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Tsipras zu Gast bei Putin Was soll das?

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(Foto: REUTERS)

Alexis Tsipras trifft Wladimir Putin. Für den griechischen Premier ist die Reise nach Moskau nicht sonderlich hilfreich. Für den russischen Präsidenten schon.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras besucht Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Damit bleibt sich der Gast aus Athen treu. Denn die Reise nach Moskau fügt seinen zahlreichen schlechten Ideen eine weitere hinzu.

Mit dem Trip tut Tsipras weder sich noch seinem Land einen Gefallen. Putin dagegen darf sich freuen, schließlich lassen sich westliche Regierungschefs seit der Annexion der Krim im Kreml nur noch selten blicken. Und bei Tsipras kommt hinzu, dass er sogar die gegen Russland verhängten Sanktionen kritisiert. Im Grunde ist sein Besuch bei Putin nur konsequent: Beiden ist das Kunststück gelungen, sich ohne Not selbst zu isolieren.

Wieso reist Tsipras eigentlich nach Moskau? Er kann nicht allen Ernstes glauben, dass Russland Griechenland vor der Pleite bewahrt. Mit welchem Geld soll das gelingen? Abgesehen davon hat Moskau sowieso kein Interesse daran, mit Milliardensummen für das Überleben der Eurozone zu sorgen. Außerdem muss sich Putin bereits mit immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten herumschlagen. Rezession, niedriger Ölpreis, Rubelschwäche, Kapitalflucht, Inflation – der Kreml wird sich davor hüten, sich noch ein Problem aufzuhalsen.

Dass Tsipras dafür sorgt, dass die Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden, ist vollkommen illusorisch. Wie einflussreich der griechische Premier ist, zeigt sich gerade eindrucksvoll an den Verhandlungen zwischen ihm und der Gläubigergruppe um neue Milliardenhilfen. Statt wie vollmundig angekündigt Schuldenschnitt und Ende der Sparmaßnahmen zu erreichen, steuert er sein Land in Richtung Pleite.

Wahrscheinlich wird Tsipras nicht mit vollkommen leeren Händen nach Athen zurückkehren. Putin wird ihm vielleicht versprechen, das Importverbot für griechische Lebensmittel unter Umständen aufzuheben. Oder er wird vage Kredite in Aussicht stellen, wenn sich russische Firmen im Gegenzug an griechischem Staatsbesitz beteiligen dürfen. All das deckt mit Sicherheit nicht einmal den kurzfristigen Finanzierungsbedarf Griechenlands, den langfristigen schon gar nicht.

Tsipras will mit dem Besuch bei Putin den Europäern zeigen, dass es für ihn Alternativen gibt. Sein Problem ist: Er hat keine. Und das wissen alle Beteiligten.

Quelle: n-tv.de

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