Leben

"To achieve is to believe" Mit Konrad Bergström im E-Boot

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Soll nicht nur gut aussehen, sondern auch funktional sein: Das X Shore Boot.

(Foto: X Shore)

Konrad Bergström ist in Schweden so etwas wie ein Popstar, ohne je ein Popstar gewesen zu sein. Er war Profi-Surfer, er gründete Zound Industries, er brachte die Kopfhörer Urbanears auf den Markt, ohne die viele Menschen sich inzwischen quasi nackt vorkommen würden, und er ist der Vater der Marshall-Lautsprecher- und Kopfhörer. Was der End-Vierziger in die Hände nimmt, wird zu Gold. Und jetzt eben Elektroboote. Hat er genug von den Geräuschen, die aus seinen Boxen kommen? Oder will er einfach nur etwas tun, damit unsere Kinder und Kindeskinder auch noch erleben, was für eine großartige Angelegenheit die Weltmeere sind? Auf Mallorca trifft n-tv.de den UNOPS-Innovations-Botschafter und spricht mit ihm über X Shore-Elektroboote, die Kraft der Stille und darüber, ob wir es mit einer positiven Grundeinstellung schaffen werden, diesen Planeten vor seinem ärgsten Feind, dem Menschen, doch noch zu retten.

n-tv.de: Was wolltest du als Kind werden, Konrad? Unternehmer?

Konrad Bergström: Nein, ich bin ganz anders aufgewachsen. Mein Vater war Ingenieur und Mathematik-Lehrer und meine Mutter war Theater-Regisseurin. Ich hatte also eine große Bandbreite in meiner Erziehung - von Statistik bis Artistik war alles dabei. Wir waren weder arm noch reich, alles ganz normal. Aber ich habe schon früh angefangen zu arbeiten.

Wie früh?

Mit fünf oder sechs (lacht). Da habe ich angefangen, Bonbons, die man in großen Tüten kaufen konnte, einzeln zu verkaufen.

Das ist eine sehr pfiffige Maßnahme.

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Konrad Bergström, ein Mann mit Weitblick.

(Foto: X Shore)

Ja, oder? Unser Nachbar damals war allerdings Zahnarzt, und der sagte mir, dass dieser Süßkram wirklich schlecht für die Zähne ist. Ich ging nach Hause und überlegte, was ich nun machen sollte, denn meine Geschäfte liefen gut. Ich verkaufte wirklich an jeden, der meinen Weg kreuzte, und jetzt sollte ich damit aufhören?

Was hast du gemacht?

Hinter dem Strand wuchsen Frühlingszwiebeln, also hab' ich die gepflückt. Am nächsten Tag habe ich ihm gesagt:"Hier, garantiert ohne Zucker", das musste er natürlich kaufen.

Verstehe. Nicht nur ideenreich, sondern auch noch ein Verkaufstalent. Und das ging dann immer so weiter?

Ja, ich habe nie viel Zeit oder Energie an Dinge verschwendet, die nicht funktionieren. Manchmal weiß man doch eigentlich von Anfang an, dass es nie etwas werden wird, dann kann man es gleich lassen.

Was glaubst du, ist deine beste Eigenschaft?

Ich denke, dass ich mich ganz gut einschätzen kann, und dass ich auch kritisch mir gegenüber sein kann. Das macht es leicht, sich einzugestehen, wenn etwas nicht läuft. Dann höre ich wirklich auf, selbst wenn ich schon Tausende von Stunden in eine Idee investiert habe.

Du hast eigentlich eine ganz andere Karriere machen wollen, oder?

Ja, nach der neunten Klasse bin ich nach Neuseeland gegangen, um Windsurfing-Profi zu werden. Das hat zwar nicht ganz so gut funktioniert wie ich mir das vorgestellt habe (lacht), aber zumindest hat sich dort meine unendliche Liebe zum Meer etabliert. Und ich habe angefangen, Surfboards zu verkaufen. Und vor allem die Taschen, in die man sein Surfboard packen kann.

Während du viel Zeit mit und auf dem Meer verbracht hast, hast du da beobachten können, dass sich das Meer verändert, dass die Verschmutzung immer größer wurde?

Meine Großeltern kamen aus Fischerfamilien, sie wurden beide auf einer Insel bei Stockholm beerdigt, auf der man nur beigesetzt werden kann, wenn man auf dem Meer gearbeitet hat. Ich will damit nur sagen, dass meine Verbindung zum Meer schon immer sehr stark war, und als ich Windsurfer war, habe ich natürlich die Veränderungen gesehen, die auf dem Meer stattfanden.

Wann ging das los?

Schon recht früh. Aber das ist schwer zu sagen, denn obwohl meine Verbindung zum Meer so groß ist, habe ich früher gar nicht so sehr darauf geachtet. Ich habe wahrscheinlich gedacht, es wird schon alles gut gehen.

Was war am auffälligsten?

Die toten Fische an der Meeresoberfläche und tote Seerobben. Aber das Allerauffälligste war tatsächlich das Plastik, das einfach nicht ins Meer gehört. Es hat ehrlich gesagt eine Weile gedauert, ehe ich darauf reagieren konnte - jetzt jedoch habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr wegsehen und muss handeln. Wir können die Uhr nicht zurückdrehen, aber wenn wir nichts unternehmen, dann ist es irgendwann wirklich zu spät.

Früher hat man die Tüten und den Abfall im Gebüsch hinter dem Strand gesehen, zum Beispiel auf Korsika oder Sizilien. Jetzt wabert oft ein breiter Gürtel voller Mikroplastik an der Küste.

Das ist natürlich belastend für das ganze Ökosystem. Das Mikroplastik gelangt in den Kreislauf, am Ende essen wir unseren eigenen Müll. Es ist aber auch nicht so einfach, Plastik wiederzuverwerten, da kann man riesige Fehler machen. Man kann Öl gut von Wasser trennen, aber Mikroplastik ist eine echte Herausforderung.

Ist es nicht manchmal frustrierend, wenn man an der einen Ecke der Welt versucht, gegen die Verschmutzung anzukämpfen und an anderen Ecken der Welt kümmert es keinen?

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Ein Lenkrad wie in einem SUV, Sitze, die umgestellt werden können, eine Oberfläche aus naturfreundlichem Kork - so sieht ein modernes Boot heute aus.

(Foto: X Shore)

To achieve is to believe (lacht). Es bleibt uns nichts anderes übrig als weiterzumachen und daran zu glauben, dass, wenn wir etwas erreichen wollen, einer ja den Anfang machen muss. Ich jetzt zum Beispiel mit X Shore. Und ich setze ganz klar darauf, dass andere das auch machen. Es ist nicht nur meine Angelegenheit, derjenige mit den Elektrobooten zu sein, ich erwarte geradezu, dass sich ein großer Markt entwickelt, dass andere Unternehmer sagen: "Da ist ja ein Markt für Elektroboote." Es wird eine ganz normale Konkurrenzsituation geben, und das ist gut so. Ich setze darauf, dass Leute in diese Technologie investieren. Mit Zigaretten und Waffen konnte man immer viel Geld machen, aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Zeitgemäß ist Nachhaltigkeit.

Du hast also nicht nur vor, die Welt zu retten, einfach, weil du es kannst, sondern ein finanzielles Interesse.

Ja, natürlich. Und ich denke, wir sprechen mit X Shore gerade genau die richtigen Leute an, denn die superreichen Investoren sind durchaus daran interessiert, in Nachhaltigkeit zu investieren. Energie bedeutet inzwischen einfach: elektrische Energie, daran kommt keiner mehr vorbei. Wir müssen noch besser verstehen, wie wir die Kraft der Natur dazu benutzen können, neue Energie zu gewinnen.

X Shore bewegt sich in einem Luxussegment.

Ja, das ist leider so. Selbst die teuersten Autos sind immer noch günstig im Vergleich zu Booten. Und noch sind wir quasi der Tesla auf dem Meer, wir arbeiten aber daran, der Volkswagen zu werden (lacht).

Es geht ja tatsächlich nicht nur um die Verschmutzung von Wasser und auch Luft, sondern auch um Lautstärke - ein nicht unerheblicher Faktor, auch für die Tiere unter Wasser.

Ja, und stell' dir mal vor, wie ruhig es in Amsterdam oder Venedig auf den Kanälen wäre, wenn dort Elektroboote unterwegs wären (lacht). Unvorstellbar, oder? Wir sehen aber Potenzial. Hotels, die einen Nachhaltigkeitsgedanken haben, wollen auch, dass ihre Gäste mit Booten transportiert werden, die diesen Gedanken fortsetzen, zum Beispiel in Thailand. Noch sind wir nicht so weit, dass wir über Wasser-Taxis nachdenken, aber wir arbeiten mit Partnern zusammen, die daran arbeiten.

Wir müssen wohl ganz schnell und ganz krass umdenken?

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Vollkommen elektrisch betrieben - das gibt ein gutes Gefühl.

(Foto: X Shore)

Ja, und mir ist klar, dass sich das nicht jeder leisten kann. Ich ernte mein eigenes Gemüse, weil ich, seit ich mein erstes Geld verdient habe, in meinen Garten investiere. Aber nicht jeder hat einen Garten. Das war übrigens die beste Idee, die ich je hatte (lacht). Wir müssen uns dennoch viel mehr fragen, wo zum Beispiel unser Essen herkommt, wo unsere Kleidung hergestellt wird.

Du stehst sehr früh auf. Ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Kann sein, aber ich stehe auch so früh auf, weil ich sonst gar nicht alles schaffe. Und ich möchte Sport machen, meditieren, Ruhe haben.

Warum Meditation?

Das habe ich erkannt, je älter ich wurde: Es ist die einzige Zeit, die man wirklich ganz für sich hat. Man trennt sich für eine gewisse Zeit von allem und ist vollkommen in seiner Welt. Ich lade so meine Batterien wieder auf und sehe klarer.

Wir haben nicht mehr so viel Zeit, die Dinge wirklich grundlegend zu ändern – rennt uns die Zeit nicht davon? Geht der Fortschritt nicht zu langsam?

Wir haben's vermasselt, das ist richtig, aber noch besteht die Möglichkeit, das Ruder rumzureißen. Die Natur hat die wunderbare Gabe, sich selbst zu helfen - man darf sie nur nicht noch mehr zerstören. Wir dürfen also kein Salz in bereits offene Wunden streuen, sondern müssen der Welt Zeit zur Heilung verschaffen. Und ja, die Zeit ist knapp, die Herausforderungen sind groß. Aber ich glaube, der Mensch hat verstanden, worum es geht. Und da ich jemand bin, der an das Gute glaubt, denke ich, dass es noch nicht zu spät ist.

Glaubst du an die Jugend?

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Eine Welle machen kann man trotzdem ...

(Foto: X Shore)

Ja, wenn ich Greta Thunberg sehe und was sie ausgelöst hat, dann glaube ich ganz sicher an die Zukunft und an die jetzige Jugend. Was mich schockiert ist allerdings, dass es eine 15-Jährige gebraucht hat, das zu erreichen. Ich bewundere sie, und ich bin sehr enttäuscht von der Politik, die es nicht verstanden hat, Umweltschutz und andere Energieformen zu ihren Themen zu machen.

Wie weit komme ich mit einem X Shore Boot? Und was mache ich, wenn die Batterie leer ist?

Genau dasselbe, was du machst, wenn dein Tank leer ist (lacht). Du rufst jemanden, der dich abschleppt. Wenn du ökonomisch fährst, hält der Akku länger, wenn du "Vollgas" gibst, dann natürlich nicht so lange. Und ehrlich gesagt ist es einfacher, eine Steckdose zu finden als eine Tankstelle (lacht).

Und der nächste Schritt – Elektroflugzeuge?

Ja, natürlich, ich habe Freunde, die daran arbeiten. Der Fortschritt ist zum Glück nicht aufzuhalten.

Mit Konrad Bergström sprach Sabine Oelmann

X Shore wird am 23.-25. Mai auf dem Greentech Festival in Berlin-Tempelhof anzutreffen sein.

Quelle: n-tv.de

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