Leben

Aus der Schmoll-Ecke Die AfD hilft gern Witwen in Afrika!

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Kriegen Sie auch öfter mal Mails von Unbekannten?

(Foto: imago images/Westend61)

Erst schickt Brianna rote Herzen, dann bietet Dr. Lucy Viagra an, bevor die krebskranke Frau Solomon darum bittet, ihr zu helfen, 13,5 Millionen US-Dollar in Deutschland anzulegen. So nicht! Unser Kolumnist hat die Betrüger zurückverarscht.

Brianna (Name von der Redaktion ausdrücklich nicht geändert) ist eine treue und freundliche Seele. In der Betreffzeile ihrer Mails sind jedes Mal rote Herzen und kühne Lust-Versprechen. Ich habe nie erfahren, was Brianna genau mit mir vorhatte oder Gutes wollte, denn ich habe keine ihrer Botschaften geöffnet, sondern sie ungelesen gelöscht. Aber sie schreibt mir - frei nach Oli Kahn - trotzdem immer weiter, immer weiter.

Nehme ich meinen Spam-Ordner zum Maßstab, bin ich ein Frauentyp. Dort landen nur Mails von Frauen. Selbst Viagra wollte mir eine Dr. Lucy verkaufen. Neulich erhielt ich eine, die ich in der Hektik meines schreibenden Alltags öffnete. Ich dachte: Fuck! Obwohl der Absender nicht Brianna war, sondern Grace Solomon, 54 Jahre alt, wohnhaft in Afrika. Sie schilderte mir in nahezu perfektem Deutsch ihr Martyrium. "Mein Familiestand/ Witwe und vier Kinder aber mein Ehemann und drei Kinder sind waehrend dem Rebellen-Angriff bei uns in Nord-Kivu in DRC-Kongo ermoerdert. Mein Krankstand ist/ ich bin krank und leide von Lungekrebs."

Immerhin - das ist ja durchaus ein Trost - hat sie von ihrem verstorbenen Gatten, einem Diamantenhändler, 13,5 Millionen Dollar geerbt, die sie mit meiner Hilfe "in Immobilien und Aktien" in Deutschland investieren wollte. "Ihre Beloehnung ist 15%." Mir schoss durch den Kopf: Im nächsten Leben werde ich Diamantenhändler, das lohnt sich. Und als edler Sehr-Gutmensch dachte ich natürlich auch: Die arme Frau Solomon hat nicht nur ein schweres Schicksal zu ertragen, sondern auch voll eine Klatsche, derlei Bullshit zu erfinden, um Leute abzuzocken. Diese Betrugsmasche setzt auf die Dummheit, Gutmütigkeit und Geldgier mancher Leute.

Alternative für Dumbos (AfD)

Ich beschloss: Wer mich so zu verarschen versucht, den verscheißere ich zurück. Und so log ich: "Das ist ja furchtbar. Tut mir sehr leid." Ich stellte Fragen: "Sind Sie in Behandlung? Geht es Ihnen gut? Zum Glück haben Sie das viele Geld und Ihren Sohn", der den Terrorangriff ebenfalls überlebt hat. Aber ich wollte der Frau auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen und schrieb ihr: "Ich bin Mitglied in der Alternative für Dumbos (AfD), eine Organisation, die sich für notleidende Elefanten in Afrika engagiert und sehr gerne Afrikanern hilft, nach Deutschland zu kommen. Möchten Sie nach Deutschland kommen? Die AfD würde sich sehr freuen. 13,5 Millionen US-Dollar sind viel Geld. Was soll ich tun?"

Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass die Erfinder von Grace Solomon wissen, was die AfD ist. Aber ich glaubte, so dämlich können keine gerissenen Betrüger sein, dass sie mir auf diesen Humbug antworten. Denn Google-Translate übersetzt den Quatsch ziemlich exakt ins Englische. Falsch gedacht. Die Ganoven antworten mir. "Sehr geehrter herr Schmoll Herzlichen Dank fuer Ihre Antwort wenn Sie ehrlich sind." Selbstverständlich bin ich das. Sonst wäre ich kein Sehr-Gutmensch!

Über private Dinge gab Frau Solomon nichts preis. Auf mein Angebot, sie mit Hilfe der AfD nach Deutschland zu holen, ging die Witwe nicht ein. Dafür schilderte sie mir ihre Lage noch dramatischer: "Wir sind aus der DRC-Kongo nach Burkina Faso, eine Stadt zwischen Burkina Faso und Elfenbeinkueste gefloehen und zwar wegen der Situation bei uns vor den Viruskrise." Eine beachtliche Leistung für eine Trauernde mit Lungenkrebs. Ach ja, das Geld. Ich konnte mir raussuchen, ob ich "unser Erbe" auf mein Konto überweisen lassen möchte oder: "Das Geld koennte auch per einen Dipomat an Sie in Ihrem Land geliefert."

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Diamonds - not only a girls best friends ....

(Foto: imago/Jochen Tack)

Natürlich entschied ich mich für den Diplomaten, den ich gerne kennengelernt hätte. "Ihr Mann und drei Kinder sind tot - und jetzt müssen Sie auch noch mit Krebs vor dem Virus fliehen. Das ist ja ganz furchtbar." Ja, auch ich beherrsche die Lüge. Ich wollte wissen: "Wie sind Sie auf mich gekommen?" Frau Solomon - ich sah sie vor mir, wie sie mit letzter Kraft in die Tasten haute - mailte: "Ich habe Ihren Kontakt bei dem internationale Information-Auskunft bei uns ausgesucht und Mit der Absicht dass Sie mir dabei helfen koennen." Das klang verdammt überzeugend. Dass es wirklich Leute gibt, die auf diesen oder ähnlichen Unsinn reinfallen, ist erstaunlich.

Nicht Spieler wie Sie!

In meiner Antwort an die "Sehr geehrte Frau Solomon" beteuerte ich nochmals, dass ich sehr gerne helfe, wurde aber - damit mein Schwindel endlich auffliegt, weil ich keinen Bock mehr drauf hatte - noch provokanter. Ich fragte: "Wo haben Sie so gut Deutsch gelernt? Sie können Deutsch fast wie Ihre Muttersprache. Ich dachte immer, Afrikaner sind dumm. Aber Sie offenbar nicht." Auch diese Mail schloss ich mit der Frage: "Möchten Sie nach Deutschland kommen? Die AfD wird sich sehr freuen."

Ich dachte, so sehr können sich nicht mal Ganoven beleidigen lassen. Aber Reibach ist offenkundig wichtiger. "Gruess Gott!", eröffnete meine Brieffreundin ihre Antwort - und zum ersten Mal schrieben die Betrüger die Wahrheit: "Zuerst. Es gibt dumme Leute auf der Erde. In Afrika. EUROPA. AMERIKA." Dann folgte wieder Märchenstunde. "Ich und mein lebendigen Sohn haben Deustch in der Schule. Es gibt auch vielen Deustchenbei uns. Mein Sohn moechte gerne Nach Deutschland Aber Nach dem Ende der Lieferung des Geldes an Sie." Klar, der Junge will ja nicht in Deutschland ohne Geld dastehen und von Hartz IV leben. "Bitte um Ihre Hilfe und Ihre Handy!" Gemeint war die Nummer.

Mir wurde die Sache zu blöd, zu langweilig und ich legte noch einmal kräftig nach, damit die endlich merken, dass ich auch nur Gaga-Zeug erzählte. Ich schrieb: "Ja, das stimmt, das finden wir von der AfD auch, dass es überall dumme Menschen gibt, auch in Deutschland. Deshalb hat sich die Alternative für Dumbos (AfD) umbenannt in Alternative für Dummis. Verstehen Sie das? Ich habe auch gute Kontakte zur Christlichen Dummbrote Union (CDU) und zu den Sozial Pforbildlichen Dödeln (SPD). Sollen die Ihrem Sohn helfen? Oder lieber die AfD? Ich unterstütze Sie. Was muss ich tun? Wofür brauchen Sie meine Handynummer? Wann kommt der Diplomat zu mir und bringt das Geld?"

Nach der Mail rafften es die Ganoven, dass ich sie verscheißerte. Naja, so wirklich auch nicht. Sie wurden unhöflich und schrieben erstmals ohne Anrede: "CDU und SPD sind politischen Parteien in Deutschland. Wir sind nicht Spieler wie Sie." Hahaha, der war gut. Eine letzte Frage hatte ich noch: "Was seid ihr denn dann?" Auf die Mail habe ich nie eine Antwort erhalten. Wahrscheinlich hat der Krebs die tapfere Frau Solomon nun doch hingerafft.

Quelle: ntv.de