen

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Die Kamera des Tornado 348 ist kein Highlight.

(Foto: jwa)

Damit hat das Tornado die gleiche Schwäche wie die meisten Billig-Smartphones: An Kamera und Prozessorleistung wird stets zuerst gespart. Außerdem ist der interne Speicher mit 16 Gigabyte nicht besonders üppig bemessen, einen microSD-Steckplatz gibt es nicht, LTE und NFC fehlen ebenfalls. Allerdings gilt auch hier die Einschränkung, dass bei einem Preis von derzeit rund 250 Euro kaum ein Käufer ein Hochleistungsgerät erwartet. Für Spitzenleistung sind andere zuständig, die kosten dann aber auch mindestens das Doppelte.

Der Bauart geschuldet ist eine weitere Schwäche des Tornado: Der interne Lautsprecher auf der Rückseite klingt extrem scheppernd und blechern und lässt jegliche Klangfülle vermissen. Dafür ist die Telefonqualität gut und die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer klingen erstaunlich voll für ein Gerät dieser Preisklasse. Überraschend ist auch die Akkuleistung: Mit 2050 Milliamperestunden ist die Kapazität nicht besonders groß, viel mehr war wohl nicht in das flache Gehäuse zu bekommen. Doch im Alltagseinsatz erreicht das Tornado gute Laufzeiten und hält einen Tag locker durch. Im Standby verliert es zudem fast gar keine Energie.

Schönheit mit Schwachstellen

Den tollen ersten Eindruck kann das Tornado 348 im Test nicht ganz aufrechterhalten. Vor allem die schwache Kamera und die gelegentlichen Aussetzer trüben das Vergnügen mit dem Flachmann. Der interne Speicher ist knapp und ob es jemals ein Update auf Android 5 geben wird, ist offen. Potenzielle Käufer sollten diese Schwächen bedenken. Wenn sie damit leben können, ist das Tornado 348 aber ein gute Wahl, eines der derzeit schönsten Android-Smartphones ist es obendrein. Sympathisch: Displayschutzfolien und Schutzhülle sind im Lieferumfang enthalten und wenn das Display zu Bruch geht, tauscht es Kazam im ersten Jahr einmal kostenlos aus.

Übrigens: Neben dem Eintrag ins Guinness-Buch machte Kazam noch mit einem anderen, weniger rühmlichen Thema Schlagzeilen. Ein Werbeclip, mit dem Kazam das Smartphone bewarb, wurde in Großbritannien im Februar 2015 von der Werbekontrollbehörde aus dem Verkehr gezogen, nachdem mehrere Fernsehzuschauer sich beschwert hatten. Die Begründung: Der Inhalt des Clips habe keinen Bezug zum beworbenen Produkt, sei sexistisch und diene dazu, Frauen als Objekt darzustellen. Auf der Webseite des Herstellers ist er in Auszügen weiterhin zu sehen.

Quelle: ntv.de

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