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Briefe aus dem Outback III "Hier erfüllt sich ein Jugendtraum"

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Zwischenstopp am Strand. Aber baden kann Diana Arnold hier nicht. Zu groß ist die Gefahr von Haien.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Nach fast 1000 Kilometern und über Wege, die selten die Bezeichnung "Straße" verdienen, trifft der Konvoi der Land Rover Experience in Katherine ein. Nach der Ankunft ist der am häufigsten genannte Wunsch "eine Dusche".

Verglichen mit der Umgebung der Vortage ist die mit rund 6000 Einwohnern viertgrößte Stadt des Northern Territoy ein pulsierender Hotspot der Zivilisation. In Katherine ist nicht nur Sprit zu fassen, sondern auch ein Katzensprung in ein Einkaufszentrum möglich. Die wenigen Tankstellen auf der Strecke sind die wahren Nutznießer der Land Rover Experience Tour. Nur selten verlassen die Land Rover Discoverys den Ort des Geschehens ohne eine Tankrechnung von mehr als 700 Dollar.

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Aufmerksam verfolgen die deutschen Besucher die Zusammenschaltung der Schüler.

(Foto: Alexander Seger)

Der Stopp in der Stadt dient nicht zuletzt der Überprüfung der Ausrüstung. Es ist die letzte Chance vor dem Aufbruch Richtung Süden, Fehlendes zu ergänzen und Verbrauchtes aufzufüllen. "Bequemer wird’s in der zweiten Hälfte nicht", dämpft Dag Rogge beim morgendlichen Briefing die Erwartungen auf weitere Hotelbetten oder Duschkabinen. Noch höhere Temperaturen, karge Wüstenpassagen, ein Salzsee und sehr wahrscheinlich eine Heuschrecken-Invasion stehen den Teilnehmern bevor. Doch der Anblick des Uluru (Ayers Rock) im Abendlicht dürfte für einige Entbehrungen entschädigen.

"School of the Air"

Die Besucher aus Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und China haben in Katherine Gelegenheit, ein interessantes Bildungsprojekt kennenzulernen. Die "School of the Air" unterrichtet Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 4 und 16 Jahren via Satellit. Die Kinder leben über ein Gebiet von 800.000 Quadratkilometer verteilt, ihre Eltern sind Farmer oder Viehzüchter, die große Güter im Outback bewirtschaften oder in winzigen Siedlungen zusammenleben. Zwei Studios in Katherine übertragen die Unterrichtseinheiten live in jedes Kinderzimmer, Wortmeldungen und Noten gibt es online inklusive Videobild.

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Das Outback ist eine Fundgrube für Fotografen.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Einmal die Woche sind alle 220 Schüler zusammengeschaltet, so auch beim Besuch der Experience Tour. In allen Grundlagen-Fächern ist dies die einzige Möglichkeit für die Kinder im Outback, Schulunterricht zu erhalten, der Abschluss ist staatlich anerkannt. Diana Arnold ist Mutter von zwei schulpflichtigen Töchtern und verfolgt die Präsentation mit besonderem Interesse.

Ihre zwei Töchter sind jetzt allerdings in Deutschland, zusammen mit ihrem Mann Stefan und der Oma. "Am Anfang kam mir die Idee, drei Wochen von Familie und Firma weg zu sein, schon etwas seltsam vor. Australien erschien mir nicht nur geografisch, sondern auch zeitlich sehr weit weg." Als sie vor Wochen die Einladung zum Qualifizierungscamp bekam, fiel sie aus allen Wolken. "Mein Mann hatte uns beide angemeldet, ich hatte keine Ahnung davon." Am Ende kam Diana in die Endausscheidung.

Hundekalt in der Nacht

"Als im März vergangenen Jahres dann die Endausscheidung für die Teilnahme in Wülfrath anstand, dachte ich, die hätten sich vertan", erzählt Diana. "Übernachten im Zeit, im März? Ich hatte damit gerechnet, dass wir unsere Schlafsäcke fürs campieren auf Feldbetten in einer Turnhalle brauchen würden. Es war so was von hundekalt in der Nacht, ich war überhaupt nicht böse, als wir endlich geweckt wurden." Jetzt in Australien hat sie genau das Gegenteil: Abends um zehn waren es bislang oft noch mehr als 30 Grad und morgens selten weniger als 25.

Das im Rahmen der Qualifikation das Bauen von Brücken und der Reifenwechsel geübt wurden, kommt den Teilnehmern jetzt zugute: "Fast auf jeder Etappe geht irgendwo ein Reifen kaputt. Schon der erste Tag war hart. Ich hab mich gleich festgefahren und später war auch noch mein Handy weg. Ich hab das als Zeichen gewertet, dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren soll." Mit der Reise erfüllt sich für Diana ein Jugendtraum. Damals hatte sie oft daran gedacht, als Backpackerin irgendwo in Australien oder Neuseeland herumzutouren. Aber irgendwie ist wie bei so vielen Träumen nie etwas daraus geworden. "Erst war das Studium wichtiger, dann kamen Familie, der Ausbau des Geschäfts. Ich freue mich so, dass ich dabei sein kann", sagt Diane lächelnd und schlendert zu ihrem Auto zurück, um es für die nächste Etappe vorzubereiten.

Am 29.11. und am 6.12. wird Norman Adelhütte in "PS - Das Automagazin" (immer sonntags um 08.10 Uhr bei n-tv) die Geschichte des Trails durch das Outback im Bewegtbild präsentieren. Ein Roadmovie gibt dann einen detaillierten Einblick in die Land Rover Experience Tour.

Quelle: ntv.de, aufgezeichnet von Axel F. Busse