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Briefe aus dem Outback V "Auf keinen Fall zimperlich sein"

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Im Camp wird zum Aufbruch geblasen.

Seit dem 18. Oktober rollt ein Konvoi aus mehr als 20 Geländewagen und Service-Fahrzeugen durch den nördlichen Bundesstaat Australiens. Eines der große Probleme sind die auf Dauer fehlenden Sanitäreinrichtungen. Auch Kerstin Seele kämpft mit diesem Umstand.

Nur allzu verlockend sehen sie aus, die Flussniederungen, die der Konvoi auf den ersten 1000 Kilometern Richtung Süden passierte hat. Einladend auch die Strände, ruhige, mit feinem Sand gefüllte Buchten, die jedem Urlaubsprospekt zur Ehre gereichen würden. Doch die Warnungen sind unmissverständlich. Etwa 1,5 Meter im Quadrat messen die Schilder, die auf ernste Gefahren hinweisen. Salzwasser-Krokodile könnten hier ebenso nach Beute suchen, wie giftige Quallen etwaigen Badenden das Wasservergnügen verleiden.

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Trotz bester Organisation ist die Reise durchs Outback mit der einen oder anderen Entbehrung verbunden.

Inzwischen ist Ebbe, Felsen ragen aus dem Wasser. Henry, der weißbärtige Aborigine, führt nach Einbruch der Dunkelheit vor, wie man mit einem Speer Krabben erlegen kann, die sich in den flachen Pfützen zwischen den grobporigen Steinen verstecken. Der Versorgungs-Lkw hat die letzten rund zehn Kilometer von der ebenen Schotterpiste bis zum Camp am Meer an diesem Tag nicht mehr rechtzeitig geschafft, das gemeinsame Abendessen am Lagerfeuer fällt deshalb nicht so üppig aus wie an den Vortagen. Die Luft hat noch immer fast 30 Grad, die schwache Brise von See bringt kaum Abkühlung. Zum Glück sind nur wenige Insekten unterwegs. Das wird sich ändern, wissen diejenigen im Tross, die vor einigen Monaten die Strecke ausgekundschaftet und auf ihre Eignung für die Land Rover Experience Tour geprüft haben.

"Ich kann's nicht fassen"

Während die Versorgung der Teilnehmer auch unter widrigen Umständen reibungslos klappt, stellt die Entsorgung der Stoffwechsel-Produkte Einzelne hier und da vor Probleme. An diesem Abend haben sie deshalb Glück. Der Kilometer lange Strandabschnitt mitten im Arnhem-Land ist erst vor Kurzem zu einer Camping-Zone ausgewiesen und mit einer öffentlichen Toilette versehen worden. Fließend Wasser gibt es aus dem Kanister auf der Ladefläche der Geländewagen. Zeit für Kerstin Seele, über Auftakt und Fortgang der Tour nachzudenken:

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Die Sprache beherrscht Kerstin Seele, das Outback hat sie so noch nicht erlebt.

"Ich kann's bis heute noch nicht fassen, dass ich wirklich dabei bin. Als auch die anderen Teilnehmer feststanden, haben wir gleich eine WhatsApp-Gruppe gebildet und uns gegenseitig mit Anregungen und Tipps für die Tour versorgt." Letztlich ist es auch genau das, was die junge Frau so fasziniert, dass die Gruppe so prima funktioniert. Der Auslöser für die Bewerbung zur Landrover Experience war ihr Chef. Vor Jahren war der nämlich selbst bei einer Camel-Trophy mit dabei.

"Allerdings bin ich nicht das erste Mal in Australien. Deshalb habe ich in meinen Bewerbungsbogen auch die scherzhafte Antwort reingeschrieben, dass ich den Aussi-Slang perfekt beherrsche und deshalb auch mal nach dem Weg fragen kann." Während ihres Master-Studiums in International Business war Seele bereits in Australien und konnte nach dem Studium weitere vier Monate durch den fünften Kontinent reisen. "Beruflich bin ich viel unterwegs. Als E-Commerce-Managerin eines französischen Sportartikelherstellers gehört erhöhte Mobilität zu meinem Alltag", erzählt die 27-Jährige.

Allerdings ist die Reisen in einem SUV quer durch das Northern Territory anders als ihre sonstigen Unternehmungen: "Anspruchsvoller, einsamer und herausfordernder. Zu lernen, wie man Reifen wechselt oder auch flickt, wenn's nicht anders geht, das ist cool. Die Bedingungen sind aber alles andere als ein Erholungsurlaub", resümiert Seele. "Immer wird irgendwo eine Hand gebraucht, stets ist das Team gefordert. Als aktive Handballerin bin ich gewohnt im Team mit anzupacken. Und als Kreisläuferin darf man ohnehin nicht zimperlich sein" erzählt Seele lachend. Dennoch ist der Umstand, dass auf die sanitären Möglichkeiten auf der Tour mehr als beschränkt sind, eine echte Herausforderung für die junge Frau. "An einem Tag habe ich mir mal aus Spaß die Fingernägel lackiert – damit man den Dreck darunter nicht so sieht", bekennt Seele lachend und muss schon wieder irgendwo anpacken.

Am 29.11. und am 6.12. wird Norman Adelhütte in "PS - Das Automagazin" (immer sonntags um 08.10 Uhr bei n-tv) die Geschichte des Trails durch das Outback im Bewegtbild präsentieren. Ein Roadmovie gibt dann einen detaillierten Einblick in die Land Rover Experience Tour.

Quelle: ntv.de, aufgezeichnet von Axel F. Busse