Wirtschaft

Munition für Konjunktur-Pessimisten IWF reduziert Wachstumsprognose

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Ein Mechaniker arbeitet beim Turbinenhersteller MAN in einem Gehäuse. Nach einem enttäuschenden Frühjahr fasst die deutsche Wirtschaft zumindest wieder etwas Tritt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Viele Konjunkturinstitute haben bereits ihre Wachstumsprognosen zurückgenommen. Jetzt zieht der Internationale Währungsfonds nach. Die Aussichten sind nicht rosig, aber Grund zur Schwarzmalerei gibt es auch nicht.

Das Wachstum lahmt in Deutschland. Das ist die schlechte Nachricht. Die Gute ist, die deutsche Konjunktur erweist sich stabiler als viele befürchtet hatten. Für dieses und nächstes Jahr besteht offenbar keine Rezessionsgefahr. Nach Informationen des "Spiegel" rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick damit, dass die deutsche Wirtschaft in beiden Jahren immerhin jeweils um rund anderthalb Prozent wächst.

Die Größenordnung deckt sich mit den zurückgenommenen Wachstumsprognosen anderer Wirtschaftsexperten. Auch die IWF-Experten hatten noch vor wenigen Monaten für 2014 ein Plus von 1,9 Prozent vorausgesagt. Als Grund für die Abschwächung verweisen sie auf die größeren Risiken durch die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten.

Die neue Wachstumsprognose des Währungsfonds geht einher mit den bereits bekannten Empfehlungen, die unter Ökonomen bereits Konsens sind. Auch der IWF appelliert an die Bundesregierung, mehr für private und staatliche Investitionen zu tun. Kurzfristig und auch mittelfristig könne das Land von solchen Maßnahmen profitieren, heißt es.

DIW: Kein Anlass für Entwarnung

Ins Bild passt die jüngste Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach dem Konjunktureinbruch im zweiten Quartal hat die deutsche Wirtschaft demnach wieder Tritt gefasst. Grund zur Entwarnung sieht DIW-Chef Marcel Fratzscher deshalb allerdings nicht.

"Die deutsche Konjunktur läuft wieder etwas besser", sagte Fratzscher dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Das Wachstum in Deutschland sollte sich nach dem sehr schwachen zweiten Quartal zumindest wieder stabilisieren. Konkret erwartet der DIW-Chef eine Wachstumsrate von über einem Prozent in diesem Jahr.

Gleichzeitig bezeichnete Fratzscher aber die "Risiken für die deutsche Wirtschaft" als "enorm". Wie der IWF verweist das DIW auf die aktuellen Krisenherde. "Die geopolitischen Probleme in der Ukraine und dem Mittleren Osten wirken sich auf Investitionen und Wachstum in Deutschland aus."

Viele Ökonomen sagen eine wirtschaftliche Zäsur für Deutschland voraus. Vor dem IWF hatte bereits die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognosen für Deutschland jüngst von 1,9 auf 1,5 Prozent für das laufende Jahr und von 2,1 auf 1,5 Prozent für 2015 zurückgenommen.

Auch der Bund der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für 2014 nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent. Bislang hielten die Forscher ebenfalls 2,0 Prozent für möglich. Beim Industrietag sprach BDI-Chef Ulrich Grillo deshalb Klartext. Er machte die Politik der Bundesregierung für die Schwächephase der deutschen Wirtschaft mitverantwortlich. Deutschland müsse vor allem wieder mehr investieren.

Die Bundesregierung selbst hatte für 2014 ein Wachstumsziel von 1,8 Prozent ausgegeben. Vor allem angesichts der Ukraine-Krise und der EU-Sanktionen gegen Russland hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aber kürzlich eingeräumt, dass dieses Ziel nicht ganz erreicht werden dürfte.

Quelle: ntv.de, ddi