Marktberichte

5G-Effekt verpufft bei Apple Impfstoff-Rückschlag setzt Wall Street zu

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Der Impfstoff von Johnson & Johnson wurde unter anderem in Brasilien getestet.

(Foto: imago images/Fotoarena)

Die baldige Einführung eines Corona-Impfstoffes hält Investoren an der Wall Street bei der Stange. Doch eine ungeklärte Erkrankung bei den Tests des Pharmariesen Johnson & Johnson bremst Euphorie. Auch Apple leidet trotz gleich vier neuer iPhones.

Ein Rückschlag bei der Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs setzt der Wall Street zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 fielen am Dienstag um jeweils ein halbes Prozent auf 28.704 beziehungsweise und 3517 Punkte. Der technologielastige Nasdaq hielt sich dagegen 0,2 Prozent im Plus. Wegen einer ungeklärten Erkrankung eines Probanden musste der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) die Tests für einen Corona-Impfstoff aussetzen.

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"Das erinnert diejenigen, die auf eine schnelle Markteinführung wetten, daran, dass es nicht so schnell gehen wird, wie die Regierung es glauben machen will", sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane. J&J-Aktien verloren 2,6 Prozent. Daran änderte auch ein Umsatz- und Gewinnplus im Quartal nichts.

Unterdessen plant J&J-Konkurrent Novavax die Entwicklung eines kombinierten Corona/Grippe-Impfstoffs. Dieser werde wohl aber erst nach der Pandemie zum Einsatz kommen. Novavx-Aktien stiegen dennoch um knapp acht Prozent.

Licht und Schatten bei Konjunkturdaten

Ein weiterer Belastungsfaktor für die Börsenstimmung war der überraschend geringe Anstieg der Verbraucherpreise, der eine schwächelnde Konjunkturerholung signalisiert. Gleichzeitig schwänden die Hoffnungen auf eine rasche Einigung auf ein neues US-Konjunkturpaket, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Weder der Senat noch das Repräsentantenhaus schienen kompromissbereit.

Die Republikaner im Senat wollen zwar am Montag über Hilfen abstimmen lassen, jedoch lediglich im Volumen von 500 Milliarden Dollar. Die Demokraten beharren auf Hilfen von 2,2 Billionen Dollar. Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf den "sicheren Hafen" Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen T-Bonds auf 0,731 Prozent. Andere deckten sich mit der Weltleitwährung ein und verhalfen dem Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, zu einem Kursplus von 0,5 Prozent auf 93,524 Punkte. Weil dies Gold für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht, verbilligte sich das Edelmetall im Gegenzug um 1,5 Prozent auf 1892,61 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Einen Lichtblick lieferten die kräftig gestiegenen chinesischen Außenhandelszahlen. Entscheidend für die heimische Konjunktur sei aber, wie sich die Verbraucher im wichtigen Weihnachtsgeschäft verhielten, gab Finanzmarkt-Experte Sebastian Galy vom Vermögensverwalter Nordea Investments zu Bedenken. Dem Ölpreis verhalfen die China-Daten zu Rückenwind. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 40,27 Dollar je Barrel (159 Liter).

US-Bilanzsaison nimmt Fahrt auf

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Unterdessen läuteten die Großbanken JPMorgan und Citigroup die US-Bilanzsaison ein. Erstere steigerte den Gewinn überraschend. Bei Letzterer brach der Überschuss zwar um gut ein Drittel ein, jedoch nicht so stark wie befürchtet. Dem allgemeinen Abwärtstrend konnten sich die Aktien der Institute aber nicht entziehen. Sie verloren bis zu 4,6 Prozent. Apple verloren rund 2,5 Prozent. Der Konzern kündigte am Dienstag eine "neue iPhone-Ära" an. Mehr als ein Jahr nach den Rivalen Samsung und Huawei bringt nun auch Apple 5G-fähige Smartphones auf den Markt.

Unter Verkaufsdruck gerieten zudem die Reise- und Freizeitwerte, die von den Corona-Beschränkungen besonders hart getroffen werden. So rutschten die Titel vom Kreuzfahrt-Anbieter Carnival oder dem Kasino-Betreiber Wynn um bis zu 7,8 Prozent ab.

Bei Blackrock honorierten Anleger dagegen das überraschend große Gewinnplus. Dies verdanke der weltgrößte Vermögensverwalter seinen Gebühreneinnahmen, kommentierte Analyst Daniel Fannon von der Investmentbank Jefferies. Die anderen Posten hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen. Blackrock-Titel verteuerten sich um knapp fünf Prozent.

Um gut drei Prozent rückten Papiere von Walt Disney vor. Der Unterhaltungskonzern baut sein Mediengeschäft um und will seine Streamingdienste wie Disney+ stärker fördern. Die Analysten der Bank Goldman Sachs lobten diesen Schritt als strategisch sinnvoll.

Quelle: ntv.de, chr/rts/DJ