Marktberichte

US-Börsen schließen fester Dax fängt sich

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(Foto: dpa)

Keine Themen beschäftigen die Anleger am Aktienmarkt momentan mehr als der drohende Brexit und die US-Zinswende. In beiden Fällen herrscht Unsicherheit - auch nach der Rede von Fed-Chefin Yellen. Die Börsen schaffen es jedoch, sich stabil zu halten.

Die wieder wachsende Furcht der Anleger vor dem "Brexit" und seinen Folgen für die Weltwirtschaft haben auf dem Frankfurter Aktienmarkt gelastet. Der Dax schließt dennoch 0,8 Prozent fester bei 10.121 Punkten. Zu größeren Kurssprüngen reichte es bei einem recht lustlosen Handel allerdings nicht. Jochen Stanzl von CMC Marktes empfiehlt, den Zuwachs nicht zu hoch zu bewerten: "Die heutige Erholung des Dax um ein paar Punkte ist lediglich eine Gegenreaktion auf die Verluste vom Freitag, mehr nicht."

Dax
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Der MDax legt 0,5 Prozent auf 20.634 Zähler zu, während es für den TecDax 0,2 Prozent auf 1683 Punkte nach unten geht.

Bei den Konjunkturdaten zeigte der schwache deutsche Auftragseingang im April keine Wirkung. Schließlich wurde der Vormonat März deutlich nach oben revidiert.

"Der Handel ist extrem ruhig, Anleger befinden sich in Wartehaltung", sagt Aktienstratege Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. "Eine klare Richtung werden die Aktienmärkte erst nach dem 23. Juni finden". An diesem Tag stimmen die Briten über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ab.

"Wir befinden uns in der letzten Phase der Brexit-Debatte", sagt Investment-Manager Jonathan Roy vom Vermögensverwalter Charles Hanover mit Blick auf die europäischen Aktienmärkte. Daher trennten sich einige Anleger bereits von Unternehmen mit großem Großbritannien-Engagement. "Sie schauen sich Aktien an, denen deutliche Verluste drohen, sollten die Briten für den Ausstieg aus der EU stimmen."

Yellen bleibt vage

Am Freitag war der deutsche Leitindex nach überraschend schwachen US-Jobdaten deutlich ins Minus gerutscht. Die Rede der Fed-Chefin war nicht nur deshalb mit Spannung verfolgt worden. Es war vermutlich auch ihre letzte vor der US-Notenbanksitzung in der kommenden Woche. Bereits vor der Rede hatten die Anleger eine Zinserhöhung im Juni bereits ad acta gelegt. Dies zumal am 23. Juni noch das Referendum in Großbritannien über den Verbleib des Landes in der EU ansteht. Yellen erwähnte ausdrücklich die Gefahren, die sich aus diesem Votum ergäben.

Zwar sei eine weitere Straffung der Geldpolitik trotz der jüngsten Schwäche am Arbeitsmarkt grundsätzlich angemessen, so Yellen. In ihrer Rede fehlte jedoch der bisherige Passus, dass Zinserhöhungen "in den kommenden Monaten" angebracht seien. Diese Auslassung legt nahe, dass die US-Währungshüter ihre Zinspläne wegen des dramatischen Einbruchs am Arbeitsmarkt überdenken.

Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank hatte die Aktienmärkte lange Zeit gestützt. Inzwischen rückt aber immer mehr die Ursache des billigen Geldes ins Bewusstsein der Anleger - das eher holprige Wirtschaftswachstum. Viele Marktteilnehmer sehnen eine Zinserhöhung auch als Bestätigung dafür herbei, dass die US-Wirtschaft die Hilfe der Fed nicht mehr nötig hat.

USA: Indizes auf neuen Jahreshochs

An den US-Börsen ist es zu einer Erholung gekommen. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,6 Prozent auf 17.920 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legte um 0,5 Prozent auf 2109 Zähler zu. Das neue Jahreshoch wurde bei 2113,36 Punkten markiert. Der Index der Technologiebörse Nasdaq schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 4.969 Punkten, hier liegt das neue Jahereshoch bei 4.980,14 Punkten.

Bei den Einzelwerten legen Wal-Mart 0,3 Prozent zu. Die Analysten von Jefferies haben die Aktie des Einzelhandelskonzerns auf "Buy" von "Hold" hochgestuft und das Kursziel auf 82 von 60 Dollar erhöht. Aktien von Adamis sacken derweil um 54 Prozent ab. Die US-Behörden haben den Zulassungsantrag des Pharma-Konzerns für ein Medikament gegen allergische Reaktionen ein zweites Mal zurückgewiesen.

Beim Rivalen Pronai sind negative Nachrichten der Grund für einen Kursabsturz von 67,5 Prozent. Der Konzern setzt die Entwicklung eines Medikaments gegen Krebserkrankungen bis auf weiteres aus.

Lufthansa im Minus

Im Dax finden sich die Versorger vorne. RWE verteuern sich um 4,1 Prozent und Eon um 2,2 Prozent. Dagegen führen Lufthansa die Verlierer mit einem Minus von 2,4 Prozent an. Händler führten das darauf zurück, dass Barclays das Kursziel auf 13,50 Euro reduziert hat.

Bei Bilfinger im MDax geht der Kurseinbruch weiter, die Aktien verbilligen sich um 5 Prozent. Aus Sicht der DZ Bank sind keine positiven Kurstreiber in Sicht. Nach dem zuletzt erfreulichen Kursverlauf dürfte das Aufwärtspotenzial erschöpft sein. Die Bank strich die Aktie von einer Empfehlungsliste.

Bei den Einzelaktien standen auch Stada im Blick: Nachdem Übernahmespekulationen die Aktien getrieben hatten, steht nun ein überraschender Stabwechsel auf dem Programm. Krankheitsbedingt scheidet Vorstandschef Hartmut Retzlaff aus dem Amt aus. Nun müsse zwischen den Zeilen gelesen werden, was dies für den angeschobenen Transformationsprozess bei dem Generikahersteller bedeute, so ein Händler: "Mit Wiedenfels kommt ein Stada-Manager an die Spitze, der die Reform aktiv mitgestaltet. "Damit werde die Story an der Börse weitergespielt, was sich im Plus der Aktie von 3,7 Prozent zeige.

Aktionäre von Schaeffler dürfen sich über den baldigen Aufstieg in den Nebenwerteindex MDax freuen: Die Titel des Autozulieferers legen um 0,9 Prozent zu. Schaeffler tauscht seinen Platz im SDax am 20. Juni mit Wincor Nixdorf. Dessen Papiere schlossen leicht im Plus.

Öl wird teurer

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 87,56

Unterstützung erhielt die Börse auch von der Erholung der Ölpreise. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte WTI stieg um 2,2 Prozent auf 49,69 Dollar. Der schwächelnde Dollar und Spekulationen auf ein knapperes Angebot gaben dem Ölpreis Auftrieb. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuert sich um 1,8 Prozent auf 50,54 Dollar je Barrel. Am Devisenmarkt notierte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, wegen der schwindenden Aussicht auf eine baldige US-Zinserhöhung nur knapp über seinem Drei-Wochen-Tief vom Freitag. Ein fallender Dollar macht den Kauf von Rohstoffen für Anleger außerhalb der USA attraktiver. In Nigeria fiel die Ölproduktion auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren, nachdem bei Bombenanschlägen drei Pipelines beschädigt wurden. Mit etwa 800.000 Barrel pro Tag fördert das afrikanische Land derzeit weniger als halb so viel Öl wie üblich.

Pfund unter Druck

Das britische Pfund leidet unter dem Ergebnis zweier neuer Umfragen vom Wochenende, wonach die Befürworter eines britischen EU-Ausstiegs in Front liegen. Unter 19.000 vom "Daily Telegraph" befragten Briten gaben 69 Prozent an, am 23. Juni für den Ausstieg stimmen zu wollen. Das Brokerhaus FXTM spricht in diesem Zusammenhang von der "bisher schockierendsten Umfrage". Auch in der Online-Umfrage von YouGov und TNS liegen die Ausstiegsbefürworter vorne.

Das Pfund verbilligt sich auf 1,2654 Euro bzw. 1,4355 Dollar am Freitagabend wurden noch 1,2738 Euro bzw. 1,4479 Dollar gezahlt. Damit notiert das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Mai. Durch das immer näher rückende Referendum müsse mit hoher Volatilität beim Pfund gerechnet werden, so FXTM.

Die LBBW geht allerdings davon aus, dass die Briten am 23. Juni für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stimmen werden. Obwohl das Pfund zuletzt wieder Boden zum Euro gutgemacht habe, dürfte das Risiko eines EU-Austritts immer noch eingepreist sein. Sollte Großbritannien letztlich tatsächlich in der EU verbleiben, dürfe daher mit einer Erleichterungsrally beim Pfund zu rechnen sein.

Der Eurokurs, der zur Rede von Janet Yellen kurz auf den höchsten Stand des Tages bei 1,1393 US-Dollar gestiegen war, lag zur Schlussglocke an der Wall Street bei 1,1362 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1349 (Freitag: 1,1154) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8811 (0,8965) Euro.

Derweil stabilisiert sich der Greenback im asiatisch dominierten Geschäft wieder etwas und notiert bei 106,96 Yen. Vor Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten am Freitag hatte er noch fast 109 Yen gekostet und war in der Folge bis auf etwa 106,40 Yen abgerutscht.

Asien: Nikkei mit Minus

Nikkei
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Überwiegend gelassen fallen die Reaktionen an den ostasiatischen Börsen und in Australien auf den enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht aus. Am stärksten bewegen sich die Indizes in Tokio und in Sydney, während sich an den chinesischen Börsen fast nichts tut. In Südkorea findet wegen eines Feiertags kein Handel statt. Teilnehmern zufolge richtet sich das Interesse nun stark auf einen Auftritt von US-Notenbankchefin Janet Yellen im späteren Tagesverlauf, von dem neue Hinweise auf den mutmaßlichen Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung erhofft werden.

Der Nikkei-Index verliert in Tokio 0,4 Prozent und schließt bei 16.580 Punkten, zeigt sich damit aber von im Verlauf schon größeren Verlusten wieder etwas erholt. Hier belastet vor allem der zum Yen stark gesunkene Dollar in Reaktion auf den Arbeitsmarktbericht, der eine Zinserhöhung im Sommer für viele Beobachter wieder unwahrscheinlicher gemacht hat. In den USA fiel der Stellenzuwachs im Mai so niedrig aus wie seit fünf Jahren nicht mehr und blieb zugleich weit hinter den Prognosen zurück. Ein höherer Yen belastet die Exportaussichten japanischer Unternehmen, weshalb die Kurse von Auto- und Konsumelektronikaktien zu den größeren Verlierern gehören.

Am stark von der Entwicklung bei den Rohstoffen dominierten Aktienmarkt im australischen Sydney geht es dagegen um 0,7 Prozent nach oben, weil der schwächere Dollar steigende Preise der in Dollar gehandelten Rohstoffe zur Folge hat.

Quelle: ntv.de, jga/wne/DJ/rts/dpa

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