Wirtschaft

Pure Gier als Motiv für Manipulation Ex-Banker muss 14 Jahre ins Gefängnis

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Zur Urteilsverkündung erschien Tom Hayes mit seiner Frau Sarah.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Jahren ermitteln Behörden in Großbritannien und den USA gegen Bankmitarbeiter, die den Referenzzins Libor manipulierten, und so Milliardenschäden verursachten. Die Verurteilung von Tom Hayes soll nur der Auftakt für dutzende weitere Prozesse sein.

Im Skandal um die Manipulation des Referenzzinsatzes Libor gibt es eine erste Verurteilung. Eine Jury in London hat Tom Hayes, einen ehemaligen Händler bei UBS und Citigroup, für schuldig befunden. Ein Richter legte das Strafmaß auf 14 Jahre Gefängnis fest.

Der heute 36-jährige Brite, ein leicht autistischer Mathematiker, dessen verschrobene Persönlichkeit ihm unter Kollegen den Spitznamen "Rain Man" einbrachte, war im Juni 2013 angeklagt worden. Die acht Anklagepunkte reichten von Verschwörung bis zu Betrug. Er wurde in allen Punkten schuldig gesprochen.

Hayes hatte die Vorwürfe zunächst eingeräumt, sie dann aber vor einem Londoner Gericht wieder bestritten. Die Jury am Southwark Crown Court wertete die Vernehmung bei der Polizei jedoch als glaubwürdig. Sie sah pure Gier als Motiv. Hayes hatte unter anderem auch erklärt, die Manipulationen seien ein branchenweites Phänomen gewesen und kein Einzelfall.

Die Verurteilung ist ein bedeutender Sieg für die britische Regulierungsbehörde Serious Fraud Office (SFO), die den Fall verfolgt hat und deren Chef die Ermittlungen im Libor-Fall als oberste Priorität der Beamten bezeichnet hatte. Behörden aus Großbritannien und den USA haben Hayes als Rädelsführer einer internationalen Komplotts zur Verfälschung des wichtigen Zinssatzes dargestellt.

Gut 20 weitere Angeklagte

Der Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken am Finanzplatz London untereinander Geld leihen. Er wird täglich von Banken festgelegt, von seiner Höhe sind etwa Haus- und Verbraucherkredite sowie andere Finanzprodukte abhängig.

Der Manipulationsskandal war im Jahr 2012 bekannt geworden. Mehrere Banken wie Barclays, UBS, RBS, Rabobank und die Deutsche Bank leisteten deshalb bereits hohe Strafzahlungen an die Behörden in den USA und in Großbritannien. Dutzende Händler wurden gefeuert, gut 20 angeklagt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/DJ