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Absatzkrise wird existenziell Autobauer warten auf ein Opfer

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Die Überkapazitäten der Autobauer führen zu ungesunden Rabatten auf dem Markt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Den Autokäufer freut es, wenn die Preise auf dem Neuwagenmarkt in den Keller rauschen. Doch was bei den Konsumenten zu Freudentänzen führt, ist für die Autoindustrie der Nagel zum Sarg. Für sie gibt es nur eine Frage: Wer ist das erste Opfer?

Der polierte Lack der Neuwagen ist in diesem Jahr das einzige, was auf dem Pariser Autosalon glänzt. Alle zwei Jahre feiert sich die europäische Branche hier gerne selber - aber 2012 blickt sie fast geschlossen in den Abgrund. Auf dem Krisen-Kontinent rauschen die Absatzzahlen seit Monaten ungebremst in den Keller, große Massenhersteller fahren zum Teil existenzbedrohende Verluste ein. Um die Verkaufszahlen zu retten, landen Neuwagen mit horrenden Rabatten auf dem Markt. Der heftige Preiskampf drückt die mageren Gewinne aber zusätzlich - und könnte für manche alteingesessene Branchengröße sogar zum Sargnagel werden.

Rabattschlacht wird existenziell

"Da kann man schon von einem Endspiel sprechen. Bei einigen europäischen Fahrzeugherstellern geht es schlichtweg um die blanke Existenz", sagt Marcus Berrer von der Unternehmensberatung Roland Berger. Mittlerweile greife die Rabatt-Schlacht sogar im Oberklasse-Segment um sich. "Händler sprechen da von einer 'nie dagewesenen Form des Krieges', um die Stückzahlen oben hoch zu halten."

Aber während etwa Daimler selbst nach seiner Gewinnwarnung noch immer auf einen Milliarden-Überschuss zusteuert, geht es Massenherstellern mit ihren kleinen Margen und teuren Überkapazitäten mehr und mehr an den Kragen - vor allem denjenigen, die vom europäischen Markt abhängig sind: vor allem PSA Peugeot Citroën, Fiat und Opel. PSA-Chef Philippe Varin musste schon das Ende eines ersten Werks ankündigen - und erwartet auch Standortschließungen bei anderen Konzernen.

Lauern auf das nächste Opfer

Nun wartet die Konkurrenz gespannt: Wer kommt als nächstes aus der Deckung? Denn wenn einer Kapazitäten abbaue, profitiere die ganze Branche davon, sagt Fiat-Chef Sergio Marchionne: "Es ist, als würde man zwölf Gäste zum Dinner einladen und dann dre erschießen, damit mehr Essen für die übrigen neun bleibt. Das Problem ist: Keiner will erschossen werden."

Als Treiber der Preis-Schlacht hat Marchionne Volkswagen ausgemacht. Der wortgewaltige und stets leger gekleidete Italiener warf VW kürzlich vor, ein "Blutbad" bei den Margen anzurichten. Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen.

Preisschlacht im Kopf des Herrn Professor

Europas größter Autobauer spricht zwar gerne über seine wachsenden Marktanteile - tut aber alles, um Berichte über eine rabiate Preispolitik zu entkräften. So lesen man die "Geschichten" von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer über steigende Preisnachlässe immer gerne, sagt VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler: "Weil wir dann mit viel Akribie verstehen, was im Geist des Herrn Professor los ist. In der Realität ist es leider nicht so."

Doch das sehen nicht nur italienische Konkurrenten anders und sprechen von einer ausgesprochen aggressiven Preispolitik der Wolfsburger. Bei gewerblichen Zulassungen lägen die VW-Angebote mitunter so weit unter dem Marktpreis, dass andere Hersteller dafür schon draufzahlen müssten, heißt es in der Branche. Dudenhöffer selbst glaubt, dass sich die Branche noch lange in dieser Preismühle drehen wird. "Selbst neue Modelle kommen aus diesem Rabatt-Geschehen nicht heraus."

Gar nicht erst hineinrutschen will dagegen VW-Tochter Porsche, bei der die Kunden für mehr Exklusivität aber auch gerne höhere Preise bezahlen. "Wir verkaufen lieber mal ein Auto weniger, als dass wir die Autos verramschen", sagt Porsche-Chef Matthias Müller und warnt: "Ich bin fest überzeugt, wenn man in diese Spirale erst mal einsteigt, dann kommt man nicht mehr heraus."

Quelle: ntv.de, dpa