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Nach oben ist alles offen Rückenwind für das BMW 2er Cabrio

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Bereits die geschlossene Variante des 2er BMW hat sich als recht erfolgreich erwiesen. Jetzt soll das Cabrio daran anknüpfen.

Langsam komplettiert sich die neue Modell-Arithmetik bei BMW: 1er- und 3er-Cabrio gibt es nicht mehr, weshalb der offene Zweitürer des Jahres 2015 die Ziffer "2" erhält. Das Stoffdach ist geblieben, neu ist ein Dreizylinder als Basismotorisierung.

Mit Blick auf die kommende Freiluftsaison hat BMW jetzt das 2er-Cabrio in Stellung gebracht und hofft auf starken Zuspruch. Rückenwind gibt es von der geschlossenen Variante, von der sich in zehn Monaten allein in Deutschland rund 28.000 Exemplare verkauften. Der Vorgänger, das 1er-Cabrio, wurde nicht wegen Erfolglosigkeit abgelöst: Während seiner Laufzeit kam es weltweit auf 130.000 Einheiten, wovon 48.000 in Deutschland blieben. Das spricht für die Affinität der Einheimischen zu handlichen Cabrios. Mit 4,43 Metern Länge ist der offene Zweier genau 41 Millimeter länger als der Vorgänger, in der Breite hat er 26 Millimeter zugelegt. Damit ist er fast so breit wie das letzte 3er Cabrio, an dessen Länge fehlen ihm aber 18 Zentimeter.

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Drei Farben gibt es für das Verdeck, die Zeit zum Öffnen bleibt aber immer gleich: 20 Sekunden.

Im Mittelklassesegment operiert BMW schon seit Jahren mit einem Metallklappdach, das kompakte Cabrio behielt die ehrliche Stoffmütze, was für viele Autofahrer die einzig authentische Kopfbedeckung für ein offenes Auto ist. Allerdings hat der Hersteller für den 2er nochmal in die Technikkiste gegriffen, fünf Lagen Segel- und Dämmtuch investiert, um dem Schallniveau eines Coupés nahe zu kommen. Gegenüber dem 1er-Cabrio gelang eine Senkung des Geräuschpegels um fünf Dezibel, was einer Reduzierung um ein Viertel entspricht.

Noch wichtiger als das Geräusch sind den Insassen Schnelligkeit und Zuverlässigkeit beim Öffnen und Schließen. Die von fünf Spriegeln gespannte Haube braucht 20 Sekunden aus der Ruhestellung bis zum Verschwinden im Verdeckkasten. Das ist kein überragendes Tempo, sondern liegt in der Größenordnung, dass auch andere Cabrios erreichen. Die Beweglichkeit der Haube ist natürlich auch während der Fahrt garantiert, wenn man nicht schneller als 50 km/h unterwegs ist. Außer in schwarz gibt es das Verdeck noch in Anthrazit mit Silbereffekt und Braun mit Silbereffekt.

Variabel unter dem Heckdeckel

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Der Kofferraum zeigt sich variabel. Je nachdem, ob das Dach geöffnet oder geschlossen ist.

Der gefaltete Regenschutz benötigt seinen Platz, weshalb der Kofferraum je nach Dachzustand variabel ist. Mindestens 280 Liter Gepäckvolumen stehen zur Verfügung, wenn der Verdeckkasten gefüllt ist, 335 sind es bei geschlossenem Dach. Damit hat sich das Volumen gegenüber dem 1er Cabrio um 30 (geschlossen) bzw. 20 Liter erhöht. Zur leichteren Beladung wurde auch die Klappenöffnung verbreitert. Die Durchladeöffnung für Skier oder ähnliches sperriges Gut wurde auf 450 Millimeter erweitert.

Am linken hinteren Kotflügel offenbart sich ein Interessenkonflikt zwischen Designern, Elektronikern und Kostenkontrolleuren. Dort hat die etwa 25 Zentimeter lange Stabantenne ihren Platz, die der Fahrer bei jedem Blick in den Außenspiegel unweigerlich im Bild hat. Die Designer hätten die Empfangsanlage lieber anderweitig untergebracht, um den Fremdkörper aus der geschliffenen Karosserieoptik zu entfernen. Die Elektroniker hätten sich eine ebenso leistungsstarke Antenne als Finne auf dem Kofferraumdeckel vorstellen können, die dann aber zur Isolierung von anderen Metallteilen aus Kunststoff hätte sein können. Aus Kostengründen haben sich schließlich beide Lager nicht durchgesetzt.

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Die Stabantenne stört den Blick in den Rückspiegel des Fahrers empfindlich.

(Foto: Tom Kirkpatrick)

Der Verzicht auf ein festes Dach macht Versteifungselemente im Fahrzeugunterbau nötig und erhöht das Gewicht gegenüber dem Coupé nicht unerheblich. Mit knapp 1500 Kilogramm ist es rund 150 Kg schwerer als das Schwestermodell. Allerdings senkt diese Maßnahme auch den Fahrzeugschwerpunkt, was den dynamischen Qualitäten zugutekommt. Ist das Verdeck verstaut, liegt der Schwerpunkt knapp 50 Zentimetern über dem Asphalt. Die Achslastverteilung ist mit nahezu 50:50 äußerst ausgewogen. In offenen Zustand kommt die weiche und harmonische Linienführung der elegant geschnittenen Karosserie voll zur Geltung, die umlaufende Blechkante erinnert an ein Bootsdeck.

Leistungsband von 136 bis 326 PS

Als Einstiegsmotorisierung hat BMW im Modell 218i einen Dreizylindermotor vorgesehen. Das Turboaggregat leistet 136 PS und erreicht seine Drehmomentspitze von 220 Newtonmetern schon bei 1250 Umdrehungen. Das heißt, bereits knapp über Leerlaufdrehzahl wird zusätzliche Verbrennungsluft in die Zylinder gepresst, was dem Handschalter ein Sprintvermögen von 9,4 Sekunden von Null auf Hundert ermöglicht. Mit der Achtgang-Automatik sind es 0,2 Sekunden mehr. Da die 7. und 8. Fahrstufe länger übersetzt ist, als der 6. Gang des Handschalters, hat die Automatikvariante aber Verbrauchsvorteile. Mit 5,3 Litern je 100 Kilometer liegt sie im EU-Normtest 0,2 Liter unter dem Handschalter. Laut BMW-Rechnung bedeutet dies elf Prozent weniger gegenüber dem Vorgänger bei acht Prozent mehr Leistung.

Das obere Ende der Leistungsskala wird vom M235i besetzt, der aus einem drei Liter großen Reihen-Sechszylinder 326 PS holt. Beim Coupé entscheiden sich rund 1/3 der Kunden für diese Variante. Wegen differierender Bug- und Heckgestaltung ist der Leistungssportler unter den 2er-Cabrios zwei Zentimeter länger als das Basismodell. Satte 450 Newtonmeter Drehmoment werden ebenfalls kurz oberhalb der Leerlaufdrehzahl mobilisiert (1300 U/min). Bei 250 km/h wird der Vortrieb elektronisch begrenzt, mit 5,0 Sekunden ist der M 325i mit automatischen Sportgetriebe 0,2 Sekunden flinker als das handgeschaltete Pendant. Noch größer ist die Differenz zwischen manuellem und Automatikgetriebe beim Verbrauch: Sechszehntel Liter werden vom Hersteller angegeben (7,9 zu 8,5 Liter). In der Praxis ist also mit einer zehn vor dem Komma zu rechnen.

Zum Sparmeister in der Modellriege ist der 220d auserkoren, der den EU-Normtest mit einem kombinierten Verbrauch von 4,1 Litern je 100 Kilometer durchlief. 190 PS Leistung und 400 Newtonmeter Drehmoment versprechen ordentliche Sprinterqualitäten. Dieses Fahrzeug kostet mindestens 38.050 Euro. Darunter soll zur Jahresmitte der 218d angesiedelt werden, doch noch gibt BMW nicht bekannt, was er kosten soll. Bekannt sind aber die Tarife des Einsteiger-Benziners (32.200 Euro) und des M-Spitzenmodells (48.900 Euro). Ergänzt wird das Programm später noch um eine Allradvariante.

Quelle: n-tv.de

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