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Verbessern, nicht verwässern Audi Q5 holt jetzt ganz tief Luft

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An der Außenhaut des Audi Q5 hat sich kaum etwas geändert.

Busse/Textfabrik

Wenn Audi-Q5-Fahrer künftig behaupten, sie wären "wie auf Wolken gebettet" unterwegs, könnte da was Wahres dran sein: Die neue Generation des Ingolstädter Midsize-SUVs ist jetzt auch mit Luftfederung zu haben. Was sonst noch neu ist, lesen Sie hier.

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Schärfere Konturen, aber gewohnte Silhouette: Der neue Audi Q5.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Die Chancen auf mehr zufriedene Kunden stehen also gut, denn auch wenn die erste Generation des Q 5 oft wegen ihrer dynamischen Qualitäten gelobt wurde, ließ sie in der Disziplin Komfort zuweilen Schwächen erkennen, die Audi mit dem optionalen Angebot der Luftfederung ausmerzen will. Aber auch dem Hersteller selbst soll der Q5 mehr Zufriedenheit bescheren, denn der Wagen wandert von Ingolstadt aus und wird Mexikaner.

Im funkelnagelneuen Werk in San José Chiapa wird der Fünftürer jetzt gebaut, was aus Sicht der Audianer mehrere Vorteile mit sich bringt. Da auf dem nordamerikanischen Kontinent gefertigt, fallen dank des NAFTA-Freihandelsabkommens keine Einfuhrzölle in die USA mehr an. Dorthin gingen in der Vergangenheit gut 40 Prozent des Gesamtvolumens. Die niedrigeren Löhne der Arbeiter, ihre geringen Urlaubsansprüche und die Zulieferrungen von einheimischen Firmen verbilligen die Fertigung gegenüber der in Deutschland erheblich. Es ist also davon auszugehen, dass die Differenz zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis in für Audi noch auskömmlicheren Größenordnungen rangiert.

Plug-In-Hybrid in den Startlöchern

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Zu Hause bei Audi: Das Cockpit hat sein Vorbild im aktuellen Modell A4.

(Foto: Audi)

Wenn im Januar das erste Modell in Europa an den Start geht, wird der Preis bei 45.100 Euro liegen. Dafür bekommt man einen Q5 mit Zweiliter-Diesel, Allradantrieb und S-Tronic-Getriebe. Billiger wird’s erst später, nämlich dann, wenn in der zweiten Jahreshälfte 2017 das Basismodell mit Frontantrieb und Handschaltung in den Handel kommt. Voraussichtlich 2018 ist dann die Plug-In-Hybrid-Version des Q5 so weit, von dem man mindestens 50 Kilometer elektrische Reichweite erwarten darf. Ein 48-Volt-Bordnetz, wie beim großen Bruder SQ7 wird es aber dort nicht geben.

Offenkundig wollten die Designer nicht, dass die Autos der aktuellen Q5-Fahrer auf einen Schlag "alt" aussehen. Nach rund 1,6 Millionen gebauten Fahrzeugen sind gestalterische Fahrlässigkeiten tabu. Die optischen Änderungen halten sich in engen Grenzen, auch wenn die Karosserie tatsächlich und messbar gewachsen ist: Genau 34 mm in der Länge, zwölf Millimeter beim Radstand und bei der Höhe kamen sechs Millimeter hinzu. Der mit breitrandigem Rahmen akzentuierte Wappengrill prägt wie gewohnt das Gesicht, nur an den Seiten sind die Falten und Sicken mit präzisem Schliff ausmodelliert und schärfen so den Gesamteindruck. Die Karosserie, obwohl von größerer Substanz, wiegt 20 Kilogramm weniger als beim Vorgänger. Insgesamt, sagt Audi, wurden – je nach Modell – bis zu 90 Kilogramm weniger Masse verbaut.

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Die verschiebbare Rückbank schafft 60 Liter mehr Stauraum.

(Foto: Audi)

Für die einen sind es die vorbildliche Aufgeräumtheit und der hohe Wiedererkennungswert, die das Audi-Cockpit auszeichnen, für die anderen ist es Technik gewordene Langeweile. Auf jeden Fall gibt es in der weitgehend mit dem A4 identischen Innarchitektur weit mehr zu erkennen und zu bedienen als bisher. Das ganze Arsenal an Sicherheits- und Assistenzsystemen, an Konnektivität und virtuellen Erlebnisparks hat Einzug in die Funktionszentrale erhalten. Neu ist das Head-up-Display, das MMI-System für Infotainment- und Fahrzeugsteuerung wurde modifiziert und das Touchpad erkennt nun auch chinesische Schriftzeichen für Anweisungen per Handschrift. Nicht ohne Grund baut auch ein Werk in China den Q5 für den dortigen Markt, womöglich künftig auch als Langversion.

Kollisionswarner serienmäßig

Ein- und Auspark-Assistenten, Querverkehr-Überwachung, 360-Grad-Bird-View, 3D-Sound, WLAN-Hotspot – alles, was der Q7 hat, kann jetzt auch der Q5. Voraussetzung ist, dass der Kunde das nötige Kleingeld mitbringt. Serienmäßig fährt allerdings der Kollisionswarner Pre Sense mit. Er beobachtet bis 85 km/h per Kamera die Straße, erkennt Fahrzeuge und Fußgänger. Droht ein Crash, warnt es den Fahrer und leitet, falls der nicht reagiert, im Notfall eine Vollbremsung ein. Bis 40 Stundenkilometer kann der Q5 damit in den meisten Fällen einen Aufprall verhindern.

Um den Innenraum möglichst variabel zu gestalten, bleibt die verschiebbare Rückbank erhalten. Um zehn Zentimeter kann ihre Position verändert werden, was einen Minimal-Kofferraum von 550 bis 610 Liter entspricht. Maximal sind 1550 Liter Volumen möglich. Die bewegliche Bank ist aber ebenso wenig Bestandteil der Basisausstattung wie das unten abgeflachte Lenkrad, das zwar sportlich aussieht, aber auch mit einem dreistelligen Betrag bezahlt sein will.

Damit kommt man bei der wichtigsten Fahrwerks-Änderung nicht aus. Die Luftfedern sollen laut Projektleiter Andreas Tschritter, "eine größere Spreizung zwischen Dynamik und Komfort ermöglichen". Was sie außerdem erlauben, ist eine Erhöhung oder Absenkung der Karosserie. Ganze 60 Millimeter beträgt die Kapazität bei diesem Luft-Lift. In schneller Autobahnfahrt vermindert sich die Bodenfreiheit bis auf 163 Millimeter und verbessert so die Aerodynamik. Auf ruppigem Untergrund abseits der Straßen kann die Bodenfreiheit im Allroad-Modus auf 223 mm angehoben werden und mindert so die Gefahr, aufzusetzen oder an Hindernissen den Unterboden zu beschädigen. Angenehmer Nebeneffekt der Luftfederung: Das Heck kann für ein bequemeres Beladen des Kofferraums abgesenkt werden.

"Ultra" steht für Allrad on demand

Selbst der Quattro-Antrieb ist nicht mehr das, was er einmal war. Statt permanent die Kraft auf alle vier Räder zu übertragen, ist der Q5 der zweiten Generation auf ebener trockener Straße als Fronttriebler unterwegs. Erst wenn an der Vorderachse Schlupf festgestellt wird, schaltet sich die Hinterachse binnen Sekundenbruchteilen zu. Neu ist dieses technische Prinzip nicht, außer im A4-Allroad wird es auch von zahlreichen anderen Herstellern angewendet, jedoch wollten sich die Entwickler bei der Neukonzeption des Q5 diese Chance auf Verbrauchsreduzierung nicht entgehen lassen. Das bedarfsgesteuerte Allradsystem ist mit dem Begriff "ultra" gekennzeichnet. Beim Dreiliter-TDI vertraut Audi weiterhin auf die starre Drehmomentverteilung von 60:40 zwischen Hinter- und Vorderachse.

Dass die Testfahrten mit dem neuen SUV zu einer Art Heimspiel für Audi mutierten, hat der Hersteller den US-Behörden zu verdanken. Uneinigkeit über die Zulassungsmodalitäten der Vorserienfahrzeuge zwang die Verantwortlichen, die Präsentation in Kalifornien abzusagen und ins benachbarte Mexiko zu verlegen. Dass die Autos dort auf Asphalt und Schotterpiste den erwartet souveränen Eindruck machten, überraschte indes niemanden. Am Strand gräbt sich der Quattro-Antrieb ebenso zuverlässig durch den Sand, wie die feinfühlige Lenkung rückmeldet, wenn die Reifen mit der Seitenführung überfordert sind.

Der aufgeladene Zweiliter-Benziner bestach durch Laufruhe und hätte nicht der mexikanische Asphalt den Pneus eigenwillige Abroll-Arien entlockt, wäre den Insassen die verbesserte Dämmung noch intensiver zu Bewusstsein gekommen. Mit 252 PS leistet der Motor 22 PS mehr als im Vorgänger, das maximale Drehmoment beträgt 370 Newtonmeter. Der 2.0 TFSI mit nur 6,8 Litern je 100 Kilometer auskommen. Mit Laufruhe kann auch der Dreiliter-Diesel punkten, der nunmehr auf 286 PS kommt und dessen Kraft von einer Achtgang-Automatik zugeteilt wird. Enorme 620 Newtonmeter bauen einen unwiderstehlichen Druck, der aber sanft durch die Übersetzungen gleitet. Im großen Diesel kommt die Achtgang-Automatik exklusiv zum Einsatz, die anderen Motorisierungen bedienen sich optional der Siebengang-Doppelkupplungsautomatik.

Quelle: n-tv.de

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