Auto

Einsteigen für weniger Geld Opel Karl - mit der kleinen Revolution

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Viel Mühe haben sich die Opel-Designer mit dem Außenauftritt des Karl gegeben. Mit seiner flott gezeichneten Seitenlinie und dem durchaus knackigen Heck kann er sich durchaus sehen lassen.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht nur dass Opel seinen jüngsten Spross schlicht und ergreifend nach einem der fünf Opel-Brüder benennt, er soll auch mit 9500 Euro der preiswerteste Einstieg in das Segment der Kleinstwagen sein. Dabei haben die Rüsselsheimer auf Schnickschnack und Chichi verzichtet, etwas ganz Wichtiges aber beachtet.

Irgendwie war es klar, dass Opel im Segment der Kleinstwagen dem Adam noch etwas an die Seite stellen muss. Der stylische Flitzer ist einfach zu teuer und ermöglicht nicht jedem potenziellen Kunden die Möglichkeit für den Einstieg in die "Opel-Welt". Denn es gilt: Wer sich in jungen Jahren für eine Marke entscheidet, der bleibt. Aus diesem Grund haben die Rüsselsheimer jetzt dem Vater den Sohn an die Seite gegeben. Ja, und auch das soll an dieser Stelle geklärt werden, Adam steht jetzt nicht mehr englisch ausgesprochen für einen globalen Ädäm, sondern ist inzwischen zu einer Hommage an den Firmengründer Adam Opel mutiert.

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Opels Kleinster, der wie der neue Chevrolet Spark in Korea vom Band läuft, steht ab dem 20. Juni bei den Händlern.

(Foto: Holger Preiss)

Deshalb trägt der Kleine auch den Namen seines Erstgeborenen Karl. Und alle, die sich auskennen, werden jetzt mit Recht behaupten, dass der sich doch mit C schreibt, Carl. Gott sei Dank hat man in den Archiven der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau die Geburtsurkunde des am 31. August 1869 geborenen Knaben gefunden und dort steht in Feinschrift: Georg Adolf Karl. Erst im Laufe seines Lebens ließ Karl aus dem K ein C werden, weil es einfach vornehmer war. Ergo: Karl mit K ist nicht nur richtig, sondern tatsächlich der Rufname des Rüsselsheimer Autobauers. Doch bevor jetzt noch Fahrzeuge mit den Namen Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig (so die Namen der anderen vier Opel-Brüder) auf den Markt kommen, werfen wir einen Blick auf das Auto Karl.

Günstiger als viele Mitbewerber

Mit 9500 Euro steigt der Kleinstwagen günstiger als die Mitbewerber ins Geschäft ein. Ein VW Up zum Beispiel kostet mindestens 9975 Euro und für einen Hyundai i10 müssen auch 9950 Euro bezahlt werden. Aber hat der Karl für unter 10.000 Euro mehr zu bieten als die Konkurrenz? Nun, er ist bereits in Serie mit ABS, ESP, Traktionskontrolle und einem Berganfahrassistenten ausgerüstet. Ab der Ausstattungslinie Exklusive für 12.900 Euro gibt es dann sogar einen Spurhalteassistenten. Aber nicht nur das. In der höchsten Ausstattung sind auch ein Lederlenkrad mit Fernbedienung, Klimaautomatik, beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber für alle vier Türen, Nebelscheinwerfer mit integriertem Abbiegelicht, beheizbare Außenspiegel und 15 Zoll große Aluräder enthalten.

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Der Opel Karl soll die preisbewusste Klientel ansprechen, die vor allen Dingen den Fokus auf die praktischen Seiten eines Autos legt.

(Foto: Holger Preiss)

In einem Punkt übertrifft der Rüsselsheimer die Mitbewerber aber: Sein 1-Liter-Dreizylindertriebwerk, das extra und ganz neu nur für den Karl entwickelt wurde, wie Opel betont, ist mit 75 PS das leistungsstärkste Einstiegsaggregat in diesem Segment. Natürlich macht auch dieser Motor aus dem Kleinstwagen keinen Überflieger, aber er treibt den 3,67 Meter langen und knapp 940 Kilogramm schweren Wagen etwas knurrig, aber munter voran. In 14 Sekunden ist Tempo 100 erreicht und das Datenblatt spricht von einer Endgeschwindigkeit von 170 km/h. Das, so muss hier angemerkt werden, sollte vielleicht möglich sein, bedarf aber großer Ausdauer. Denn wenn die fünf Gänge sauber und schnell durch die Gassen geschoben wurden und der Fuß schwer auf dem Pin steht, reicht das lediglich für einen flotten Lauf bis 120 km/h aus. Alles, was danach kommt, ist mühsam erarbeitet und (den drei Töpfen geschuldet) deutlich lauter.

Es geht auch mit Familie

Zumal die Verbrauchswerte an diesem Punkt auch nicht mehr den auf einer ersten Testfahrt mit viel Stadtverkehr gemessenen 6,0 Litern - Opel spricht im Schnitt von 4,5 Litern - entsprechen dürften. Die gehen nämlich für ein Auto, das in erster Linie seinen Einsatz in urbanen Ballungsgebieten finden wird, absolut in Ordnung. Denn zweifelsohne ist hier der bevorzugte Einsatzort von Karl. Sein Wendekreis von knapp 10 Metern lässt auch den "U-Turn" auf engen Straßen zu, der Kofferraum schluckt mit seinen 215 Litern problemlos zwei Wasserkästen. Wer will, legt die Rückbank, deren geteilte Lehnen allerdings mit dem Funktionspaket für 325 Euro erkauft werden müssen, komplett um und erhält so ein Ladevolumen von 1013 Litern. Das ist für ein Fahrzeug dieser Größe üppig und reicht auch für den Großeinkauf der Familie.

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Wer hinten in den Opel Karl steigt, sollte 1,85 Meter nicht überschreiten.

(Foto: Holger Preiss)

Apropos Familie. Den Karl gibt es ausschließlich mit vier Türen, was das Besteigen der zweiten Reihe ausgesprochen angenehm gestaltet. Rein rechnerisch bietet der Opel sogar die größte Beinfreiheit in seinem Segment. Das gilt real aber nur für Menschen bis zu einer Körperhöhe von etwa 1,85 Meter. Alle anderen sollten den Fond meiden, weil sich nicht nur die Knie in die Rückenlehne des Vordermanns bohren, sondern auch der eigene Kopf in den Himmel. Auch für Kinder könnte es in ihren Kindersitzen oder auf ihren Sitzkissen schwierig werden, weil die Füße unweigerlich an die Sitzlehne stoßen. Anders bei Kleinstkindern, die in ihren Sitzschalen liegen und für die auf den hinteren Plätzen zwei Isofix-Befestigungen vorhanden sind. Auf den vorderen Plätzen ist das Raumangebot selbstredend besser. Zumal der Fahrer sich hier seiner Gestalt entsprechend den Sitz und das Lenkrad wenigstens in der Höhe einrichten kann.

Die kleine Revolution

Allerdings merkt man im Inneren an den Kunststoffmaterialien schon, dass Opel bei dem Kleinstwagen mit sehr spitzer Feder gerechnet hat. Hier muss man im Vergleich zum Adam oder Corsa Abstriche in der Haptik machen. Dennoch ist der Arbeitsplatz des Piloten einer der schönsten im Karl. Das Volant, das an eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung gekoppelt ist, liegt ausgesprochen satt in den Händen und lässt den Burschen im Zusammenspiel mit einem ausgezeichneten Fahrwerk sehr agil ums Eck ziehen. Erstaunlich ist auch, wie klaglos der Kleinstwagen Querfugen wegbügelt. Da könnte sich manch Großer eine Scheibe abschneiden. Große Freude bereiten in diesem Zusammenhang auch die angenehm straffen Polster, die die Annahme zulassen, dass auch bei Langstreckenfahrten der Rücken keine Probleme bekommt.

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Der Arbeitsplatz des Fahrers wirkt aufgeräumt und ansprechend.

(Foto: Holger Preiss)

Aber Opel hat sich mit dem Karl noch auf ein anderes immer wichtiger werdendes Bedürfnis der Autofahrer eingestellt: die Konnektivität. Klar, das machen andere Hersteller auch, aber hier ist die für alle einfachste Lösung endlich praktikabel. Egal, ob Apple-Freund oder Android-Liebhaber, jeder kann sein Smartphone entweder über Apples Carplay oder Googles Android Auto auf dem ab Herbst optional erhältlichen sieben Zoll großen Touchscreen spiegeln. Und der Clou ist: Zum Navigieren ist kein zusätzliches Kartenmaterial nötig, das teuer gekauft werden muss. Hier werden entweder Karten von Apple oder Google Maps benutzt. Und es funktioniert im Karl problemlos, was einer kleinen Revolution entspricht. Ab 2016 bietet Opel den Karl-Kunden dann auch optional sein System OnStar an. Darin enthalten sind nicht nur Pannenhilfe und Notfallassistent, sondern es macht den Karl auch zum WLAN-Hotspot. Bis zu sieben mobile Endgeräte lassen sich dann an das System koppeln. Ob allerdings die Bude häufig so voll ist, dass das nottut, darf bezweifelt werden.

Aufrüsten geht immer

Letztlich gilt auch für den Karl: Die Basisversion ab 9500 Euro ist nur etwas für radikale Komfortverächter. Wer den Kleinen ins Auge fasst, sollte sich mindestens für die mittlere Ausstattungsvariante Edition entscheiden, die es ab 10.650 Euro gibt. Hier gehören unter anderem elektrische Fensterheber sowie Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, ein höhenverstellbarer Fahrersitz sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage zum Serienumfang.

Natürlich kann dann auch noch weiter aufgerüstet werden. Die Klimaanlage in Verbindung mit dem Infotainmentsystem kostet 850 Euro. Sitzheizung, Lenkradheizung, Lederlenkrad sowie hintere Parksensoren stehen mit 495 Euro in der Liste. Und wer Wert auf schicke 15-Zoll-Leichtmetallfelgen statt schnöder 14-Zoll-Stahlräder legt, ordert das Funktionspaket für 325 Euro. Das beinhaltet zudem die schon erwähnte geteilt umklappbare Rücksitzlehne, Nebelscheinwerfer und einen Spurassistenten. Für Frischluftfans gibt es zudem ein elektrisches Schiebedach für 850 Euro.

Quelle: ntv.de

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