Marktberichte

Höhepunkt überschritten? Dax sehnt sich nach Überraschungen

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Auf dem Parkett werden sich die Käufer wohl zurückhalten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf die Anleger prasseln in der kommenden Woche neben ein paar Konjunkturdaten vor allem Quartalszahlen ein. Doch dass diese überraschen, ist unwahrscheinlicher geworden. Und so zeichnet sich für den Handel eher ein Trippeln auf der Stelle ab.

Warm anziehen müssen sich Anleger in der kommenden Woche. Die Berichtssaison nimmt volle Fahrt auf, doch dieses Mal ist etwas anders: Die abwartende Haltung der Investoren,wie sie in den vergangenen Quartalen zu beobachten war, ist einer fordernden Haltung gewichen. Die Angst ist groß, dass vor allem der deutsche Leitindex Dax den Höhepunkt seines Gewinnmomentums schon im Juni überschritten haben könnte. Der Fall durch die 12.400er-Marke sei nur ein erster Schritt nach unten, heißt es.

Reagierten Investoren bislang freudig überrascht auf gute Zahlen und belohnten diese mit entsprechenden Kursgewinnen, zeigen sie sich nun immer häufiger intolerant. Schon die kleinste Verfehlung bei Umsatz, Marge oder Ausblick reicht, um die Aktien der jeweiligen Unternehmen in den Keller zu treiben. "Aktien, die die Schätzungen verfehlen, werden dieses Quartal aggressiver abverkauft als in der vergangenen Berichtssaison", stellt Aktienstratege Emmanuel Cau von JP Morgan in einer ersten Auswertung der laufenden Saison fest.

Klassische Beispiele zeigten in der abgelaufenen Woche die Kurseinbrüche bei Lufthansa oder Philips Lighting. Verluste in diesem Umfang waren zuvor nur bei Gewinnwarnungen zu finden, nicht aber bei leicht verfehlten Schätzungen. Wer dann noch von einer Nachfrageabschwächung berichtet, wie der schwedische Autozulieferer SKF, der muss sich über zehn Prozent Minus nicht wundern. Die Zahlen von Michelin, Peugeot und Daimler versprechen daher, spannend zu werden.

Dax-Unternehmen öffnen die Bücher

Bei der Deutschen Börse wird trotz des ruhigen Finanzmarktumfelds und der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse ein ordentliches zweites Quartal erwartet. Der erste Höhepunkt in dieser Saison ist der Donnerstag, wenn neben BASF und der Deutschen Bank auch Volkswagen und Bayer ihr Zahlenwerk offenlegen. Für Anleger der Deutschen Post und von Linde dürften die Resultate des US-Logistikers UPS und des Linde-Fusionspartners Praxair von größerem Interesse sein. Der Handelsriese Amazon rundet die Tagesagenda am Donnerstagabend in den USA ab.

Zu den fundamental induzierten Verkäufen gesellt sich mittlerweile eine Dominanz von Handelstechniken, wie sie trendfolgende Hedge Fonds betreiben, die sich ohne ein echtes Interesse an einem Unternehmen nur an Kursbewegungen dranhängen und sie durch ihr Volumen verstärken. Ähnlich agieren passive Fonds und regelbasierte ETFs, die sich an einzelnen Kennzahlen orientieren.

Für die Schwäche europäischer Aktien spricht zudem, dass Europa im Vergleich zu den USA gar nicht so gut aussieht: So hätten im S&P-500 rund 78 Prozent der Unternehmen die Erwartungen geschlagen, im Stoxx-600-Index seien dies nur 45 Prozent gewesen, hat Aktienstratege Cau festgestellt. Besonders enttäuschend hätten sich hier bisher die Industriewerte entwickelt.

Gewinnanhebungen sind wohl Geschichte

Und auch die Ausblicke reichten nicht mehr aus, um für weiter erhöhte Schätzungen oder Hochstufungen zu sorgen. Dafür gebe es nun einfach zu viele Belastungen, darunter der Sprung im Eurokurs. "Die Revisionen beim Gewinn je Aktie scheinen global ihren Höhepunkt überschritten zu haben und sogar klar ins Negative gedreht zu haben in der Eurozone und Großbritannien", schließt Cau.

Vormals wichtige Sentiment-Daten wie die Einkaufsmanager-Indizes (PMIs) für Juli am Montag oder selbst der Ifo-Index am Dienstag dürften daher untergehen. Denn Anleger wollen nur noch harte Fakten sehen - und da gibt es nun einmal nichts Direkteres als die Quartalszahlen der Unternehmen. Daneben wird mit Argusaugen auf die ersten Inflationsdaten für Juli aus Deutschland, Frankreich, anderen Ländern Europas und den USA sowie die BIP-Daten zum zweiten Quartal geachtet. Sollte die Inflation auf zu niedrigem Niveau verharren oder das Wirtschaftswachstum nicht die erhoffte Beschleunigung zeigen, dürfte es mit den Aktienkursen auf breiter Front nach unten gehen.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts

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