Marktberichte

Minus an der Wall Street Dax fällt vom Tageshoch rund 230 Punkte

Am Vormittag ist die Anlegerwelt am deutschen Aktienmarkt noch in Ordnung, die 10.000er Marke beim Dax geknackt. Am Mittag trübt sich die Stimmung bereits ein. Am Nachmittag kippt sie. Der Grund dafür ist nicht neu und lässt keine Langeweile aufkommen.

Mit einer wilden Berg- und Talfahrt ist der Dax am deutschen Aktienmarkt in die nachpfingstliche, verkürzte Handelswoche gestartet. "Die 10.000er Marke ist dabei in die Ferne gerückt", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Am Vormittag hatte der Leitindex noch sein Tageshoch bei 10.080 Punkten gesetzt. Das Tagestief vom Nachmittag lag dann bei 9847 Zählern und damit rund 230 Stellen darunter. "Wie gewonnen, so zerronnen", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf. Der Grund für den Kursrutsch sieht Dofel vor allem in den USA: Starke Konjunkturdaten seien eine "kalte Dusche für die Käufer" gewesen.

Der Dax verabschiedete sich am Abend mit einem Abschlag von 0,6 Prozent und 9890 Punkten aus dem Handel. Am Freitag war er nach einer wilden Berg- und Talfahrt bei 9953 Zählern aus dem Handel gegangen. Der MDax gab 0,4 Prozent auf 20.064 Stellen nach. Der TecDax konnte dagegen 0,9 Prozent auf 1660 Punkte zulegen.

Konjunktur: "Amerikanische Woche"

Marktteilnehmer sprachen laut Börsenexpertin Marggraf von einer "amerikanischen Woche" aufgrund der vielen anstehenden US-Konjunkturdaten: Am Dienstag überraschten bereits die US-Inflation und auch die Industrieproduktion positiv. Die Teuerung fiel mit 0,4 Prozent etwas höher aus als von Volkswirten mit 0,3 Prozent erwartet. Auch die Industrieproduktion kam besser daher als vorab prognostiziert: plus 0,7 Prozent statt erwarteter 0,3 Prozent. Damit kochte die Zinsdebatte in den USA wieder hoch. Vielleicht drehe die Federal Reserve ja bereits im Juni nun doch an der Zinsschraube, so die Gemütslage bei einigen Marktteilnehmern.

Übergeordnet bleiben die großen US-Banken weiter skeptisch für den Markt. Sowohl Bank of America-Merrill Lynch, Goldman Sachs als auch JP Morgan gehen von einem problematischen Sommer an den Börsen aus und empfehlen Anlegern, aus Aktien umzuschichten. Positiv wirkte dagegen die jüngste Umfrage unter den Briten: Eine Mehrheit spricht sich aktuell dafür aus, in der EU zu bleiben.

Rohstoffe: Ölpreis klopft an 50-Dollar-Marke

Der Ölpreis zeigte sich ebenfalls schwankungsanfällig. Nach Gewinnen kam er zunächst zurück, drehte dann aber wieder ins Plus. Am späten Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 49,36 Dollar. Das waren 0,8 Prozent mehr als am Montagabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) handelte 1,5 Prozent fester bei 48,41 Dollar.

Zum Wochenstart war der Ölpreis bereits kräftig gestiegen. Und auch in der Vorwoche hatte er zugelegt, nachdem ein überraschender Rückgang der Ölreserven und der Fördermenge in den USA für Auftrieb gesorgt hatte. Diese Woche rechnen Experten mit einem zweiten Rückgang in Folge. "Die höheren Ölpreise bringen definitiv ein positives Sentiment an den Aktienmarkt", sagte Marktanalystin Margaret Yang von CMC Markets.

Dax: Immer wieder Autowerte

Bei den Einzelwerten im Dax läuft in dieser Woche die Berichtssaison mit Geschäftsausweisen von Merck und Henkel aus. Am Dienstag schauten die Anleger aber wieder einmal auf die Autowerte, nachdem der norwegische Staatsfonds und VW-Aktionär gegen den Wolfsburger Konzern aufgrund der Abgas-Manipulationen klagen will. Zudem hatte HSBC die Branche weltweit herabgestuft auf "Untergewichten" nach zuvor "Neutral". VW-Titel sackten fast 2,5 Prozent ab. Das gleiche Bild bei Daimler und BMW: Hier fielen die Kurse mehr als 2 Prozent und mehr als 3 Prozent.

Leicht positiv für Lufthansa werteten Händler zwar die Entspannung zwischen Konzern und Gewerkschaft. Der langanhaltende Konflikt mit der Vereinigung Cockpit über Bezahlung und Rente könnte damit abgeschlossen werden. Beide Parteien berichteten von signifikanten Fortschritten und wollten sich bis Ende Juli einigen. "Damit sind Streiks in der Sommersaison kein Thema mehr, das gibt Sicherheit bei der Gewinnprognose", kommentierte ein Marktteilnehmer. Die Lufthansa-Aktien gaben 0,3 Prozent nach.

Deutsche Telekom präsentierten sich dagegen 0,8 Prozent fester. Hier lag der Anlegerfokus auf dem Geschäftsausweis des Hauptkonkurrenten Vodafone: Die Gesamtjahreszahlen und das vierte fiskalische Quartal hätten die Analystenerwartungen genau getroffen, hieß es im Handel. Positiv hervorgehoben wurden der Trend zum gestiegenen Kundeninteresse an höherpreisigen Tarifen und der Anstieg im Servicegeschäft.

Etwa 4,5 Prozent sackten RWE ab. Die Societe Generale hatte die deutschen Versorger Eon und RWE von "Buy" auf "Hold" heruntergestuft. Eon schlugen sich mit minus 0,2 Prozent aber deutlich besser.

MDax: Licht ist in Mode

Osram-Titel schlossen nach zwischenzeitlichen Gewinnen nahezu unverändert. Hier spielten die Pläne des Konkurrenten Philips eine Rolle, der sein Lichtgeschäft an die Börse bringen will und sich davon eine dreistellige Millionensumme und eine milliardenschwere Bewertung des Geschäfts verspricht.

Hugo Boss verbesserten sich dagegen mehr als 2 Prozent. Der Modekonzern hat einen neuen Chef gefunden: Finanzvorstand und Interims-Chef Mark Langer soll das Unternehmen führen. Der Personalausschuss des Aufsichtsrats wolle dem Kontrollgremium die Bestellung Langers vorschlagen, so das Unternehmen. Langer hatte nach dem überraschenden Abgang von Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs im Februar bereits die Verantwortung übergangsweise übernommen.

TecDax: Rocket verdirbt United Internet die Bilanz

Der Kurssturz bei Aktien von Rocket Internet verhagelte dem United Internet wie erwartet den Jahresbeginn: Eine Wertberichtigung von 156,7 Millionen verbuchte das Unternehmen auf das Aktienpaket an dem Börsen-Newcomer. Allerdings: Im Tagesgeschäft lief es für das Unternehmen aber deutlich runder. Analyst Karsten Oblinger von der DZ Bank sprach von soliden Trends. Für United-Internet-Papiere ging es fast 5 Prozent nach oben.

SDax: Kursfantasie bei Braas

Der Kauf eines 29-prozentigen Anteils an Braas Monier durch den Investor 40 North trieb den AktienKurs. Braas-Anteilsscheine sprangen rund 9 Prozent an. "Das weckt so knapp unter der 30-Prozent-Schwelle natürlich Übernahmefantasie", sagte ein Händler. 40 North ist eine Beteiligung von Standard Industries, einer nach eigenen Angaben auf Baumaterialien und Immobilien spezialisierten Investmentgesellschaft aus den USA in privater Hand. Der Vollzug des Einstiegs sollte den Angaben von Braas Monier zufolge noch im Sommer erfolgen.

USA: Rote Zahlen an der Wall Street

An der New Yorker Wall Street drückten Spekulationen über eine baldige Zinserhöhung in den USA die Stimmung. Ein Anstieg der US-Verbraucherpreise schürte unter Anlegern die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve noch in diesem Jahr die Leitzinsen anheben wird.

Fed-Vertreter Dennis Lockhart nannte Juni als denkbaren nächsten Termin. Er und sein Kollege John Williams sprachen übereinstimmend davon, dass bis zu drei Erhöhungen noch in diesem Jahr möglich seien. An den Märkten wird bislang von September als nächstem Termin für eine Zinserhöhung ausgegangen. Die Währungshüter in den USA hatten im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen angehoben.

Der Dow-Jones-Index fiel um 1,0 Prozent und schloss bei 17.530 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,9 Prozent auf 2047 Stellen nach. Der Nasdaq Composite verlor 1,3 Prozent auf 4716 Zähler.

Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im April wegen des teureren Öls im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Das ist der stärkste Anstieg seit Februar 2013 und etwas mehr als Experten erwartet hatten. Unerwartet positiv fiel die Produktion der Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes aus. Sie stellten 0,7 Prozent mehr her als im Vormonat.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die größte Volkswirtschaft der Welt im Frühjahr wieder an Schwung gewinnt. "Die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Leitzinsanhebung der US-Notenbank ist durch die heutigen Daten gewachsen", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Viele Anleger nehmen daher weiter Gewinne mit."

Bei den Einzelwerten verloren die Titel von Office Depot 3,2 Prozent. Hintergrund sind schwache Geschäftsaussichten bei dem Büroartikel-Hersteller. Für die Edelburger-Kette Red Robin ging es sogar um 17,7 Prozent abwärts. Der Umsatz im ersten Quartal war unter den Erwartungen geblieben.

Devisen: Euro und Pfund im Aufwind

Der Euro stieg trotz der robusten US-Konjunkturdaten leicht. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am späten Abend 1,1322 Dollar. Das waren rund 0,1 Prozent mehr als noch am Montagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1318 Dollar fest nach 1,1324 Dollar am Montag. "Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zur Industrieproduktion in den USA haben den Dollar nicht gestützt", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank.

Das britische Pfund legte indes zu. Eine Umfrage, nach der eine Mehrheit der Briten in der Europäischen Union bleiben will, habe das Pfund gestützt, sagte Rieke. Die Finanzmärkte seien bisher eher davon ausgegangen, dass Großbritannien aus der EU austrete. Jetzt setze eine Gegenbewegung ein. "Allerdings hat das Pfund auch von der Schwäche des Dollar profitiert", so Rieke.

Asien: Ölpreis schiebt Kurse an

Der gestiegene Ölpreis und Kursgewinne an der Wall Street bescherten nach den Aktienmärkten in Fernost Gewinne. "Am Markt scheint die Bereitschaft zum Risiko zurückzukommen, oder besser gesagt, der extreme Pessimismus nimmt ab", sagte Masahiro Ichikawa, Stratege bei Sumitomo Mitsui Asset Management.

In Tokio stieg der Nikkei-Index 1,1 Prozent auf 16.652 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte 0,9 Prozent fester, nachdem er zum Wochenschluss ein Zweimonatstief verzeichnet hatte. In Shanghai tendierte der Composite dagegen wenig verändert. Investoren befürchteten, dass die Regierung ihre finanziellen Hilfen zurückschraubt, obwohl der konjunkturelle Aufschwung noch nicht in Sicht ist. Im April hatten zuletzt Industrieproduktion, Einzelhandelsumsatz und Investitionen enttäuscht.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ/dpa

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