Leben

Mach's gut, Marie Kondo Mehr ist jetzt Mehr: Die neue Üppigkeit

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Designer Harald Glööckler hat schon immer üppig dekoriert.

(Foto: imago/HOFER)

Scandi, Botanical, Hygge, Minimalismus, Midcentury, Wabi Sabi oder Lagom - wer sich für Interieur interessiert, kennt diese Trends. Höchste Zeit für etwas Neues - hier kommt der Maximalismus!

Was früher nur für die Mode galt, betrifft inzwischen auch unser Zuhause. Kaum ist ein Trend etabliert, wird auch schon der nächste ausgerufen. Wer soll da noch mitkommen geschweige denn mitmachen? Die Antwort mag überraschen, doch schauen wir uns erst einmal den jüngsten Spross der Wohnfamilie an: die neue Üppigkeit.

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Sie passt ganz hervorragend in diese Jahreszeit, denn wann, wenn nicht jetzt im Herbst sehnt sich der Mensch nach der Gemütlichkeit der eigenen vier Wände? Und üppig ist gemütlich - aber auch sinnlich und überraschend. Maximaler Glamour macht sich nun breit und verleiht ehedem schlichten Räumen den Flair vergangener Zeiten, ohne dabei rückwärtsgewandt zu erscheinen. Die beliebte englische Buchautorin Emily Henson empfiehlt in ihrem aktuellsten Wohnratgeber "Be bold: Interiors for the Brave of Heart": "Decorate like no-one's watching".

Also her mit den Samtstoffen, geschwungenen Sofas, Fransen und Quasten. Elemente wie Federlampen, vergoldete Metalle und expressive Wandfarben enthalten Reminiszenzen an die 50er, die 70er oder die 80er Jahre. Vom Staub der Vorbilder befreit, kommen sie überraschend neu daher. Das gilt genauso für die Tapeten von William Morris & Co, Meistern der Arts and Crafts Bewegung, deren Dekore jetzt gefragt sind wie nie.

Bestehendes einfach ausbauen

Die großflächigen Blumenornamente schließen perfekt an den nach wie vor aktuellen Botanical-Trend an. Auch Hygge und Lagom werden quasi fortgeschrieben und schmücken sich nun zusätzlich mit schweren Vorhängen, Faux-Fur-Kissen und -Plaids. Überhaupt ist es besonders die Stofflichkeit von Samtbezügen, schweren Textilien oder hochflorigen Teppichen, die maßgeblich zur Sinnlichkeit des Trends beiträgt. Anregungen zuhauf bieten die aktuellen Ausgaben von Wohnmagazinen wie das schwedische "Allt i Hemmet", das englische "Livingetc" oder das deutsche "IDEAT".

Neben Sofas, Tischen, Kommoden und Lampen erlebt auch Tafelgeschirr mit Toile-de-Jouy-Muster oder Krüge und Terrinen von Bordallo Pinheiro ein Comeback. Klingt alles ein bisschen zu überladen? Besonders für Einrichtungs-Afficionados, die es endlich geschafft haben, ihr Heim "KonMari-gerecht" auszumisten, mag das befremdlich, ja beinahe bedrohlich klingen. Doch wie bei allem, so ist auch hier einmal mehr die Dosis entscheidend. Wer sich langsam an die neue Üppigkeit herantasten möchte und noch dazu ein Freund von nachhaltigem Konsum und Upcycling ist, der schaut sich am besten im Antiquitätenhandel, beim Trödler, auf Flohmärkten und den einschlägigen Onlineportalen um.

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In Sachen Geschirr, Kerzenleuchtern oder Silberbesteck bergen die Keller und Dachböden der Eltern und Großeltern oft wahre Schätze und wem zwar die Form, nicht aber der Bezug des zerschlissenen Sofas gefällt, der bringe es zum Polsterer und lasse es mit einem schönen Samtstoff neu beziehen. Voilà: Schon bietet die neue Üppigkeit auch noch die Chance, zu erhalten und wertzuschätzen, was ansonsten vielleicht unbeachtet geblieben wäre.

Vom "Fashion Victim" zum "Interior Victim"?

Fehlt schließlich noch die Antwort auf die Frage "Wer soll bei all den Trends überhaupt noch mitkommen?" Niemand, könnte man entgegnen. Denn lange vorbei sind die Zeiten, in denen ein einzelner Trend alles bestimmte - ob in Sachen Mode oder in Sachen Einrichtung. Auf dem diesjährigen Mailänder "Salone del Mobile", der wichtigsten Möbelmesse der Welt, wird das einmal mehr deutlich, denn alles kann - nichts muss. Der schnelle Wechsel von einem Trend zum nächsten umfasst vielmehr eine stetig wachsende Vielfalt. Möbelhändler und Online-Shops halten alles bereit - es liegt ganz beim Kunden, zu entscheiden, ob er sich in seinem Zuhause monothematisch einrichten möchte oder nicht. Viel individueller ist es hingegen, auf die ureigenen Bedürfnisse zu schauen.

Die, die morgens nur 15 Minuten im Bad braucht, richtet es am besten minimalistisch ein. Ein anderer liebt vielleicht das regelmäßige ausgiebige Vollbad am Ende des Tages und würde seine "Nasszelle" als das eigentliche Wohn- und Wohlfühlzimmer bezeichnen. Nur folgerichtig, dass es entsprechend detailverliebt und mit Bedacht ausgestattet wird. Inspiration für wahrhaft mutige Kachelräume liefert eine unterhaltsame House Tour bei den Schwestern Cara und Poppy Delevigne. Isst jemand dagegen am liebsten am kleinen Küchentisch mit Blick aus dem Fenster und hält die Küche für den wichtigsten Ort der Welt, dann braucht er kein formelles Esszimmer, sondern die schönsten Küchenutensilien in einer Fülle und Einzigartigkeit, die ihn im besten Falle auch noch an die Küche seiner Kindheit erinnern.

Freuen wir uns also einfach über die neue Üppigkeit und picken wir uns unsere ganz persönlichen Rosinen heraus.

Quelle: n-tv.de