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Viel Aufreger-Potenzial "Steuerzahlergedenktag" führt in die Irre

Banknoten von 50, 20 und 10 Euro liegen auf einem Haufen. Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv/Symbolbild

Mehr als die Hälfte von jedem verdienten Euro zahlt der Durchschnittsbürger an den Staat. So rechnet zumindest der Bund der Steuerzahler.

(Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv/Symbolbild)

Wie jedes Jahr im Juli ruft der Bund der Steuerzahler einen "Gedenktag" aus, um niedrigere Steuern und Abgaben zu fordern. Die Rechnung, die er an diesem Datum aufmacht, ergibt jedoch wenig Sinn.

Alle Jahre wieder: Der Bund der Steuerzahler ruft irgendwann im Juli den "Steuerzahlergedenktag" aus. Und wie jedes Jahr ist zu hören und zu lesen, dass man erst jetzt wieder "für das eigene Konto" arbeitet. Bis dahin gehe die Kohle an den Staat. Heute ist es wieder so weit, genau genommen um 17.30 Uhr. Rund die Hälfte unseres Einkommens wandert also an den Staat. Klingt empörend. Doch wie so häufig ist die Sache viel weniger aufregend.

Zur Einordnung: Nach Berechnungen des Vereins fließt das gesamte Einkommen, das die Steuer- und Beitragszahler bis heute Abend erwirtschaftet haben, rein rechnerisch durch Steuern und Abgaben an öffentliche Kassen. Die Einkommensbelastungsquote für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer-Haushalt liegt demnach dieses Jahr wohl bei 52,1 Prozent.

Hier zeigt sich das größte Problem der Veranstaltung: Zu den Steuern werden Sozialabgaben addiert. Der Rechnung zufolge machen diese Abgaben sogar den größten Anteil aus. Mit 31 Cent von jedem Euro Einkommen werden die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung finanziert. Das sind mehr als alle Steuern, die sich auf etwas mehr als 21 Cent summieren.

Doch Sozialabgaben sind keine Steuern. Diesen Zahlungen stehen individuelle Ansprüche und Leistungen gegenüber - auf Krankenversorgung, Arbeitslosengeld, Rente und Pflege im Alter. Im Prinzip handelt es sich also um Versicherungsbeiträge. Die kann man für zu hoch oder gar für unnötig halten - doch werden sie abgeschafft, muss man sie durch private Vorsorge ersetzen. Und auch die kostet Geld.

Kaum Aussagekraft

Auch die Steuerlast kann man selbstverständlich als viel zu hoch kritisieren und Politikern vorwerfen, allzu freigebig Geld aus dem Fenster zu werfen. Doch sollte man dabei nicht vergessen: Für Steuern gibt es eine Gegenleistung - etwa in Gestalt von Straßen, Krankenhäusern und Polizisten. Hinzu kommt, dass der verbreitete Durchschnittswert von knapp über 50 Prozent suggeriert, dass jeder gleich viel Steuern zahlt - unabhängig von seinem Einkommen und seinem Vermögen. Er sagt damit also nur wenig aus.

Es ist eben nicht so, dass der Staat "uns" das Geld aus der Tasche zieht und dass von einem Euro nur 47,9 Cent bleiben. Steuern und Abgaben lösen sich nicht einfach in Luft auf. Wir finanzieren damit unser Gemeinwesen.

Quelle: ntv.de