Wirtschaft

Preiskrieg im Lebensmittelhandel Aldi und Lidl greifen Walmart an

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Selbst im Walmart-Geburtsort in Rogers, Arkansas steht inzwischen eine Aldi-Filiale. Rund 2000 US-Märkte soll es bis Ende 2018 geben.

Die Expansion von Aldi und Lidl alarmiert Walmart: Der größte Lebensmittelhändler der Welt will den Frontalangriff der deutschen Supermarktriesen in den USA mit einer Preisoffensive stoppen. Denn sie graben ihm immer mehr Wasser ab.

Als Sam Walton 1962 in Rogers, Arkansas seinen ersten Laden aufmachte, hatte er eine einfache Idee: "Wir wollten rausfinden, ob Kunden in einer Kleinstadt mit 6000 Leuten zu unserer Art Scheune kommen würden um dort die gleichen Waren allein wegen des Preises zu kaufen." Weil die Antwort ja lautete, wurde aus Sam Waltons Laden Walmart, die größte Handelskette der Welt, mit fast 500 Milliarden Dollar Umsatz und 2,2 Millionen Angestellten.

Und weil nicht nur Sam Walton auf die Billig-Idee kam, hat in der West Walnut Street in dem verschlafenen Nest Rogers im Mittleren Westen, nur fünf Minuten vom ersten Walmart entfernt, inzwischen ein anderer Koloss seine Filiale eröffnet: Aldi. Der Supermarktriese ist weltweit auf Expansionskurs. Er greift nicht nur im Walmart-Geburtsort in der US-Provinz, sondern auf dem gesamten US-Markt an.

Im globalen Lebensmittelhandel tobt deswegen ein Machtkampf, typisch deutsch gegen typisch amerikanisch: Der Tante-Emma-Laden der Gebrüder Albrecht in Essen gegen Sam Waltons Discount-Center in Rogers, Arkansas. Die Offensive des deutschen Discounters bedroht Walmarts Stellung inzwischen so sehr, dass die Mega-Kette nun mit der mächtigsten Waffe zurückschlägt, die es im Einzelhandel gibt: dem Preis.

Preiskrieg mit Aldi und Lidl

Der war bisher eigentlich immer das schlagende Argument für Aldi. Schon 1976 eröffnete die Kette ihren ersten Laden in den USA. Inzwischen sind es rund 1600. Bis Ende 2018 sollen es fast 2000 werden. Anfang Februar kündigte Aldi an, für die massive Expansion rund 1,6 Milliarden Dollar in seine US-Filialen investieren zu wollen. Und auch Lidl steht in den Startlöchern: Der Discounter will nun schon in diesem Sommer seine ersten 20 Supermärkte eröffnen. Eigentlich war der Angriff auf den US-Markt erst 2018 geplant.

Walmart reagiert nun auf die Billig-Attacke aus Deutschland. Laut "Reuters" läuft bei dem US-Konzern in mindestens 1200 Läden ein heimlicher Preisvergleichstest mit Aldi. Durch den will die US-Kette herausfinden, wie stark sie ihre Preise senken muss, um der deutschen Konkurrenz Kunden abzuluchsen. Analysten schätzen, dass die Preise bei Walmart bei vielen Produkten bis zu 20 Prozent höher liegen als bei Aldi.

Auch aus seinen Lieferanten versucht Walmart offenbar mehr herauszupressen. Laut "Reuters" forderte der Konzern letzte Woche von den Konsumgüterherstellern Procter & Gamble, Unilever, Kraft, Johnson & Johnson und Conagra selbst Preissenkungen von 15 Prozent. Walmart wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

Angriff mit Ansage

Der Angriff von Aldi und Lidl könnte Walmart ernsthaft gefährlich werden. Der US-Lebensmittelmarkt ist bereits jetzt heiß umkämpft. Zwar verkauft der US-Riese weltweit laut Metro-Handelslexikon immer noch fünfmal so viele Lebensmittel wie Lidl, siebenmal so viele wie Aldi und kontrolliert über 20 Prozent des US-Markts. Aldi bringt es auf gerade mal 1,5 Prozent Marktanteil. Aber die deutsche Kette wächst in den USA um 15 Prozent jährlich. In den nächsten fünf Jahren könnten sich Aldi und Lidl laut Analysten daher bis zu sieben Prozent des US-Markts einverleiben. Das würde Walmart empfindlich treffen: Die US-Firma macht immer noch mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Lebensmitteln.

Walmart zittert nicht ohne Grund. In Großbritannien haben Aldi und Lidl schon vorgemacht, wie schnell sich heimischen Platzhirschen das Wasser abgraben lässt. Dank der deutschen Konkurrenz hat Walmarts britische Tochter Asda bereits kräftig Umsatz und Kunden eingebüßt. Um die neuen Angreifer auszubooten, hat die größte britische Supermarktkette Tesco erst kürzlich für fast vier Milliarden Pfund den Großhändler Booker übernommen.

Dass Aldi und Lidl nun auch verstärkt in den USA angreifen, verwundert kaum. Die beiden Ketten sind längst keine deutschen Konzerne mehr. Inzwischen machen beide mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland und gehören zu den zehn größten und internationalsten Einzelhändlern der Welt: Aldi ist laut Metro-Handelslexikon in 17, Lidl in 26 Ländern aktiv. Nur Walmart und Metro haben Niederlassungen in noch mehr Staaten.

Quelle: ntv.de

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