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Chinas riesiger Wirtschaftspakt Deutschland steckt gefährlich in der Klemme

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Ist China die neue Handelsmacht?

(Foto: picture alliance/dpa)

Der neue asiatische Freihandelspakt ist Chinas Antwort auf "America first". Die Globalisierung wird aus den Angeln gehoben. Die deutsche Exportindustrie steht vor einem Problem.

"America first" zeigt Wirkung. Während sich Noch-US-Präsident Donald Trump um sich selbst dreht, aus internationalen Abkommen ausscherte und selbst nach der verlorenen Wahl immer wieder aufs Neue versucht, die Erfolge seiner protektionistischen Politik zu loben, schafft Peking Fakten. Schneller als erwartet schmiedet ausgerechnet das kommunistische China einen Freihandelspakt, der in seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung seines Gleichen sucht. Die größte Freihandelszone der Welt bündelt künftig rund 30 Prozent des Welthandels - das gab es noch nie.

Die Folgen sind unübersehbar: Die scheinbar nicht enden wollende Globalisierung geht allmählich zu Ende. Sie spaltet sich auf. Es entstehen zwei Pole - den einen dominiert China, den anderen die USA. Während Trump langjährige wirtschaftspolitische Partner reihenweise gegen sich aufbrachte, stellt Peking sich geschickter an. Die Chinesen bauen ihre Position als wirtschaftliche Großmacht aus, in dem sie relevante Volkswirtschaften aus dem Asien-Pazifik-Raum auf ihre Seite ziehen. Dass sich sogar Japan dem neuen Abkommen anschließt, untermauert die Relevanz des neuen Paktes. Bislang hatten sich die Japaner immer dem von den USA dominierten West-Block zugehörig gefühlt. Und die wirtschaftliche Bedeutung Chinas dürfte noch wachsen. Längst gilt es als ausgemacht, dass Peking auch die Anrainerstaaten der Neuen Seidenstraße stärker an sich binden wird.

Die deutsche Wirtschaft, deren Wohl und Wehe von einem erfolgreichen Außenhandel abhängt, bringt das in einen Interessenskonflikt. Für sie hat die Entwicklung nachhaltige Folgen. Durch die weltweite Corona-Pandemie haben die deutschen Exporte in den vergangenen Monaten ohnehin arg gelitten. Wenn sich die Bedrohung durch das Coronavirus irgendwann verflüchtigt, steht die nächste Herausforderung an: Wie wird man die Sandwich-Position meistern? Wie können die deutschen Unternehmen weiterhin mit China Geschäfte machen, ohne die westlichen Partner, allen voran die USA, zu düpieren?

Diplomatisches Geschick ist gefragt. Mehr denn je gilt es, europäische Interessen zu bündeln und weitere Handelspartner, auch in Südostasien, für eine engere Zusammenarbeit zu begeistern. Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Die so schroffe America-First-Politik ist voraussichtlich ab Ende Januar Geschichte. Wenn Trumps Nachfolger Joe Biden kooperativer ist, kann das helfen. Aber einfach wird das nicht.

Quelle: ntv.de