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Tragischer Unfall mit Tesla Model S Todesfalle autonomes Fahren?

Nach dem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model S wird das autonome Fahren infrage gestellt. Doch was ist wirklich passiert? Ist die Technik unausgereift oder handelt es sich um menschliches Versagen?

Der Tod eines Tesla-Fahrers, der mit seinem Model S im US-Bundesstaat Florida in einen weißen Truck gerast ist, erschüttert die Fans der Marke. Nicht, weil es sich um einen Promi gehandelt hat, der das Auto steuerte, sondern weil nach Angaben der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) während des Unfalls der "Autopilot" eingeschaltet gewesen sein soll. Weitere Informationen liefert die Behörde allerdings noch nicht, sondern sagt, dass sie den Fall prüfen werde.

Beredter gibt sich Tesla selbst. In einem langen Blog-Eintrag spricht der Elektroautobauer von einem "tragischen Verlust" und berichtet, dass die Elektronik wegen des hellen Himmels und der weißen Farbe des Truck-Anhängers "geblendet" gewesen sei und deshalb der Notbremsassistent nicht reagieren konnte. Weiterhin spricht Tesla von einer Beta-Version der Software, die noch nicht final freigegeben ist und den Fahrer darauf hinweist, dass - werden die Assistenten zum autonomen Fahren genutzt - beide Hände am Lenkrad bleiben sollen.

Nicht der erste Unfall

Und noch etwas: Der Unfall eines Tesla S, der sich autonom bewegt, ist nicht der erste, sondern wird wegen seiner tragischen Konsequenzen im Moment mit besonderem Augenmerk bedacht. Bereits 2015 kursiert bei Youtube ein Video unter dem Titel "Tesla Autopilot tried to kill me!", das zeigt, wie ungenügend die Assistenten eines Tesla arbeiten. Mitte Mai diesen Jahres berichten US-amerikanische Medien über ein Tesla Model S, das wegen des Versagens des Autopiloten in einen stehenden Van gefahren ist. Diese Berichte fanden aber keine nennenswerte Aufmerksamkeit, denn das Versagen der Technik blieb ohne Folgen.

Doch was ist bei dem tödlichen Unfall mit dem Tesla wirklich passiert? Warum hat die Elektronik versagt? Gleich vorneweg: Eine abschließende Erklärung wird es an dieser Stelle nicht geben. Aber einen Erklärungsversuch: Tesla kocht bei seinen Assistenzsystemen auch nur mit Wasser, was nichts anderes heißt, als dass die Amerikaner sich auf die gleichen Grundmuster verlassen, wie hierzulande Mercedes, Volkswagen oder BMW. Insofern ist die ständig bemühte Floskel des autonomen Fahrens im Zusammenhang mit dem Unfall schon nicht ganz richtig. Es handelt sich um ein teilautonomes Fahren, denn der Pilot steht immer noch in der Verantwortung, das Tun seines Autos zu überwachen, um im Ernstfall eingreifen zu können. Tesla selbst schreibt in seinem Blog, dass der Fahrer vor der Aktivierung des Systems diesbezüglich eine explizite Anzeige im Display der Multimediaeinheit bekomme.

Ohne Echo geblendet

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Diese Phasen leitet die Elektronik bei einer Notbremsung ein.l

Und das ist gut so, denn das teilautonome Fahren setzt sich aus einer durch unterschiedliche Komponenten errechneten Befehlsfolge für das Fahrzeug zusammen. In der Regel befinden sich auf Höhe des Rückspiegels in der Frontscheibe ein bis zwei Kameras, die Seiten- und Mittelstreifen erkennen und somit die Lenkbewegung in Kurven und beim versehentlichen Überfahren der Straßenmarkierung korrigieren. Das können natürlich nur Autos, die mit einem adaptiven Lenkassistenten – wie in Teslas Model S - ausgestattet sind. Um den Abstand zum Vordermann zu halten, gibt es einen Abstandsradar, der in der Regel im oder unter dem Kühlergrill untergebracht ist. Der Radar arbeitet mit elektromagnetischen Wellen. Treffen die auf ein "Objekt", werden sie als "Echo" reflektiert. Ist das "Echo" zu kurz, wird bei adaptiven Systemen eine Notbremsung eingeleitet.

Warum also hat der Tesla den weißen Hänger nicht "gesehen"? Tatsächlich scheint die Erklärung logisch, dass das Kamerasystem in der Frontscheibe durch den hellen Himmel und den dadurch fast farblos werdenden Trailer "geblendet" war. Ein Umstand, von dem auch hierzulande teilautonom fahrende Autos nicht gefeit sind. Steht die Sonne zu steil, ist es durchaus möglich, dass der Verlauf der weißen Linien in der Straßenmitte und am Rand nicht mehr wahrgenommen werden können. Im Regelfall warnt das System dann aber durch ein optisches und akustisches Signal den Fahrer, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Aber selbst wenn das nicht geschieht, müssten die Sensoren des Abstandradars doch den Anhänger erkannt haben? Nicht zwingend. Da der Trailer sehr hoch gewesen sein soll, ist es denkbar, dass die Sensoren für Bruchteile kein "Echo" bekommen haben. In der Kombination aus Blendwirkung der Kameras und "freier Bahn" für die elektromagnetischen Wellen, hat die Zeit ausgereicht, um den Tesla ungebremst unter den Anhänger fahren zu lassen.

Wer jetzt aber glaubt, dass dieser Unfall das Aus für in Zukunft autonom fahrende Autos sein wird, der muss enttäuscht werden. Die Hersteller werden aus diesem fatalen Unfall lernen und weiter daran arbeiten, die Systeme zu optimieren. Denn wer einmal mit dem Stauassistenten über die Autobahn gefahren ist, wird ihn nicht mehr missen wollen. Zumal die möglichen Folgen bei einem Unfall im Stop-and-Go absehbare Blechschäden sind. Wer hingegen den Auto-Piloten bis zur Maximalgeschwindigkeit von bereits jetzt möglichen 210 km/h die Arbeit allein übernehmen lässt, muss mit argen Konsequenzen rechnen, wenn etwas schief geht. Aber die hat auch zu befürchten, wer bei gleicher Geschwindigkeit die Hände am Lenkrad lässt. In jedem Fall sind die Autobauer bei Unfällen dieser Art für den Moment aus dem Schneider. Denn egal bei welcher Marke die adaptiven Assistenten angeboten werden, ihre Nutzung ist immer an die Aufforderung an den Fahrer gebunden, jeder Zeit die Kontrolle über den Wagen übernehmen zu können. Im Übrigen ist in US-amerikanischen Medien zu lesen, dass der Fahrer des Tesla während des Unfalls "Harry Potter" geguckt haben soll. Das Video lief noch, als die Einsatzkräfte auftauchten.

Quelle: ntv.de