Leben

Eine Galerie für Geist & Gefühle Coco Charis Schwarz - Raum für Kunst

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"Manzur Kargar- Where are we now?" Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Charis Schwarz.

Ganz Berlin wird wieder auf die Straße gehen - aber nicht, um für Enteignung oder Mietendeckel zu demonstrieren, und auch nicht Greta Thunberg mit #fridaysforfuture wird der Grund dafür sein - nein, es ist die Kunst, die die Menschen auf den Asphalt treiben wird. Das Gallery Weekend in Berlin naht mit großen Schritten, und alle, die sich für Kunst interessieren - und damit sind wirklich ALLE und nicht nur ein paar Auserlesene gemeint - haben Gelegenheit, in Berlins Galerien und Kunstzentren ganz nah ranzukommen an die offensichtlichen und auch an die versteckten Kunstwerke. n-tv.de hat sich schon mal bei Galeristin Corinna *Coco* Charis Schwarz in der Tucholskystraße umgesehen und mit ihr über ihre Leidenschaft, nämlich Galeristin zu sein, gesprochen.

n-tv.de: Liebe Coco Charis Schwarz - es klingt toll: Galeristin. Der Arbeitsplatz ist auch super - eine Galerie. Und die Galeristin mittendrin in der Kunst. Aber wie wird man eigentlich Galeristin?

Coco Charis Schwarz: (lacht) Wenn man in einem vielschichtigen alltäglichen Umfeld kreativer Menschen, Orte und Situationen aufwächst, diese zu übersetzen versucht und daraus später eine Bühne erschafft, also einen Raum aus eigener Leidenschaft heraus für die Kunst und die Persönlichkeiten dahinter - dann kann das durchaus dazu führen, dass man Galeristin wird.

Was war Ihr erster Bezug zur Kunst?

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Corinna "Coco" Charis Schwarz

Der kam ganz früh, bereits aus dem familiären Kontext heraus. Ich bin schon sehr jung hauptsächlich durch meinen älteren Bruder mit Kunst, Mode und Architektur konfrontiert worden. Er hat immer schon gemalt und später ein eigenes Modelabel in Paris gegründet. Und ich habe mich extrem gerne in Ateliers oder an Orten mit Farben und  Materialien aufgehalten.

Sind Sie selbst künstlerisch begabt oder lieben Sie Kunst ganz einfach?

Ich habe selbst Architektur studiert und mich speziell für die Schnittfläche zwischen Kunst und Architektur - für den Entwurf - interessiert. Das hat mich mit einer künstlerischen Sichtweise und Umsetzung von Projekten konfrontiert; und so ist es noch heute.

Welche Kunst, welche Künstler würden Sie sich anschaffen, wenn Sie es sich leisten könnten - koste es, was wolle?

Einen Baselitz!

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Die Hängung - ein Kapitel für sich.

(Foto: CorinnaCharisSchwarz)

Wen haben Sie bisher zum Beispiel ausgestellt?

Oh, schwierig (lacht), es waren doch schon so einige: Zum Beispiel Frank Bauer, Olaf Hajek, Annedore Dietze, Gregor Toerzs, Inna Artemova, Manfred Peckl, Tina Winkhaus und Oliver Mark.

Wen würden Sie gerne in Ihrer Galerie ausstellen?

Daniel Richter. Und Tracy Emin. Und auch unbekannte Künstler!

Wie lernen Sie "Ihre" Künstler kennen?

Die meisten kenne ich schon sehr lange, seit 20, 25 Jahren, und habe sie seitdem auch in ihrem Werdegang, ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit Kunst begleitet. Natürlich lerne ich auch immer wieder neue junge unbekannte Künstler*innen kennen, Berlin ist ja voll von kreativen Persönlichkeiten. Aber ich entdecke immer wieder jemanden, auch auf internationaler Ebene.

Wen stellen Sie zum Gallery Weekend aus?

Ich zeige eine Soloshow von MANZUR KARGAR - WHERE ARE WE NOW? New Paintings. Die Eröffnung ist am 11. April, die Ausstellung geht bis zum 11. Mai. Das Gallery Weekend ist so eine spannende und erfrischende Möglichkeit für jeden Kunstinteressierten, sich durch die Berliner Straßen, Hinterhöfe und Viertel zu bewegen, um in die unterschiedlichsten offenen Galerien zu gelangen. Das ist eine ganz andere und spezielle Form, Kunst im öffentlichen Kontext zu begegnen und zu genießen. Vollkommen anders als auf einer Kunstmesse zum Beispiel. Bei mir in der Galerie wird man mit der intensiven Auseinandersetzung der griechischen Antike, ihrem Schönheitsideal und dem darin enthaltenen Wertekanon, der bis heute in der westlichen Welt Gültigkeit hat, auf malerische Weise konfrontiert werden.

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Sinnlich. Erlebbar. Spannend.

(Foto: CorinnaCharisSchwarz)

Funktioniert Kunst in verschiedenen Städten unterschiedlich?

Die Kunst funktioniert genauso unterschiedlich wie die Städte und Regionen an sich: Berlin hat eine andere Geschichte und dadurch bedingte Energie, die bestimmt prägend wirkt. Im Rheinland, in Köln oder Düsseldorf, ist es wieder anders, weil es dort eine langwierige und interessante Sammlerhistorie gibt. Jedoch reist die Kunst immer mehr um die Welt und wird inzwischen an allen Orten gezeigt.

Was ist der Unterschied, um nochmal auf das Gallery Weekend zurück zu kommen, zwischen einer Galerie in Berlin-West und Berlin-Ost?

Der Unterschied ist, bedingt durch die Geschichte, schon spürbar, inzwischen aber eher durch das Publikum, den Kunstinteressierten, als durch die Kunst selbst. Allerdings hat sich Berlin-Ost auch extrem schnell verändert und die vielen spannenden herausfordernden Nischen geschlossen. Seit längerem gehen viele Galerien wieder nach Berlin-West.

Ist Mode auch Kunst?

Sie hat die Möglichkeit, Kunst zu sein.

Und wie sieht es mit Kunst in der Mode aus?

Da geht natürlich so einiges. Die Schnittmenge zwischen Kunst und Mode kann extrem spannend sein.

Warum ist Kunst wichtig, was macht sie mit einem?

Sie fordert heraus, öffnet den Horizont und weist unterschiedliche Perspektiven auf das Leben. Ich finde sie auf eine gewisse Weise überlebenswichtig, sie ernährt den Geist, die Gefühle, das Sinnliche.

Lieber Bild oder Skulptur?

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Überlebenswichtig für die Sinne!

(Foto: CorinnaCharisSchwarz)

Sowohl als auch (lacht).

Wer sollte in Ihre Galerie kommen?

Na alle, die sich für Kunst interessieren!

Mit Coco Charis Schwarz sprach Sabine Oelmann

MANZUR KARGAR - WHERE ARE WE NOW? New Paintings, Vernissage am 11. April ab 18 Uhr, die Ausstellung geht vom 12. April bis 11. Mai 2019.

Das Gallery Weekend findet nach Ostern, vom 26. bis 28. April in ganz Berlin verstreut statt. Auch einen Abstecher nach Potsdam ins Museum Barberini können Sie mit einplanen.

Quelle: n-tv.de

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