Technik

Mini-Rechner taugen nix Warentest lässt PC-Sticks durchfallen

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PC-Sticks: Sie sind kaum größer als ein USB-Stick und sollen Großes leisten - Warentest ist anderer Meinung.

(Foto: Intel)

Sie sind klein und leicht und sollen vollwertige Desktop-PCs ersetzen können. Doch was haben die blumig angepriesenen PC-Sticks wirklich drauf? Stiftung Warentest hat sechs Modelle geprüft und kommt zu einem unmissverständlichen Urteil.

Sie sind nur einen Bruchteil so groß wie herkömmliche Modelle und sollen doch ähnliche Leistung bringen. PC-Sticks, kleine Computer von der Größe einer Mundharmonika, versprechen viel, aber können sie in der Praxis tatsächlich so viel Leistung bringen, dass sie einen größeren Desktop-PC ersetzen? Stiftung Warentest hat die kleinen Rechner-Riegel getestet und kommt zum eindeutigen Ergebnis: Lieber nicht. Aber nicht alle Modelle sind nur schlecht, für Basis-Aufgaben taugen die Sticks.

Gute Umwelteigenschaften

Einen Monitor mit HDMI-Eingang und Eingabegeräte wie Tastatur und Maus, mehr braucht man nicht, um mit den kleinen Sticks zu arbeiten. Sie heißen Micro-PC, PC+ oder Compute Stick und sollen atemberaubend schnell sein und einen vollwertigen PC ersetzen – so wollen es zumindest die Hersteller. Doch alle sechs Kandidaten genügen den Anforderungen der Warentester nicht. Die Computerexperten haben die PC-Sticks nach einem Prüfprogramm für Notebooks und Desktop-Rechner getestet. Ihr Urteil: Die Werbeaussagen für die Kleinstrechner tragen "zu dick" auf.

Untersucht haben die Tester Geräte von Lenovo, Intel, Asus, I-Onik, Getini und Hannspree. Letzterer läuft mit dem veralteten Windows 8.1, alle anderen Modelle mit Windows 10. Während alle Geräte bei Stromverbrauch und Betriebsgeräuschen erstklassig abschneiden (Umwelteigenschaften, 15 Prozent Gewichtung), fallen sie in allen anderen Testkategorien durch. Bei der Rechenleistung (40 Prozent Gewichtung) ist Intels Compute Stick mit der Note 3,9 ("ausreichend") noch der beste im Feld, gefolgt vom Asus QM1-C006 (4,4). Der Hannspree Micro PC bildet mit 4,6 das Schlusslicht.

Hitzköpfe schalten ab

Die Handhabung ist beim I-Onik Global Stick P101 noch "gut" (2,4), Lenovos IdeaCentre Stick 300-01|BY ist "befriedigend", ebenso der Asus-Stick. In puncto Vielseitigkeit schaffen es nur Intels Stick und der Getini PC+ auf ein "ausreichend" (4,4), die anderen Modelle werden als "mangelhaft" abgestraft (4,7).   

Keiner der geprüften Sticks kommt insgesamt über das Qualitätsurteil "ausreichend" heraus - das entspricht der Schulnote 3,6 oder schlechter. Test-"Sieger" ist Intels PC Stick (3,6), der Asus QM1-C006 folgt mit 3,9. Das Schlusslicht, Hannsprees Micro PC, bekommt die Note 4,1 ("ausreichend").

Die Geräte, so die Tester, eignen sich höchstens für sehr einfache Anwendungen "wie Texte schreiben und im Internet lesen". Wer seinem Stick mehr abverlangt, stößt schnell an Grenzen - mit Full-HD-Videos beispielsweise kommt nur Intels Stick zurecht. Bei anspruchsvolleren Aufgaben wie Gaming heizen die Sticks teils stark auf und takten ihre Leistung weiter herunter. Der Asus-Stick schaltet sich in heißen Phasen mitunter aus, nur die Sticks von Intel und Lenovo haben einen Lüfter.

Fazit: Finger weg!

Für 3D-Spieler sind die Sticks gänzlich ungeeignet: Anstatt der für eine flüssige Darstellung erforderlichen 24 Bilder pro Sekunde brachte es der Intel-Stick als schnellster im 3D-Spiele-Test auf 13 Bilder, der Hannspree-Stick schafft nur 2. Weiterer Schachpunkt: Der interne Speicher ist nur 32 Gigabyte groß. Nutzer können zwar externe Medien anschließen, die Datenübertragung läuft dann aber langsamer als auf der internen SSD, zumal bis auf den Intel-Stick alle Modelle nur das langsame USB 2.0 unterstützen.  

Das führt zum nächsten Problem: Die Sticks haben nur ein bis zwei USB-Steckplätze. Um mehrere Geräte anzuschließen, wird also ein externer Verteiler benötigt. Und wenn der Stick den nicht mit ausreichend Strom versorgen kann, braucht der Verteiler zudem noch ein Extra-Netzteil.   

Das Urteil der Tester ist deshalb klar: Die Fähigkeiten eines durschnittlichen Desktop-PCs erreicht keines der getesteten Modelle auch nur annähernd. Für platzsparenden PC-Lösungen empfiehlt Warentest die Anschaffung eines Mini-PCs, eines Ultrabooks oder eines Tablets mit Tastatur, die ohne Zusatzgeräte wie Monitor und Maus auskommen.

Quelle: ntv.de, jwa