Marktberichte

Trumps Veto-Drohung stört nicht Aussicht auf Brexit-Deal beflügelt Wall Street

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An Heiligabend wird an der Wall Street noch gehandelt.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump will das lang ersehnte US-Konjunkturpaket nicht verabschieden, doch trübt die Laune der Anleger nicht. Zur Wochenmitte nähert sich der Dow Jones sogar kurzfristig seinem Rekordhoch, fällt dann aber wieder etwas ab.

Mit einer uneinheitlichen Tendenz hat die Wall Street zur Wochenmitte den Handel beendet. Die Aussicht auf einen möglicherweise kurz vor dem Abschluss stehenden Brexit-Deal zwischen der EU und Großbritannien und die angelaufene Impf-Kampagne in den USA sorgten für positive Stimmung. Dies dürfte der US-Konjunktur im kommenden Jahr kräftig auf die Sprünge helfen, so die Hoffnung der Marktteilnehmer. Dass der scheidende US-Präsident Donald Trump die Ausgestaltung des Konjunkturpakets kritisiert und für höhere Direktzahlungen an Familien plädiert, belastete nicht. Im Gegenteil, der von Trump geforderte Betrag von 2000 Dollar pro Person wäre noch positiver, hieß es. Sollte Trump nicht binnen zehn Tagen das entsprechende Gesetz unterzeichnen oder sein Veto dagegen einlegen, tritt es automatisch in Kraft. Aber selbst im Fall eines Vetos könnte er vom Kongress überstimmt werden.

Dow Jones
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"Es gibt ein Gefühl von 'endlich ist es geschafft', aber es war wirklich nichts drin, was den Staaten und Gemeinden hilft, und das Arbeitslosengeld reicht nur bis März", sagte Andrew Smith, Chief Investment Stratege von Delos Capital Advisors. "Es wird ein harter Start in das Jahr 2021 werden", so Jonas Goltermann, Senior Markets Economist bei Capital Economics. "Kurzfristig wird es etwas mehr Belastungen geben, aber in der zweiten Jahreshälfte sollten wir uns in einer kräftigen Erholung befinden und ein recht starkes Wachstum sehen", ergänzte der Teilnehmer.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,4 Prozent auf 30.130 Punkte. Der S&P-500 verbesserte sich um 0,1 Prozent auf 3.690 Punkte. Der Nasdaq-Composite verlor dagegen 0,3 Prozent auf 12.771 Punkte, nachdem er im Verlauf erneut auf ein Rekordhoch gestiegen war. An der Wall Street war der Mittwoch der vorletzte Handelstag vor der Weihnachtspause. Während an vielen anderen Börsen am Donnerstag wegen Heiligabend der Handel ruht, findet in den USA noch eine verkürzte Sitzung statt.

Verbraucherstimmung leicht unter Erwartung

Die US-Konjunkturdaten des Tages lieferten ein gemischtes Bild. So gingen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend deutlich zurück. Die persönlichen Einkommen fielen im November unerwartet kräftig, während die Ausgaben im erwarteten Rahmen zurückgingen. Und die Auftragseingänge bei langlebigen Wirtschaftsgütern stiegen im vergangenen Monat wiederum stärker als prognostiziert.

Pfizer
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Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich im Dezember zwar aufgehellt, der an der Universität Michigan berechnete Index für die Verbraucherstimmung stieg in der zweiten Lesung allerdings nicht ganz so stark wie erwartet. Die US-Neubauverkäufe brachen im November dagegen um 11 Prozent ein, während Ökonomen lediglich einen Rückgang um 0,9 Prozent erwartet hatten.

Pfizer und Biontech mit weiterem US-Auftrag im Blick

Pfizer und Biontech haben am Mittwoch einen Vertrag mit der US-Regierung zur Lieferung von weiteren 100 Millionen Dosen ihres Corona-Imfpstoffs bekannt gegeben. Der Auftrag hat ein Volumen von 1,95 Milliarden Dollar. Pfizer gewannen 1,9 Prozent, Biontech verloren dagegen 0,5 Prozent. Die Aktien von Moderna, das ebenfalls einen Impfstoff gegen das Virus entwickelt hat, legten um 3,5 Prozent zu.

Palantir stiegen um 2,3 Prozent. Das erst seit Ende September an der Börse notierte Unternehmen hat vom britischen Gesundheitsdienst NHS einen Auftrag erhalten, der dem Datenanalysespezialisten über eine Laufzeit von zwei Jahren 31,6 Millionen Dollar bringen dürfte.

Die Aktien von Magna International legten um 9,0 Prozent zu. Der Autozulieferer aus Kanada und der südkoreanische Elektronikkonzern LG gründen ein Joint Venture für Elektroauto-Komponenten. Das Unternehmen soll Elektromotoren, Konverter, Ladevorrichtungen und weitere Systeme produzieren.

Ölpreise steigen kräftig

Goldpreis
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Für die Ölpreise ging es kräftig nach oben, nachdem die wöchentlichen US-Öllagerdaten einen Rückgang gezeigt hatten. Jedoch war dieser weniger stark ausgefallen als erwartet. Die Benzindaten hätten aber erneut auf eine erhöhte Nachfrage hingedeutet. Teilnehmer sprachen auch von einer Erholung von den jüngsten Abgaben, die vor allem vom starken Dollar ausgelöst worden waren. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 2,2 Prozent auf 48,04 Dollar, Brent verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 51,15 Dollar.

Der etwas schwächere Dollar stützte auch den Goldpreis, der zuletzt ebenfalls unter dem starken Greenback gelitten und drei Handelstage in Folge Abgaben verzeichnet hatte. Der Preis für die Feinunze Gold stieg um 0,6 Prozent auf 1.872 Dollar.

Der Dollar-Index reduzierte sich um 0,3 Prozent. Der Devisenmarkt stand ganz im Bann eines sich anbahnenden Durchbruchs bei den Brexit-Gesprächen. Das Pfund stieg in der Spitze bis auf 1,3571 Dollar, nach 1,3410 Dollar vor den ersten Meldungen über ein möglicherweise bevorstehendes Brexit-Abkommen. Im späten US-Handel notierte das Pfund bei 1,3507 Dollar. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen legte derweil um 3,4 Basispunkte auf 0,95 Prozent zu. Den "sicheren Hafen" belastet die Aussicht auf einen Brexit-Deal, hieß es.

Quelle: ntv.de, ino/DJ