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Desaströse Bilanz Tsipras schwenkt die weiße Flagge

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Alexis Tsipras hat Griechenland in der Eurozone isoliert.

(Foto: dpa)

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ist bereit, die Kapitulation zu unterzeichnen. Doch für ihn könnte es bereits zu spät sein.

Alexis Tsipras kapituliert. Es ist eine bittere Niederlage für Griechenlands Ministerpräsidenten. Doch bleibt ihm nichts anderes übrig. Die Schlangen vor den Geldautomaten, die vielen ängstlichen Rentner vor den Banken, die Hamsterkäufe in Supermärkten ließen ihm keine andere Wahl.

Tsipras blickt auf eine desaströse Bilanz: Die Banken stehen vor dem Kollaps, an vielen Tankstellen gibt es kein Benzin mehr, und Griechen laden Einkaufswagen mit Toilettenpapier und Spaghetti voll. Griechenland befindet sich mit dem Sudan, Simbabwe und Somalia in dem exklusiven Klub von Staaten, die beim IWF in Zahlungsverzug geraten sind. Und wofür das alles? Um ein neues von den Gläubigern diktiertes Memorandum doch noch zu unterzeichnen.

Tsipras kann von Glück reden, wenn er einen Deal zu den alten Bedingungen bekommt. Denn weshalb sollten die Kreditgeber ihm glauben, dass er seine Versprechen auch wirklich umsetzt?

Natürlich trifft die griechische Seite nicht die Alleinschuld an diesem Desaster. Die Vorgängerregierungen haben Tsipras eine schwere Hypothek hinterlassen. Und die Gläubiger sind für ein Sparprogramm verantwortlich, dass völlig überzogen war. Die Wirtschaft ist um ein Viertel eingebrochen, die Hälfte der Jugendlichen ohne Arbeit und weit verbreitete Hoffnungslosigkeit sind wahrlich keine Bilanz, auf die man stolz sein kann.

Tsipras ist das Kunststück gelungen, trotz der zu harten Sparprogramme Griechenland und nicht Deutschland in der Eurozone zu isolieren. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu viel geredet und zu wenig gehandelt zu haben. Jetzt steht er vor den schweren Aufgabe, seinem Volk zu erklären, was seine Regierung in den vergangenen fünf Monaten eigentlich gemacht hat.

Die Geldgeber müssen sich davor hüten, jetzt zu triumphieren. Denn die Kapitulation von Tsipras wird viele Griechen noch zorniger machen, als sie es ohnehin schon sind. Sie fühlen sich gedemütigt und von den Gläubigern erpresst. Die ängstlichen Rentner, die vor den Banken ihre Sparbücher umklammern, sollten die Regierungen im Rest der Eurozone daran erinnern, dass es nicht nur um abstrakte Zahlen geht. Es geht um Menschen.

Quelle: n-tv.de

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