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Viele Gratis-Apps funken im Hintergrund - mit wem und warum, ist oft unklar.
Viele Gratis-Apps funken im Hintergrund - mit wem und warum, ist oft unklar.(Foto: MIT)

Hinterm Rücken der Nutzer: Gratis-Apps senden unnötig viele Daten

Die meisten kostenlosen Smartphone-Apps senden im Hintergrund viel mehr Daten als nötig. Das ergibt eine Untersuchung der 500 beliebtesten Android-Anwendungen. Nutzer können sich kaum dagegen wehren.

Viele Smartphone-Apps senden im Hintergrund Daten, oftmals ohne das Wissen der Nutzer und ohne direkt erkennbaren Nutzen. Dass gerade kostenlose Apps sehr sendefreudig sind, ist nichts Neues. Beeindruckend ist aber der Umfang der auf den ersten Blick nicht nötigen Daten, die Gratis-Apps senden und empfangen. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben die 500 beliebtesten kostenlosen Apps für die Android-Plattform untersucht und herausgefunden, dass ein großer Teil des Datenverkehrs für die App-Nutzung offenbar gar nicht erforderlich ist.

Diese "verborgene Kommunikation", wie sie das MIT nennt, hat teils zwar ihre Berechtigung: Ungefähr die Hälfte des Datenverkehrs besteht aus Analyse-Daten, zum Beispiel zum Nutzungsverhalten, oder Leistungs- oder Absturzprotokollen, die Entwicklern dabei helfen, ihre Anwendungen zu verbessern. Die andere Hälfte der im Hintergrund versendeten Daten konnten die Forscher aber keiner solchen Funktion zuordnen. Insgesamt hat laut MIT rund 63 Prozent der Kommunikation zwischen Apps und externen Servern keinen wahrnehmbaren Einfluss auf die Funktionalität einer Anwendung.

Um zu beweisen, dass die Apps auch weiterhin funktionieren und sich das Nutzererlebnis nicht oder nur unwesentlich ändert, wenn der Datenverkehr im Hintergrund eingeschränkt wird, programmierte die Forschergruppe leicht modifizierte Versionen von 47 der beliebtesten 100 Android-Apps, bei denen die Hintergrundkommunikation deaktiviert war. Anschließend wurden beide App-Versionen miteinander verglichen. Das Ergebnis: In 30 der 47 Apps konnten Tester keinen Unterschied zwischen beiden Versionen erkennen. In neun Apps fehlten nur die Werbeanzeigen, in drei Fällen waren die Unterschiede laut den Testern nur "minimal". Nur fünf Apps versagten ganz, in einem Fall lag es aber an einem eingebauten Schutzmechanismus des Entwicklers.

Candy Crush ist sauber

In einem zweiten Schritt versuchten die MIT-Experten herauszufinden, warum und mit wem die Apps im Hintergrund so rege kommunizierten. Mit teils überraschendem Ergebnis: So baut zum Beispiel die App der Supermarktkette Walmart jedes Mal eine Verbindung zu Ebay-Servern auf, wenn ein Nutzer im Markt den Strichcode eines Artikels scannt. Das beliebte Spiel Candy Crush Saga hingegen, vor einiger Zeit noch gescholten wegen Privatsphäre-Verletzungen, war eine der wenigen Apps ohne fragwürdige Hintergrundaktivitäten.

Eine detaillierte Auflistung aller untersuchten Apps fehlt in der MIT-Studie zwar. Da es sich um eine Forschungsarbeit für den US-Markt handelt, dürften manche Apps dabei sein, die auf dem deutschen Markt keine Relevanz haben - zum Beispiel die Walmart-App. Andere Anwendungen wie Candy Crush Saga oder die in der Studie ebenfalls erwähnten Apps Spotify, Twitter und Facebook sind aber auch in Deutschland beliebt.

Problematisch ist laut MIT nicht in erster Linie die Hintergrundaktivität selbst: "Es kann sein, dass es einen guten Grund dafür gibt. Wir versuchen nicht zu sagen, dass der Datenverkehr komplett abgestellt werden muss. Aber die Nutzer sollten informiert werden." Wer selbst aktiv werden und den Datenverkehr seiner Apps einschränken will, hat es nicht leicht. Mit Android Marshmallow kommt zwar die Möglichkeit, Apps einzelne Berechtigungen zu erteilen oder wieder zu entziehen, manche Hersteller wie Huawei oder Oneplus bieten eine ähnliche Funktion auch ohne Marshmallow. Doch einen detaillierten Blick auf die Kommunkationskanäle und den Datenstrom einzelner Apps bekommt man damit nicht. 

Quelle: n-tv.de

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