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Youngtimer im Test So fährt ein BMW 5er E28 heute

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Seinerzeit war der BMW 5er E28 das was er heute ist: ein Luxusauto. Auch wenn sich die Maßstäbe deutlich verändert haben.

Wer einen BMW-Oldi mit TÜV und H-Kennzeichen unter 3000 Euro will muss lange suchen? Nicht unbedingt. Wer sich mit einem Fünfer der Baureihe E28 anfreundet kann schnell fündig werden. Und so ein 520i fährt auch nach 35 Jahren noch passabel.

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Gestern noch begehrtes Luxusauto, heute ein Oldi mit H-Kennzeichen.

Wie schnell die Zeit vergeht – eben noch war der 5er E28 als billige Kutsche auf der Straße zu finden, und nur einen Augenblick später bekommen selbst die zuletzt gebauten Exemplare ein H-Kennzeichen. Aber auch jetzt noch ist der Bayer ein überaus erschwingliches Auto geblieben, was ihn für budgetlimitierte Oldtimer-Fans wieder interessant macht. Zwischen 1981 und 1987 liefen diese soliden Businessklassen aus München vom Band und waren immer ein Garant für ordentlichen Fahrkomfort, ohne ein gewisses Maß an Sportlichkeit gänzlich auf der Strecke zu lassen. Außerdem gehört die Baureihe zu den vielfältigen Erscheinungen, was die Wahl erschwert, den Spaß bei der Suche nach dem Richtigen aber enorm steigert.

Wenn es etwas uriges sein soll, dann wäre ein asketischer 518 die richtige Wahl – mit Vergasermotor und als Buchhalter seiner Gattung noch nicht einmal mit Servolenkung. Das andere Extrem ist der rasante M5, der erstmals unter dem E28-Code auftauchte und mit properen 286 Pferden nebst Vierventiltechnik lockte. Wer es ruhig angehen lassen möchte, der legt den Fokus auf den beschaulichen 520i. Die frühen, katlosen Exemplare bringen es immerhin auf 125 PS – eigentlich genug Punch für den 1,2 Tonnen schweren Hecktriebler.

Nichts für Luxusliebhaber

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Die Sitze boten seinerzeit wenig Kontur und Seitenhalt.

Autohändler Marcus Grenz aus Herne etwa bietet ein frühes 520i-Exemplar feil, das im April 1981 produziert wurde und für Sammler sehr reizvoll sein könnte. Wenngleich der silberne Fünfer weder in Ausstattung noch Farbe aus der Reihe tanzt. Okay, das Auto ist kein Einser-Kandidat in puncto Zustand. Hier und da ist der Stoff abgewetzt, Lammfelle verdecken die Macken. Der Lack hat auch schon bessere Tage gesehen, doch was soll´s. Das Auto hat frischen TÜV und ein H-Kennzeichen – dürfte also erst einmal keine außerplanmäßigen Kosten verursachen und ist mit attraktiven 192 Euro Steuern im Jahr abgegolten.

Für Luxusliebhaber ist dieser Bayer allerdings nicht geeignet – es gibt keine Klimaanlage, und man muss die Fenster noch per Hand herunterkurbeln. Auch auf einen Bordcomputer, den es für diese Baureihe durchaus gab, muss verzichtet werden. Sei´s drum, dafür reizt der Oldie mit dem, was unter der Motorhaube steckt. Basis, aber sexy – es gibt sechs Zylinder, davon können die Fahrer eines brandneuen 528i nur noch träumen. Und wenn man den Schlüssel herumdreht, merkt man auf Anhieb, was die Kritiker des Zylinderschwundes meinen, wenn heutige Marketing-Profis abwiegeln und behaupten, es sei ja auch mit vier Töpfen genug Leistung möglich.

Seidenweich mit BMW-Timbres

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Wilkommen in der analogen Welt des BMW 5er E28.

Der Zweiliter verfällt in einen wirklich seidenweichen Lauf mit dem so typisch sonoren BMW-Timbres. Power? Fehlanzeige, mit den 125 Pferdchen würde heute nicht mal ein Kleinwagen Begeisterungsstürme auslösen. Dämmung? Ach was, den Reihensechser kann man unverkennbar hören, und das ist auch gut so. Gemächlich setzt sich das fünfunddreißig Lenze zählende Nobel-Gefährt in Bewegung. Es passiert nicht viel im unteren Drehzahlbereich, der heiser klingende Zweiventiler braucht schon Touren, um die sportlichen Gene der Marke zur Schau zu stellen.

Kein Problem, es gibt ja auch gar keine Erwartungen an dynamische Fertigkeiten, sonst hätte man sich schließlich mit einem M5 beschäftigt. Das gealterte Schaltgetriebe rastet ein bisschen schwergängig ein, aber klar – binnen weniger Kilometer erreicht das Getriebeöl noch nicht seine Betriebstemperatur. Es geht durch vorstädtisches Gefilde mit mäßig gutem Belag geradewegs auf die Landstraße, wo der alte Fünfer ein bisschen Auslauf bekommt. Das Fahrwerk tut es noch: Mit einer Mischung aus geschmeidigem Abrollen und einer gewissen Grund-Härte ist der Langstrecken-Profi schon früher in die Herzen der Markenfans geglitten und kann es auch heute noch.

Wer mehr will, muss suchen

Allerdings muss man angesichts der für heutige Verhältnisse eher mager anmutenden Stühle mit nur wenig Kontur und gar keinem Seitenhalt doch ein bisschen schmunzeln. Sicher, als der Wagen vom Band rollte, waren die noch nicht durchgesessen – aber die Zeiten und Ansprüche haben sich verändert. Dafür brauchte man noch keine tausend Seiten starke Bedienungsanleitung. Die paar Knöpfchen und Drehregler im Innenraum versteht man auf Anhieb. Klar strukturierte Rundinstrumente erleichtern das Ablesen von Drehzahl und Geschwindigkeit. Willkommen in der analogen Welt.

Und dennoch gab es bei BMW bereits Anfang der Achtziger so etwas Fortschrittliches wie eine Serviceintervall-Anzeige. Die Einschubfächer für Audiokassetten erinnern an eine Zeit, da Musikgenuss ausschließlich mit Rauschfrequenzen möglich war. Wer seinen E28 übrigens lieber sicher und luxuriös genießt, kann das tun. Immerhin gab es grandiose Extras, zu denen gar ein Antiblockiersystem sowie elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memory-Funktion (ab 525i) gehörten. Auch Abgasreinigung war für die späten Ausführungen kein Thema, die Klimaanlage gab es sogar schon beim Vorgänger gegen ein paar Tausender Aufpreis. Den elektronischen Bordrechner mit Durchschnittsverbrauch und Reichweitenanzeige hat man bei BMW ja ohnehin erwartet. Um einen vollausgestatteten Fünfer aus den Achtzigern zu finden, muss man allerdings etwas Geduld mitbringen. Doch für viele Oldtimer-Fans ist das Suchen und Kaufen des Wunschobjekts ja ohnehin spannender als der Besitz selbst. So gesehen passt das schon.

Quelle: n-tv.de, hpr/spx

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