Wissen

Kleiner Aufwand, große WirkungMit dieser simplen Gewohnheit lebt man womöglich länger

13.08.2026, 03:06 Uhr
00:00 / 04:29
Menschen-erklimmen-monumentale-Betontreppen-die-unter-strahlend-blauem-Himmel-die-renovierte-Pyramide-von-Tirana-hinauffuehren-Albanien
Bereits wenige Stockwerke täglich zeigen laut Studie einen messbaren Effekt. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Wer fit werden will, braucht nicht unbedingt einen komplexen Trainingsplan. Forschende raten: Einfach öfter die Treppe nehmen. Laut einer neuen Untersuchung senkt diese simple Gewohnheit das Sterberisiko erheblich.

Treppen statt Aufzug - diese kleine Entscheidung im Alltag könnte mehr für die Gesundheit bringen, als man vermuten würde. Eine große Auswertung bisheriger Studien zeigt: Menschen, die regelmäßig Treppen steigen, sterben seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und haben insgesamt ein geringeres Risiko, vorzeitig zu sterben.

Für die Untersuchung, die im Fachjournal "American Journal of Cardiovascular Drugs" veröffentlicht wurde, sichtete ein Forschungsteam der University of East Anglia und des Norfolk and Norwich University Hospital zunächst fast 1900 wissenschaftliche Arbeiten. In die eigentliche Meta-Analyse flossen schließlich neun qualitativ hochwertige Studien mit insgesamt mehr als 480.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein. Sie waren zwischen 35 und 84 Jahre alt, 53 Prozent waren Frauen. Neben gesunden Menschen waren auch Personen eingeschlossen, die bereits Herzprobleme hatten. Die durchschnittliche Beobachtungszeit lag bei rund 14 Jahren.

Das Ergebnis: Wer regelmäßig Treppen stieg, hatte im Vergleich zu Menschen, die dies seltener oder gar nicht taten, ein 39 Prozent niedrigeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Das Risiko, während des Untersuchungszeitraums unabhängig von der Todesursache zu sterben, war um 24 Prozent geringer. Auch Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzschwäche traten bei Treppensteigern seltener auf.

Kleine Belastung, große Wirkung

Dass ausgerechnet Treppensteigen einen messbaren Unterschied machen könnte, ist laut dem Forschungsteam physiologisch durchaus plausibel. Beim Hochsteigen müssen große Muskelgruppen in Beinen und Gesäß arbeiten, gleichzeitig steigen Puls und Atmung rasch an. Schon wenige Stockwerke können deshalb eine kurze, aber vergleichsweise intensive körperliche Belastung darstellen. Anders als ein Besuch im Fitnessstudio lässt sich diese Bewegung zudem ohne zusätzliche Ausrüstung oder großen Zeitaufwand in den Alltag einbauen.

Frühere Untersuchungen, die in der Analyse berücksichtigt wurden, hatten bereits gezeigt, dass wenige Minuten Treppensteigen mehrmals pro Woche die körperliche Fitness verbessern und sich günstig auf Cholesterinwerte auswirken können. Eine der großen Kohortenstudien deutete zudem darauf hin, dass ungefähr sechs Treppenabsätze beziehungsweise Stockwerke pro Tag mit besonders deutlichen Vorteilen verbunden sein könnten. Wie viel Treppensteigen optimal ist, lässt sich aus den bisherigen Daten allerdings noch nicht sicher bestimmen.

Einige Studien deuteten zudem darauf hin, dass mit zunehmender Zahl gestiegener Treppen auch der gesundheitliche Nutzen größer wurde. "Aber selbst kleine Veränderungen hatten einen messbaren Effekt", sagt Studienautorin Sophie Paddock von der Norwich Medical School laut Mitteilung. Gerade kurze Bewegungseinheiten könnten deshalb interessant sein. "Wenn man die Wahl zwischen Treppe und Aufzug hat, sollte man die Treppe nehmen", rät die Kardiologin.

Bewegung in den Alltag einbauen

Die Ergebnisse passen zu einer wachsenden Zahl von Untersuchungen, wonach nicht nur längere Trainingseinheiten zählen. Auch kurze Phasen intensiverer Bewegung im Alltag können Herz und Kreislauf fordern und damit zur gesamten körperlichen Aktivität beitragen. "Treppensteigen ist eine praktische und oft übersehene Möglichkeit, Bewegung in den Alltag einzubauen", sagt Studienautor Vassilios Vassiliou. Gerade für Menschen mit wenig Zeit oder ohne einfachen Zugang zu Sportangeboten könne das interessant sein.

Allerdings ist die Empfehlung nicht für jeden geeignet. Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Gelenkbeschwerden oder bestimmten Herz- und Lungenerkrankungen können beim Treppensteigen an ihre Grenzen kommen und sollten den Experten zufolge ihre Belastbarkeit gegebenenfalls ärztlich abklären. Für viele andere könnte die Botschaft der Studie aber kaum einfacher sein: Wer im Alltag häufiger ein paar Stockwerke zu Fuß zurücklegt, verschafft Herz und Kreislauf zusätzliche Bewegung - ohne dafür einen Trainingsplan oder ein Fitnessstudio zu benötigen.

Quelle: ntv.de, hny

FitnessWissenschaftGesundheitStudienHerzinfarkt