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Nicht immer ist bei einem Unfall ein Auto schuld.
Nicht immer ist bei einem Unfall ein Auto schuld.(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Verkehrsunfall ohne Berührung: Wer haftet bei Sturz vom Rad?

Von Autos geht per se eine Betriebsgefahr aus. Was meist eine Mithaftung bei einem Unfall zur Folge hat. Doch wie ist das, wenn es zu einem Unfall kommt, der PKW den strauchelnden Radfahrer aber gar nicht berührt?

Ein Auto in Betrieb zu nehmen, sprich zu fahren, bringt eine "Betriebsgefahr" mit sich. Diese reicht aus, um dem Autofahrer auch ohne eigenes Verschulden bei einem Unfall meist eine Mithaftung von 25 Prozent einzubringen. Allerdings ist diese davon abhängig, ob eine entsprechende Betriebsgefahr auch bewiesen werden kann, wie das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden hat ( Az.: 9 U 14/16).

In dem verhandelten Fall befuhr eine 75-jährige Frau mit ihrem Fahrrad einen drei Meter breiten Weg. Aus der anderen Richtung näherte sich ein 1,70 Meter breiter Mercedes-Benz. Noch bevor sich die Beteiligten begegneten, stürzte die Radfahrerin. Dabei fiel sie mit dem Kopf auf die Fahrbahn. Die Pkw-Fahrerin wich aus und geriet mit ihrem Fahrzeug in den Bewässerungsgraben. Bei dem Geschehen berührten sich Pkw und Fahrrad beziehungsweise die Radlerin nicht. Allerdings erlitt diese durch den Sturz schwere Kopfverletzungen, an denen sie mehrere Monate später verstarb.

Die Kranken- und Pflegekasse der Verstorbenen verlangten von der Autofahrerin sowie der Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs die Erstattung aufgewandter Behandlungs- und Pflegekosten. Im anschließenden Streit machten die klagenden Kassen weitere Behandlungskosten in Höhe von rund 14.000 Euro sowie Pflegekosten von circa 16.000 Euro geltend. Jedoch ohne Erfolg.

Nach Meinung des OLG steht nicht fest, dass sich die vom Fahrzeug ausgehende Betriebsgefahr beim Sturz der Geschädigten ausgewirkt hat. Hierzu müsse das Fahrzeug durch seine Funktion als Fortbewegungsmittel den Unfall in irgendeiner Form mit beeinflusst haben. Die bloße Anwesenheit eines im Betrieb befindlichen Fahrzeugs an der Unfallstelle reicht hierzu nicht aus. Dass sich beim Unfall die Betriebsgefahr des Fahrzeugs auch tatsächlich ausgewirkt hat, müsste im Streitfall bewiesen werden. Dieser Nachweis konnte allerdings nicht erbracht werden. Zudem stürzte die Radfahrerin bereits 30 bis 35 Meter vor dem herannahenden Auto, so dass auch nicht von einem Ausweichmanöver ausgegangen werden kann.  

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Quelle: n-tv.de

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