Wirtschaft

Gewinnwarnung aus Wolfsburg VW polstert sich für Strafen - Jahresziele kassiert

Die Affäre um manipulierte Abgas-Werte bei Dieselmotoren wird für Europas größter Autohersteller Volkswagen immer mehr zum Desaster. Die fragliche Software ist in elf Millionen Fahrzeugen verbaut. Mit einer Milliardenrücklage wappnet sich der Konzern nun für etwaige Strafen. Die Prognosen sind Makulatur. Anleger reagieren Anleger teilweise panisch.

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte entwickelt sich zur Katastrophe für Volkswagen. Nun kappt der Autohersteller die Gewinnprognose für das aktuelle Jahr. Zugleich legt der Konzern nach eigenen Angaben rund 6,5 Milliarden Euro zur Seite. Dadurch werde das Ergebnis im laufenden Jahr geschmälert, kündigte das Unternehmen an. Die Ergebnisziele würden entsprechend angepasst. Die Rückstellung sei "zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurückzugewinnen" vorgesehen.

VW Vorzüge
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An der Börse brach das Papier des Autobauers erneut ein. Am Mittag lag die Aktie mit zeitweise mehr als 20 Prozent im Minus - und näherte sich zeitweise der 100-Euro-Marke. Seit Montag sind bereits mehr als 25 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet worden.

Volkswagen geht davon aus, dass weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Rein rechnerisch ist das mehr als die Wolfsburger in einem Jahr insgesamt verkaufen - und zwar weltweit. Bei einem bestimmten Motortyp - EA 189 - sei "eine auffällige Abweichung zwischen Prüfungswerten und realem Fahrbetrieb" festgestellt worden. In den USA sind Modelle Jetta, Beetle, Passat und Golf sowie der Audi A3 betroffen. Ob noch mehr Modelle mit diesem Motor ausgestattet sind und wenn ja, welche, teilte Volkswagen zunächst nicht mit. Das Unternehmen stehe dazu in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem deutschen Kraftfahrtbundesamt.

Immer mehr Ermittler

Der Konzern beteuerte, weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen würden von der Software beeinflusst. "Somit besteht für Kunden und Händler Klarheit." Der Konzern treibe die Aufklärung von Unregelmäßigkeiten "mit Hochdruck" voran, betonte Volkswagen. Er dulde "keinerlei Gesetzesverstöße".

Bisher hatte Volkswagen auf Konzernebene eine operative Gewinnspanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent vorausgesagt. Der Konzernumsatz sollte zudem bisher um bis zu 4 Prozent steigen. Für die PKW-Sparte ging das Management bisher von einer Gewinnspanne zwischen 6,0 und 7,0 Prozent aus.

Seinen Ausgang hatte die Affäre in den USA. Die dortige Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei zahlreichen Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Es geht um fast eine halbe Million Autos. Für Volkswagen könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Hinzu könnten Rückrufkosten, strafrechtliche Folgen sowie mögliche Regressansprüche enttäuschter Kunden und Aktionäre kommen. Inzwischen ermitteln auch in anderen Ländern die Behörden - etwa in Italien. Frankreich fordert die Ausweitung auch auf andere Hersteller. Selbst die EU-Kommission wird wohl nicht tatenlos bleiben - auch wenn sie sich bislang auf das beobachten der Entwicklungen konzentiert.

Die Wolfsburger hatten bereits ein Fehlverhalten eingeräumt und versprochen, mit der EPA zu kooperieren. Der Konzern erließ zudem einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA. Vorstandschef Martin Winterkorn hat eine externe Untersuchung und eine rasche Aufklärung zugesagt. Am Mittwoch will sich der innerste Zirkel des Aufsichtsrats bei einem Krisentreffen mit dem Thema beschäftigten, verlautete aus VW-Kreisen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ/AFP