Darmprobleme und AusschlagStudie: Schwimmen im Badesee erhöht Risiko, zu erkranken

Der Sprung ins kühle Nass gilt als reines Vergnügen. Eine Studie mit 2368 Freiwilligen zeigt nun: Wer in Seen und Flüssen schwimmt, bekommt öfter Ausschlag und Juckreiz. Dabei erfüllten alle Badestellen die EU-Mindeststandards.
Der Sprung in den See gehört zu beliebten Unternehmungen im Sommer: kein Chlor, dafür Sonnenlicht und viel Natur. Doch ist das Baden in natürlichen Gewässern gesundheitlich unbedenklich? Die Wasserqualität in deutschen Binnen-Badegewässern wurde zuletzt als fast durchgehend "ausgezeichnet" bewertet. Doch eine neue Studie wirft Fragen auf: Demnach litten Menschen, die in Seen badeten, danach etwas häufiger an Magen-Darm-Beschwerden und Hautproblemen.
Für die im Fachmagazin "International Journal of Hygiene and Environmental Health" veröffentlichte Studie werteten Wissenschaftler die Daten von 2368 Freiwilligen an vier Binnengewässern in Ungarn aus, die bereits 2006 und 2007 erhoben wurden. Per Zufall war damals entschieden worden, wer ins Wasser durfte und wer trocken bleiben musste: Die eine Gruppe schwamm zehn Minuten lang und tauchte dabei mindestens dreimal komplett mit dem Kopf unter, die andere blieb am Ufer.
"Hinweis auf fäkale Verschmutzung"
"Wir haben festgestellt, dass Schwimmer im Vergleich zu denjenigen, die trocken geblieben sind, mehr als doppelt so häufig unter Hautbeschwerden wie Ausschlag, Geschwüren oder Juckreiz litten", sagte Studienleiter Paul Hunter von der University of East Anglia laut einer Mitteilung. "Außerdem haben wir festgestellt, dass das Risiko für Magen-Darm-Erkrankungen mit steigenden Werten von E. coli und von Viren, die Darmbakterien des Menschen befallen, zunahm - ein Hinweis auf fäkale Verschmutzung."
Bemerkenswert dabei: Alle vier Badestellen erfüllten zum Zeitpunkt der Untersuchung die damaligen europäischen Richtlinien für Badegewässer. "Unsere Ergebnisse waren an allen vier ungarischen Studienorten konsistent, die sich in Wasserqualität und Gewässertyp unterschieden. Sie decken sich außerdem mit einer früheren Studie in Deutschland", sagte Hunter.
Bei einer 2005 veröffentlichten Untersuchung hatte ein Forschungsteam an fünf deutschen Badestellen - vier Seen und einem Fluss - mit 2196 Freiwilligen einen fast identischen Versuch gemacht. Auch damals war das Ergebnis: je belasteter das Wasser mit Keimen, desto mehr Magen-Darm-Erkrankungen bei den Teilnehmern. Wer versehentlich Wasser schluckte, erwischte es besonders häufig. Bei den Badenden wurden ebenfalls Hautbeschwerden festgestellt, die sich mit keinem der gemessenen Keime erklären ließen.
Absolute Zahl der Erkrankungen überschaubar
Auch bei der aktuellen Studie rätseln die Forscher noch über die Ursachen für die Hautirritationen. "Das könnte auf den Kontakt mit natürlich vorkommenden Organismen zurückgehen, die nichts mit Abwasserverschmutzung zu tun haben", vermutet Hunter. Eine Möglichkeit sei die Zerkariendermatitis, auch Badedermatitis genannt, die von Parasiten ausgelöst wird, deren Eier von Wasservögeln ausgeschieden werden. Auch Verunreinigungen aus Landwirtschaft oder Industrie könnten eine Rolle spielen.
Das Ausmaß der Erkrankungen bei der Ungarn-Studie hielt sich insgesamt jedoch in Grenzen: Unter den Badenden entwickelten 2,12 Prozent eine Magen-Darm-Erkrankung, bei den Nicht-Badenden 1,94 Prozent - ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Allerdings stieg unter den Badenden das Erkrankungsrisiko mit zunehmenden Konzentrationen von E. coli und somatischen Coliphagen im Wasser. Fast drei Prozent der Badenden hatten Hautbeschwerden, gegenüber 1,3 Prozent der Nicht-Badenden. Erkrankungen der Atemwege sowie Ohren- und Augeninfektionen waren hingegen selten.