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Einsteigen, wo andere aussteigen BMW X5 sDrive - Es geht auch von hinten

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Mit Heckantrieb wird man den X5 sDrive25d nicht durch schweres Gelände scheuchen können, aber er macht in freier Natur eine extrem gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Die Änderungen in der Produktpalette bei BMW sind enorm. Da gibt es jetzt zum Beispiel einen heckgetriebenen X5, der den Einstieg bei den großen SUV bildet. Kann er aber mit seinen allradgetriebenen Brüdern mithalten?

BMW hat in letzter Zeit einige Tabus gebrochen. Da stellen sich die Bayern hin und bauen ein völlig eigenständiges Elektroauto, den i3, und schicken gegen jeden Trend mit dem BMW 2er Active Tourer auch noch einen Van auf die Straße, der nicht wie der Großteil der Bajuwaren über das Heck, sondern über die Vorderräder angetrieben wird. Und dieser Traditionsbruch setzt sich fort. In der ach so beliebten X-Reihe wagen es die bayrischen Autobauer doch tatsächlich, in das Segment der "Panzer"-SUV einen Hecktriebler als Einstiegsmodell zu integrieren und verzichten beim X5 sDrive25d auf den Allradantrieb.

Flotter Panzer

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Das 2-Liter-Triebwerk leistet 218 PS und drückt 450 Newtonmeter auf die Hinterachse.

(Foto: Holger Preiss)

Mit diesem Modell steigt BMW dort ein, wo andere Hersteller, die ähnlich wuchtige Sport Utility Vehicle bauen, aufhören. Und das bezieht sich nicht nur auf den Einstiegspreis, der für den X5 sDrive25 bei 52.100 Euro liegt. Auch beim Triebwerk startet der sportliche Bayer mit einer Ansage abseits der Konkurrenz. Der Vierzylinder Diesel mit 2,0 Liter Hubraum generiert nämlich satte 218 PS. Bei anderen Herstellern endet das Leistungsband bei gleichem Hubraum bei knapp 190 PS. Außerdem drücken beim Bayern 450 Newtonmeter auf die Hinterachse. Das ist ordentlich, lässt bei einem flotten Ampelstart und Sommerregen die ESP-Anzeige fröhlich blinken und schiebt den immerhin zwei Tonnen schweren Bayern leichtfüßig voran. Ist das Triebwerk mit dem 8-Gang-Automatikgetriebe verbandelt, sind in 8,2 Sekunden 100 km/h erreicht.

Allerdings sollte man für einen wirklich ungezügelten Antritt dem Fahrmodischalter auf der Mittelkonsole einen Fingertipp geben und ihn auf Sport stellen. Erst dann wird der s25 richtig abgehen und dank der deutlich höheren Drehzahlen und schärferen Gaskennlinie, die Schaltvorgänge auch bis zur Endgeschwindigkeit von 220 km/h unmerklich absolvieren. Im Comfort-Modus neigt das Automatikgetriebe bei einem festen Tritt auf das Gaspedal zu einer kleinen Gedenksekunde in Form des altbekannten Turbolochs. Insofern wird an dieser Stelle empfohlen, auch bei einem geplanten Überholvorgang den Modischalter in die Wettkampfstellung zu bringen. Dann ist der der dicke Bayer auch als Hecktriebler kaum zu schlagen.

Ein gewisser Langmut

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Auf freiem Feld wirkt der X5 gar nicht so wuchtig.

(Foto: Holger Preiss)

Wer allerdings die wilde Kurvenhatz mit dem s25 plant, der sollte sich bewusst sein, dass er es hier mit einem doch recht massiven SUV zu tun hat. Die Seitenneigung ist trotz des im Testwagen verbauten adaptiven Fahrwerks für zusätzlich 1800 Euro erheblich. Allerdings muss dem X5 attestiert werden, dass er trotz des Heckantriebs nicht zum Übersteuern neigt. Auch dann nicht, wenn die 255er Schluffen, die auf ansehnliche 18-Zoll Alus geschnallt sind, schon anfangen zu quietschen. Für den sauberen Kurvenlauf sorgt auch die Aktivlenkung, die sich bei höheren Geschwindigkeiten strafft und in der Stadt bei langsamerer Fahrt den Lenkeinschlag vergrößert. Wer hier aber die sehr straffe, fast schon spitze BMW-Lenkung erwartet, muss enttäuscht werden. Das ist jedoch auch nicht zielführend, denn ein SUV im Stil des X5 sDrive25d ist keine Rennmaschine. Vielmehr lädt es mit all seinen möglichen Features zum Cruisen, ja zu einer gewissen Langmut auf der Straße ein, zumal das adaptive Fahrwerk Unebenheiten bravourös filtert.

So bewegt gibt sich der X5 mit Heckantrieb dann auch sehr genügsam. Kaum mehr als 6,4 Liter Diesel gluckerten durch die Schläuche. Wer es aber auf der Autobahn drauf anlegt und den Stadtverkehr mit dem Dickschiff nicht vermeiden kann, muss damit rechnen, dass der Motor schon einen ordentlichen Schluck nimmt. Dann liegt der Verbrauch zwischen 7,6 und 7,9 Litern. Allerdings sei angemerkt, dass die Testfahrten zu einer Zeit durchgeführt wurden, als die Sonne unerbittlich brannte und sich die Außentemperaturen stetig um die 30 Grad Celsius bewegten. Ergo die Klimaautomatik einen Dauerlauf hinlegte und die Unterhaltungselektronik für Kurzweil sorgte. So gesehen gehen auch diese Werte absolut in Ordnung und die Reichweite liegt bei einem 75 Liter fassenden Tank und den oben genannten Werten immer noch bei knapp 1000 Kilometern.

Schick mit Optionen

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Wohlfühlambiente für den Piloten im X5.

Ein durchaus gutes Gefühl vermittelt auch die Sitzhöhe von 77 Zentimetern, bei der man schon ordentlich über den anderen Verkehrsteilnehmern thront, und natürlich die ausgezeichnet ausgeformten Polster mit Oberschenkelauflagenverlängerung, die sich auf Wunsch und für 2260 Euro extra elektrisch bewegen lassen. Ob allerdings beigefarbenes Leder zur Bespannung gewählt werden muss, wie im Testwagen, darf bezweifelt werden. Zumal der Aufpreis hier bei 2160 Euro liegt. Zu empfehlen ist aber das Sport-Lederlenkrad für 140 Euro. Es liegt einfach super in der Hand und sieht schick aus, auch wenn man nicht auf dem Rundkurs unterwegs ist.

Ansonsten sind die Instrumente, wie man es von den Bayern gewohnt ist, ausgezeichnet ablesbar, die Knöpfe sind in der Mittelkonsole zentriert und immer gut erreichbar und das Hauptsteuergerät für fast alle Belange wie Farhrzeugeinstellung, Navi, Radio, Telefon et cetera ist der Touch Controller, der gedreht, gekippt und auf dem geschrieben werden kann. Wem das alles zu anstrengend ist, der kann die Spracheingabe nutzen, die ohne größere Missverständnisse eine Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrzeug zulässt. Platz für bis zu 1,5 Liter große Wasserflaschen findet sich in allen Türen und Becherhalter gibt es in der Mittelkonsole und in der ausklappbaren Mittelarmlehne für die Fondpassagiere. Das einzige Ärgernis im Testwagen war ein knarzendes Handschuhfach. Das darf in einem BMW nicht sein.

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Der Kofferraum lässt sich auf zwei Etagen bestücken und bis auf 1870 Liter erweitern.

Was die Arbeit des Piloten bei einem Kreuzer wie dem X5 deutlich verbessert, sind die Assistenzsysteme, die BMW den Kunden optional an die Hand gibt. Bei einer Fahrzeuglänge von 4,88 Metern und einer Breite von 1,94 Meter macht sich zum Beispiel eine Park Distance Control für 780 Euro immer bezahlt. Auch das Innovationspaket mit Head-up-Display, Spurwechselwarnung, Speed Limit Info und adaptiven LED-Scheinwerfern ist eine echte Option. Nicht aber der Preis von 4200 Euro. Im Testwagen ebenfalls enthalten war das Navigationspaket Connected Drive mit Real Time Traffic Information. Das ist wirklich super. Staus werden umschifft, gesperrte Straßen sind auf dem riesigen 17:9-Monitor farblich gekennzeichnet, Unregelmäßigkeiten des Verkehrsflusses werden bei eingestellter Route automatisch angesagt und sind selbstredend auch farblich gekennzeichnet. Kostenpunkt für die Kompletteinheit sind allerdings 3300 Euro. Eine abgespeckte Version gibt es mit dem Radio Professional bereits ab 390 Euro. Hier ist aber das eben erwähnte Navi nicht enthalten, dafür aber die Möglichkeit, Onlinedienste hinzuzubuchen wie zum Beispiel Napster, Pandora, Glympse oder Deezer.

Man muss aber einen X5 nicht zum rollenden Smartphone machen. Der praktische Wert liegt nämlich in seiner Größe. Wer auf der Rückbank sitzt, hat unendlich viel Platz. Insofern muss hier über Knie- und Kopffreiheit kein Wort verloren werden. Eine wirkliche Freude ist auch das Gepäckabteil. 650 Liter finden hinter der elektrisch aufschwingenden Klappe Platz. Hinzu kommt, dass die Ladung auf zwei Etagen verteilt werden kann. Im unteren Bereich befinden sich zwei Staufächer. Dadurch, dass der Ladeboden ebenfalls mit einer Hydraulikfeder versehen ist, muss er bei der Beladung weder herausgenommen noch gehalten werden. Dank der Tiefe verschwindet hier sogar eine Reisetasche. Ist der Deckel wieder geschlossen, kann oben ordentlich eingepackt werden.

Um zu verhindern, dass das Transportgut in den Fahrgastraum schießt, hat BMW ein Trennnetz in die Gepäckraumabdeckung integriert. Wer noch mehr in den X5 packen will, kann die Rücklehne der Fondsitzbank umlegen und gewinnt so weiter 1120 Liter. Allerdings ist die so erzeugte Ladefläche nicht ganz plan.

Fazit: Wo andere Hersteller bei ihren SUV aufhören, steigt BMW jetzt mit dem heckgetriebenen X5 ein. Mit 218 PS ist der zwei Tonnen schwere Straßenpanzer extrem gut unterwegs und lässt bei kommoden Verbrauch auch die eine oder andere sportliche Einlage zu. Der Komfort für die Passagiere ist typisch bayrisch und die durch den doppelten Ladeboden - der in diesem Fall seinen Namen wirklich verdient - geschaffene Ordnung ist beispielhaft. Einzig der Endpreis für einen gut ausgestatteten X5 sDrived25 dürfte den einen oder anderen der gerne standesgemäß luxuriös reisen und laden möchte, schlucken lassen: Der Testwagen bringt es auf die stolze Summe von 70.270 Euro.

DATENBLATTBMW X5 sDrive25d
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,87 / 1,94 / 1,76 m
Leergewicht (DIN)2070 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen650 / 1870 Liter
MotorReihen-Vierzylinder Diesel mit Turboaufladung, 1995 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatikgetriebe
Systemleistung160 kW/218 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit220 km/h
max. Drehmoment450 Nm/1500-2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,2 s
Normverbrauch kombiniert (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km6,5 / 5,2 / 5,6 l
Testverbrauch7,6 l
Tankinhalt75 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
149 g/km
EmissionsklasseEU 6
Grundpreis52.100 Euro
Preis des Testwagens70.270 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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