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Dow kratzt an 18.000 Yellen beflügelt die Aktienmärkte

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Fed-Chefin Janet Yellen hat eine Verschiebung weiterer Zinserhöhungen durchblicken lassen. Das gibt den Märkten Schwung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Rede der US-Notenbankchefin Janet Yellen gibt den Börsianern an der Wall Street und in Frankfurt kräftig Schub. Ruhe herrscht dagegen an der Rohstoff- und Devisenfront. Asien vermeldet überwiegend Pluszeichen.

Die Hoffnung auf eine spätere US-Zinserhöhung hat für gute Stimmung an den Börsen gesorgt. Der Dax legte rund 1,7 Prozent auf 10.287,68 Punkte zu. Der MDax gewann rund 1,3 Prozent auf 20.892,01 Stellen. Der TecDax rückte rund 0,9 Prozent vor auf 1.697,68 Zähler. Am Montag hatte US-Notenbankchefin Janet Yellen ihre Aussage zu kommenden Zinserhöhungen abgeschwächt. Zwar sei eine weitere Straffung der Geldpolitik trotz der jüngsten Schwäche am Arbeitsmarkt grundsätzlich angemessen.

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In ihrer neuesten Rede fehlte aber der bisherige Passus, dass Zinserhöhungen "in den kommenden Monaten" angebracht seien. "Entscheidend an der Rede Yellens war nicht, was sie gesagt hat, sondern was sie nicht gesagt hat", sagte ein Börsianer. "Vor zwei Wochen sprach sie noch von einer Zinsanhebung 'in den nächsten Monaten', gestern fehlte ein Zeitplan komplett."

Diese Auslassung legt nahe, dass die US-Währungshüter ihre Zinspläne wegen des Einbruchs am Arbeitsmarkt überdenken. Das extrem schwache Stellenwachstum - im Mai entstanden nur 38.000 Jobs - habe bedeutende Fragen über den Wirtschaftsausblick aufgeworfen, sagte Yellen. Die Analysten der Essener National-Bank werteten dies als Zeichen, dass US-Zinserhöhungen im Juni und Juli vom Tisch sind. "Als nächster Termin wird nun der September gehandelt."

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent auf 17.938 Punkte. Für den S&P-500 ging es um 0,1 Prozent auf 2.112 Punkte aufwärts, das war ein neues Jahreshoch. Der Nasdaq-Composite schloss dagegen mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 4.962 Punkten. "Die Chancen sind gut, dass Frau Yellen den Startschuss für eine Sommerrally gegeben hat", sagte ein Händler.

Gegen den Trend unter Druck standen die Aktien des Biotech-Konzerns Biogen, die knapp 13 Prozent verlieren. Eine Studie zu einem Medikament gegen Multiple Sklerose hat nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Um rund 15 Prozent sackten auch die Papiere von Valeant ab. Der Pharmakonzern hat seine Gewinnziele im Quartal verfehlt und seine Jahresprognosen gekappt. Um 2,4 Prozent abwärts ging es auch für die Aktien von Ralph Lauren. Der Konzern hat den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Läden angekündigt, um seine Kosten zu senken.

Ermittler beschenken K+S

In Frankfurt gaben dem deutschen Aktienmarkt auch besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten Schub. Die Wirtschaft im Euro-Raum ist zu Jahresbeginn einen Tick stärker gewachsen als gedacht. Das Statistikamt Eurostat revidierte die Schätzzahl für das erste Quartal auf 0,6 von zuvor 0,5 Prozent. Für den guten Start ins Jahr 2016 sorgte insbesondere das Zugpferd Deutschland: Die größte Volkswirtschaft im Euroraum erzielte mit 0,7 Prozent die höchste Zuwachsrate seit zwei Jahren, dicht gefolgt von Frankreich mit 0,6 Prozent. Die Euro-Zone ließ damit in Sachen Wachstumstempo die weltgrößte Volkswirtschaft USA hinter sich: Diese kam zu Jahresbeginn nur auf ein Plus von 0,2 Prozent.

Die guten Daten machten den Dienstag zu einem außergewöhnlichen Börsentag: Alle Dax-Werte legten zu. An die Spitze der Tabelle setzte sich zwischenzeitlich die Deutsche Bank mit einem Plus von über 3,0 Prozent. Auch im EuroStoxx50 war sie zeitweilig größter Gewinner. Am Ende ging es für das größte deutsche Geldhaus rund 1,5 Prozent aufwärts. Spezifische Gründe für die Rally konnten Börsianer nicht nennen. Bankenaktien reagieren meist überdurchschnittlich auf Bewegungen des Gesamtmarkts.

Auch die Aktien der Autobauer erholten sich weiter von ihrem Rückschlag am Freitag, der dem höheren Eurokurs geschuldet war. Daimler notierte rund 1,3 Prozent stärker. BMW legte 2,2 Prozent zu. Und für Volkswagen ging es rund 2,0 Prozent aufwärts. Dass Daimler mehr als 1200 weitere Jobs in der nordamerikanischen Lkw-Produktion abbaut, ist Händlern zufolge keine Überraschung. Sie erinnerten daran, dass die Stuttgarter schon im Mai die Jahresprognose für ihre Lastwagensparte gesenkt hatten.

Adidas-Titel lagen mit plus 1,7 Prozent im Mittelfeld. Börsianer verwiesen auf einen "Handelsblatt"-Bericht, der die Stimmung für die Aktie belaste. Diesem zufolge erweisen sich Trikots der Nationalmannschaft vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft als Ladenhüter. Der vom Sportartikelhersteller empfohlene hohe Preis schrecke Käufer ab, hieß es.

Übernahmegerüchte brachten den Anteilsscheinen von Infineon ein Plus von 1,8 Prozent und zeitweise sogar den höchsten Stand seit dem Jahresbeginn ein. Händler verwiesen auf Spekulationen, dass sich der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC für den Halbleiterhersteller aus Deutschland interessieren könnte.

MDax-Vize-Spitzenreiter waren die Titel des Salz- und Düngerherstellers K+S, die sich um rund 4,2 Prozent verteuerten. Ein Börsianer sprach von positiven Branchenvorgaben aus New York, wo die Aktien der Konkurrenten Potash und Mosaic deutlich zugelegt hatten. Zudem teilte K+S mit, die Staatsanwaltschaft Kassel habe ein seit Dezember 2015 anhängiges Ermittlungsverfahren wegen versuchter Gewässerverunreinigung mangels Tatverdachts eingestellt.

Überwiegend Pluszeichen in Fernost

Aufwärts ging es auch an den Börsen in Ostasien und Australien. Die Yellen-Rede spielte auch dort eine Rolle. Am stärksten fiel das Plus in Hongkong aus mit 0,8 Prozent. In Shanghai hielten sich die Anleger dagegen zurück, was Händler mit dem Abwarten auf neue wichtige Konjunkturdaten im Wochenverlauf erklären.

In Seoul ging es nach der Feiertagspause am Montag um rund 1 Prozent nach oben, in Tokio für den Nikkei-Index um 0,7 Prozent auf 16.697 Punkte. Hier kam zusätzliche Unterstützung vom etwas nachgebenden Yen. Der rohstoff- und bankenlastige S&P/ASX 200 in Sydney lag nach der Zinsentscheidung der australischen Notenbank mit 0,3 Prozent im Plus und verringerte seine vorherigen Aufschläge damit etwas.

Rohstoffe: Wenig Veränderung beim Ölpreis

An der Ölfront tat sich wenig. Die Ölpreise der Sorten Brent und WTI notierten zum Handelsschluss weiter über 51 bzw. 50 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Gold, Kupfer und andere Rohstoffpreise verteidigten ihre jüngst erhöhten Niveaus weitgehend und sorgten damit für Zuversicht bei den Akteuren. Der Eisenerzpreis stieg sogar weiter. Die Rohstoffe profitierten weiter vom seit Freitag ermäßigten Dollarniveau. Weil Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, verbilligen sie sich mit einem fallenden Dollar für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum.

Devisen: Euro tritt auf der Stelle

Der Euro ist bereits seit Monaten in einer Spanne zwischen 1,11 und 1,15 US-Dollar gefangen und sorgt damit für ein ruhiges Umfeld. Die Gemeinschaftswährung notierte kaum verändert bei 1,1349 Dollar. Der Dollar wertete in der Folge nach seinem Kursrutsch am Freitag etwas auf. Der Greenback kostet 107,30 Yen, verglichen mit 107,35 vor der Yellen-Rede.

Quelle: n-tv.de, wne/hvg/DJ/rts/dpa

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