Marktberichte

Wall Street schließt uneinheitlich Dax kriegt gerade noch die Kurve

Nervöse Anleger bestimmen das Bild zur Wochenmitte am deutschen Aktienmarkt. Erst fallen die Kurse, dann steigen sie wieder. Die Handelsspanne ist erneut dreistellig. Den Vogel schießt aber ein MDax-Wert ab.

Zur Wochenmitte hat der deutsche Aktienmarkt erst spät seine Gewinne eingefahren. Am Vormittag markierte der Dax zunächst sein Tagestief bei 9812 Punkten. "Mehr Anleger setzen jetzt auf fallende Kurse", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf. Die Angst vor einer rascheren Zinserhöhung in den USA hatte die Käufer ausgebremst. Auch an der Wall Street fielen die Kurse zunächst. Vor der Veröffentlichung der Fed-Protokolle im späten US-Handel drehten die Kurse dann aber leicht ins Plus und zogen auch den Dax mit.

Der Dax schloss 0,5 Prozent fester bei 9943 Punkten - und damit auf Tageshochniveau. Damit betrug die Handelsspane rund 130 Punkte, am Dienstag war der Leitindex nach einem Kursrutsch von 230 Zählern vom Tageshoch mit 9890 Zählern aus dem Handel gegangen. Der MDax zog 0,3 Prozent auf 20.118 Stellen an. Der TecDax, der am Dienstag noch zulegen konnte, präsentierte sich 0,2 Prozent im Plus bei 1664 Punkten.

Konjunktur: Die liebe Zins- und Geldpolitik

Die Rufe nach steigenden Zinsen waren am Dienstag wieder lauter geworden, konkret von den Notenbankmitgliedern Dennis Lockhart, John Williams und Robert Kaplan. Außerdem nährten die neuesten US-Inflationsdaten entsprechende Spekulationen. "Der Markt ist auf eine Zinserhöhung im Juni nicht vorbereitet", sagte ein Händler. Nach dem Statement der Notenbank im Anschluss an die Sitzung im April habe der Markt einen Zinsschritt im Juni mehr oder weniger ausgepreist. "Deshalb werden die Marktteilnehmer nun nervös", so der Händler.

In der Eurozone fielen indes die Zahlen zur Inflation wie erwartet aus. Im Jahresvergleich ging die Teuerung wie prognostiziert 0,2 Prozent zurück.

Devisen: Euro runter, Pfund rauf

Der Euro verlor indes zum Dollar deutlich an Boden. Im Tagesverlauf gab die Gemeinschaftswährung gut einen halben Cent nach und sank schließlich bis auf 1,1220 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1279 Dollar fest nach 1,1318 Dollar am Dienstag.

Starker Druck auf den Euro kam vom US-Dollar, der auch zu vielen anderen Währungen deutlich zulegte. Ausschlaggebend waren zum einen Konjunkturdaten, die in den vergangenen Tagen überwiegend positiv überrascht hatten. Hinzu kamen Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank, die ein etwas zügigeres Straffungstempo nahelegen.

Starken Rückenwind erhielt auch das britische Pfund. Auslöser war eine neue Umfrage der Meinungsforscher von Ipsos Mori, in der sich eine klare Mehrheit der Befragten gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprach. Am 23. Juni werden sich die Briten entscheiden müssen, ob ihr Land auch künftig der Europäischen Union angehören soll. Wegen der großen Ungewissheit über den Ausgang des Referendums warnen Finanzmarktexperten seit langem vor erheblichen Kursschwankungen schon im Vorfeld der Abstimmung.

"Die so schöne und lange gültige Logik - schwacher Euro gleich starker Dax und umgekehrt - stimmt nicht mehr", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Seit 1.Mai hat der Euro aufgrund ordentlicher US-Konjunkturdaten zum Dollar 4 Cent verloren, der Dax jedoch ist parallel dazu ebenfalls ein gutes Stück gefallen", erläuterte er. "Die neuen Impulse müssen offenbar zunächst einmal von anderer Seite kommen. Und fehlen sie, ist eben kaum Luft nach oben."

Dax: Zwischen E-Auto-Prämie und Abgasskandal

Unter den Einzelwerten im Leitindex blieben die Autowerte im Fokus. Zum einen räumte nun auch Suzuki Manipulationen ein. Zum anderen will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel den E-Auto-Absatz hierzulande mit staatlichen Hilfsmaßnahmen ankurbeln. Und: Volkswagen ging nach der herben Kritik von TCI auf den Hedgefonds zu. Bei vielen von dem Investor angesprochenen Punkten sei man sich einig, schrieb Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter in einem Antwortschreiben an den britischen Hedgefonds TCI,  VW schlossen rund 1,5 Prozent im Plus. BMW und Daimler gaben jeweils um 0,5 Prozent ab

Aktien des Rückversicherers Munich Re gewannen um 0,6 Prozent. Analysten von des US-Brokers Jefferies hatten die Titel von "Halten" auf "Kaufen" heraufgestuft.

Die Deutsche Börse legte indes einen Zeitplan für den geplanten Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) vor. Demnach sollen die Aktionärsunterlagen im Juni veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung dieser Dokumente unterliegt der Genehmigung der Bafin, der United Kingdom Listing Authority, des Boards der LSE sowie des Vorstands der Deutschen Börse AG. Deutsche-Börse-Titel zogen 0,6 Prozent an.

Zwei Personalien

Infineon erweitert seinen Vorstand auf vier von drei Mitgliedern. Jochen Hanebeck, bisher zuständig für den Bereich Automotive, rückt zum 1. Juli in den Vorstand auf und übernimmt dort das neu geschaffene Ressort Operations. Den Aktionären scheint das zu gefallen, der Kurs von Infineon kletterte 1,8 Prozent.

Die Deutsche Post ernannte Tim Scharwath zum Konzernvorstand für das Frachtgeschäft. Scharwath werde seinen Posten als Chef des Bereichs DHL Global Forwarding, Freight in den nächsten zwölf Monaten antreten, teilte die Post mit. Bis dahin bleibe Vorstandschef Frank Appel verantwortlich für diese Sparte. Post-Aktien verbesserten sich 0,4 Prozent.

MDax: Kuka-Kurs schießt nach oben

Um zeitweise rund ein Drittel stieg der Kuka-Kurs. Am Ende bleib ein Aufschlag von stolzen rund 24 Prozent. Der Grund: Die chinesische Midea Group will den deutschen Roboterhersteller übernehmen - für 115 Euro je Aktie. "Mit der niedrigen Mindestannahmeschwelle von nur 30 Prozent kommuniziert Midea, dass sie das Paket auf jeden Fall wollen", sagte ein Händler. Auch sei die Prämie sehr hoch, so dass die Übernahme als "sicher" einzustufen sei. Die Prämie liegt 30 Prozent über dem dreimonatigen Durchschnittspreis von Kuka.

Südzucker schlossen 0,4 Prozent fester, Cropenergies sogar rund 2,7 Prozent. "Wer auf die Entwicklung im Ethanol-Preis geschaut hat, für den sind die Zahlen von Cropenergies keine Überraschung", so ein Marktteilnehmer zu dem Ergebnis der Südzucker-Tochter. Für einen anderen Händler waren die Zahlen für das Geschäftsjahr 2015/16 "oberhalb der Erwartung" ausgefallen. Südzucker legt die Jahresergebnisse am Donnerstag vor.

SDax: Aktienrückkauf bei Cewe

Cewe-Titel legten etwa 5 Prozent zu. Das Unternehmen will bis zu 10 Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen. "Das treibt den Kurs an", so ein Marktteilnehmer. Die Liquidität in dem Papier sei relativ dünn.

Zeal Network sackten dagegen etwa 6 Prozent ab. Den Grund sahen Händler darin, dass der Online-Lottoanbieter wegen einer großen Gewinnausschüttung seine Prognose senken musste.

Wall Street reagiert gelassen auf Fed-Protokoll

Die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank hat die Kurse an der Wall Street am Mittwoch kaum belastet. In einzelnen Sektoren, die - wie etwa die Finanzindustrie - als Nutznießer höherer Zinsen gelten, kam es sogar zu Käufen, was den Druck auf die Indizes milderte. Der Dow-Jones-Index sank um 3 Punkte auf 17.527 Punkte. Der S&P-500 schloss kaum verändert, während der Nasdaq-Composite um 0,5 Prozent stieg.

An den Märkten galt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juni zuletzt als sehr gering und war mit einem entsprechend niedrigen Prozentsatz eingepreist worden. Aus dem Protokoll ging hervor, dass die Fed die Erwartungshaltung der Märkte dahingehend beeinflussen möchte, dass diese eine höhere Wahrscheinlichkeit einpreisen. Ganz überraschend dürften die Aussagen des Protokolls nicht gekommen sein. Schließlich hatten in den vergangenen Tagen mehrere Vertreter der US-Notenbank die Märkte auf die Möglichkeit einer Zinserhöhung schon im kommenden Monat eingestimmt. Außerdem waren diverse Konjunkturdaten besser ausgefallen als erwartet.

Nach Home Depot hat auch die Baumarktkette Lowe's einen über den Erwartungen liegenden Anstieg beim Gewinn je Aktie für das erste Quartal vermeldet. Die flächenbereinigten Umsätze legten um 7,5 Prozent zu, was damit deutlich über den Erwartungen und zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt auch vor Home Depot mit einem Umsatzanstieg um 7,4 Prozent liegt. Den Ausblick hat Lowe's dessen ungeachtet lediglich bestätigt. Lowe's legten um 3,3 Prozent zu, während Home Depot um 0,2 Prozent nachgaben.

Die Ergebnisse des Büroausstatters Staples für das erste Quartal haben den Erwartungen entsprochen, wie es im Handel hieß. Börsianer sahen in den Zahlen einen Beleg dafür, warum Staples mit Office Depot zusammengehen wollte. Der flächenbereinigte Umsatz in Nordamerika fiel um 4 Prozent. Staples verloren 0,7 Prozent. Mit Target legte ein weiterer Einzelhändler enttäuschende Zahlen vor. Die Konsumzurückhaltung der US-Bürger dürfte dem Discounter auch im laufenden Quartal zu schaffen machen. Der Kurs brach daraufhin um 7,6 Prozent ein.

Cisco erhöhten sich vor der Vorlage von Geschäftszahlen, die nach der Schlussglocke erfolgen sollte, um 0,3 Prozent. Nach einer Hochstufung auf "Buy" durch Goldman Sachs verbesserten sich Tesla um 3,2 Prozent. Die Analysten verwiesen auf den deutlich gesunkenen Kurs der Aktie und die Vorbestellungen für das neue Model 3.

Rohstoffe: Ölpreis stabil

Die am Nachmittag veröffentlichten wöchentlichen Rohöllagerdaten der US-Regierung hatten die Ölpreise erstaunlich gut weggesteckt, obwohl die Bestände in der vergangenen Woche überraschend gestiegen waren. Der WTI-Preis stieg am frühen Abend sogar auf sein Tagehoch bei 48,95 Dollar. Analysten hatten mit sinkenden Beständen gerechnet, zumal am Vorabend der Branchenverband American Petroleum Institute für die vergangene Woche einen Rückgang um 1,1 Millionen Barrel gemeldet hatte. Allerdings stützten Forderausfälle in anderen Ländern den Preis. So war am Dienstag gemeldet worden, dass sich die Waldbrände in Kanada wieder ausgebreitet hätten, was die Ölförderung im betroffenen Gebiet stark einschränkt.

Asien: Schwache Märkte

An den ostasiatischen Börsenmärkten ging es zur Wochenmitte abwärts. So schloss der Tokioter Nikkei-Index nach einem volatilen Handel 0,1 Prozent im Minus bei 16.644 Punkten. An  den chinesischen Börsen ging es aus Enttäuschung über eine bislang ausgebliebene Handelsverzahnung zwischen den Börsen Hongkong und Shenzhen abwärts. Der Shanghai Composite lag zwischenzeitlich 1,8 Prozent im Minus, der Shenzhen Composite knapp 2 Prozent.

Derweil hat sich die japanische Wirtschaft zu Jahresbeginn überraschend deutlich erholt. Dank unerwartet starker Verbraucherausgaben und Exporte legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal annualisiert um 1,7 Prozent zu. Volkswirte hatten für das Auftaktquartal dagegen lediglich eine BIP-Steigerung von annualisiert 0,3 Prozent erwartet.

Im Handel lösen die Daten aber keine Euphorie aus, weil laut Händlern die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher Stimuli damit nun gesunken sein dürfte.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/dpa/rts

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