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VW vom Thron gestoßen Chinas bizarre Corona-Rabatte beim Autokauf

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Mit seinem Corona-Programm scheint Geely in China besser zu fahren als VW.

(Foto: Geely)

Eigentlich muss man den deutschen Autoherstellern weder erklären, wie man Autos baut noch wie man sie verkauft. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Und so haben sich chinesische Hersteller einiges einfallen lassen, um neue Kunden zu gewinnen.

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Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird hierzulande eine Rabattschlacht auf dem Automarkt erwartet.

(Foto: dpa)

Momentan ist die europäische Autoindustrie noch in der Corona-Starre. Momentan kann auch kein Mensch sagen, wann die Produktion wieder anlaufen wird. Auf jeden Fall rechnet das Center Automotive Research (CAR) in seinem monatlichen Rabattreport mit einem umso stärkeren Preiskampf, wenn Europa zur Normalität zurückkehrt. Doch um die Ausfälle der vergangenen Wochen und Monate zu puffern, müssten die Hersteller nach Ansicht von Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer zu wesentlich höheren Rabatten greifen.

Doch dass das hier vom CAR propagierte "Kundenschlaraffenland" so nicht zwingend funktionieren muss, beweist derzeit der größte Automarkt der Welt. In China scheint die Corona-Krise überwunden und die Menschen kehren dort langsam zur Normalität zurück. Natürlich gehört dazu auch, dass wieder Autos gekauft werden. Doch die dort angebotenen üppigen Rabatte reichen nicht aus, um die Kundschaft in gewohnter Weise in die Autohäuser zu locken.

Mundschutz für alle

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Wuling bietet für seine Autos Mundschutzmasken für die ganze Familie.

(Foto: Wuling)

Um das zu ändern, hat sich der Vertrieb in China etwas einfallen lassen und macht zum hohen Rabatt noch die eine oder andere Zugabe: So bietet Wuling, die Joint-Venture-Marke von General Motors und SAIC, neben kräftigen Preisnachlässen aktuell einen Satz Mundschutze als Dreingabe für Neuwagenkäufer an. Das mag profan erscheinen, zumal die Masken in China aktuell offenbar nicht mehr akut knapp sind. Insofern muss man diese Idee wohl eher als eine symbolische Schutzmaßnahme und vielleicht als Investition in die Zukunft betrachten. Ob das am Ende reicht, um die Kunden zum Kauf eines Wuling zu bewegen, bleibt abzuwarten.

SUV mit Aroma-Therapie

Andere Hersteller wie zum Beispiel Guangzhou setzen eher auf Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Die ist ja auch hierzulande als Alternative zur Schulmedizin von vielen Menschen anerkannt. Guangzhou jedenfalls will jetzt in seinem Elektro-SUV Aion LX eine Art Aromatherapie anbieten. Das ist bitte nicht mit der schnöden Beduftung in einem Mercedes zu verwechseln.

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Im Aion LX gibt es jetzt eine Aromatherapie.

(Foto: GAC)

Zwar ist auch im Aion LX eine Art Parfümspender für die Verteilung des Aromas verantwortlich, aber anders als bei den Stuttgartern hat es hier heilende Wirkung. Na ja, Guangzhou verspricht auf jedem Fall, das es sich positiv auf die Gesundheit der Insassen auswirken soll. Und im Zusammenspiel mit einem ordentlichen finanziellen Rabatt könnte das die chinesische Kundschaft vielleicht locken, einen Aion LX zu kaufen.

Geely verkauft saubere Luft

Auch die in China als Premiummarke etablierte Volvo-Mutter Geely hat den potenziellen Käufern neben Rabatten ein Angebot zu machen: reine Luft. Ja, Geely verkauft seine Autos mit einem neuartigen Innenraumfilter. Nun mag der Leser hierzulande denken: Ja, und? In China aber war und ist saubere Luft immens wichtig. Seit der Corona-Krise hat die Bedeutung eines gesunden Binnenklimas noch mehr gewonnen.

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Ein völlig neues Luftfiltersystem verspricht Geely für seine Autos.

(Foto: Geely)

Geely jedenfalls hat in einer Pressemitteilung verkündet, dass man "innerhalb von nur 20 Tagen" einen neuen Innenraumfilter entwickelt habe. Natürlich darf das "IAPS-System" getrost als Marketing betrachtet werden, aber es scheint zu funktionieren. Die Verkäufe sollen nach dem Start der Kampagne deutlich angezogen haben. Zuletzt konnte Geely sogar Marktführer VW in der chinaweiten Pkw-Bestseller-Liste vom Thron stürzen.

Marktführung durch Gesamtkonzept

Aber das dürfte nicht der einzige Grund sein, warum Geely momentan beim Verkauf seiner Autos ganz vorne liegt. Das Marketing hat sich nämlich noch etwas einfallen lassen: Nachdem Ausgangs- und Kontaktsperren die Probefahrten mit dem Auto der Begierde bei den Händlern verhindert haben, bringt Geely die Fahrzeuge zur Wohnung der möglichen Käufer.

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Der Neuwagen von Geely wird dem Käufer vollgetankt und desinfiziert vor die Haustür gestellt.

(Foto: Geely)

Vollgetankt und desinfiziert wird der Wagen vor der Tür abgestellt, verbleibt für eine gewisse Zeit da und wird dann genauso unbürokratisch wieder abgeholt. Der Service, so Geely, ist Teil eines Gesamtkonzepts, mit dem der Hersteller einen komplett kontaktlosen Autokauf ermöglichen will. Die Beratung, der Kaufabschluss und die nötigen Formalitäten werden jedenfalls nach der Testfahrt online erledigt.

Die Drohne überbringt den Schlüssel

Ist dann alles in Sack und Tüten, bleibt nur noch die Schlüsselübergabe. Damit auch die kontaktlos vonstattengeht, will Geely die Schlüssel künftig per Drohne aushändigen lassen. Während der Neuwagen gewaschen und desinfiziert beim Kunden vorfährt, fliegt nach Terminabsprache eine Drohne mit den Fahrzeugschlüsseln zum Kunden.

Bleibt abzuwarten, ob diese Art des Autoverkaufs auch für Deutschland oder Europa eine Option ist. Sicher sind bis dato nur die kommenden Rabatte. Interessenten sollten sich aber Zeit lassen, den Markt beobachten, um am Ende wirklich einen lukrativen Kauf zu machen.

Quelle: ntv.de, hpr