Leben

Holz und Halt Natürlich will man natürlich wohnen

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Aus alten Kisten werden neue Möbel.

(Foto: imago images/Westend61)

In unsicheren Zeiten suchen Menschen nach etwas Beständigem. Das zeigt sich in der Politik wie in Beziehungen, aber genauso in der Art, wie man sich einrichtet. Manch einer hat die Corona-Zeit genutzt, sein Zuhause natürlicher zu machen. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken.

Als alle im Homeoffice waren - oder sein sollten - tat sich ein neues Phänomen auf. Die Wälder waren voll von Menschen. Und das zu Uhrzeiten, zu denen sonst eigentlich die ersten Morgenkonferenzen in den Büros anstanden. Stattdessen walkten, joggten oder fuhren unzählige Menschen mit dem Rad durch die angrenzenden Forstgebiete und genossen die Ruhe, die frische Luft und den Geruch von Bäumen.

Inzwischen ist das schon wieder vorbei. Aber der Wunsch nach mehr Natur ist vielen geblieben. Eine Freundin berichtete, dass sie ihren gesamten Kaminholzvorrat vom Balkon ins Wohnzimmer geschleppt und dort dekorativ an die Wand gestapelt hat. "Die Maserungen des Holzes, der Anblick des Vorrates, all das gibt mir Sicherheit, beruhigt und erdet mich irgendwie", sagte sie. Und tatsächlich: Googelt man "Holz und Wohnzimmer" wird einem klar, dass die Holzpaneele der 1960er Jahre, die viele schaurig finden, in modernem Look auf einmal ganz anders wirken.

Was steckt dahinter? Wahrscheinlich etwas, was der Bund Deutscher Innenarchitekten schon seit Jahren prophezeit: "Nachhaltigkeit bei der Gestaltung von Innenräumen ist schon heute ein wichtiger Aspekt und wird in Zukunft angesichts der Ressourcenknappheit und des Schutzes unseres Lebensraumes Erde weiter an Bedeutung gewinnen." Klingt ein wenig umständlich, das entsprechende Webinar dazu im Mai war aber schnell ausgebucht. Worum geht es also?

Natürliche Materialien für die Sinne

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Holz machte jede Umgebung sofort ein bisschen wärmer.

(Foto: imago images / Westend61)

Wer irgendwann mal die Chance hat, mit dem blanken Popo abwechselnd auf einem Polypropylen-Teppich und einem aus Wolle zu sitzen, dessen Allerwertester trifft sehr wahrscheinlich schnell eine Wahl. Diese Wahl ist auf den ersten Blick teurer, auf den zweiten Blick aber umweltschonender und eben auch langlebiger. Der Wollteppich soll es sein. Als ob der Hintern wüsste, dass es extra für Teppiche gezüchtete Schafe gibt, deren Wolle das Sitzen erleichtert. Genauso kann es sich mit Möbeln verhalten.

Ein Tisch einer bekannten schwedischen Marke mag günstig sein, nach dem dritten Umzug aber vielleicht nicht mehr so langlebig, wie es die Werbung verspricht. Der massive Holztisch vom Schreiner aber, aus FSC-zertifiziertem regionalen Holz gebaut, hält ein Leben lang. Ein Leben lang - wollen wir das? Klingt das nicht nach Biedermeier, nach goldener Kommunion-Uhr, nach Muff und Langeweile?

Ja und nein. Wichtig ist, dass das Möbel mitlebt. Dass es wandlungsfähig ist. Und das heißt in den meisten Fällen, dass es schlicht ist, sich nicht aufdrängt. So ein Tisch mit passender Holzbank zum Beispiel kann sich jedem Stil des Bewohners anpassen. Mit Vintage-Vasen und frisch gepflückten Sommerblumen den Landhaus-Stil unterstreichen. Oder mit einem abstrakt anmutenden Kerzenleuchter in Knallfarbe einen asketischen, modernen Look annehmen. Die kleinen Details machen den Unterschied, der Tisch ist die Bühne, die immer neu gestaltet werden kann.

Upcycling statt Neukauf

Zur Nachhaltigkeit gehört der Gedanke des Wiederverwendens unbedingt dazu. Muss es immer neu sein? Kann man nicht auch aus alten Dingen neue und vor allen Dingen sehr originelle Dinge kreieren? Die Obstkisten - geschenkt - sind ein alter Hut. Welcher Student hatte sie nicht? Aber man könnte auch eine Lampe aus einem alten Farbeimer zur Lichtquelle umgestalten. Wie man das macht, kann einem inzwischen glücklicherweise jeder Baumarkt-Mitarbeiter erklären. Die richtigen Kabel gibt es gleich dazu. Vielleicht nicht gerade samstags vormittags.

Etwas komplizierter verhält sich mit einer Kommode aus Überresten diverser Vorgänger. Das ist eher etwas für den Profi. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: So ein Stück hat nichts mehr mit Biedermeier zu tun. Und vereint gleich drei tolle Eigenschaften: Es ist langlebig dank des wunderbaren Holzes. Es ist originell und wird so kein zweites Mal existieren. Und es verwertet Teile von anderen Stücken wieder, die sonst womöglich im Müll gelandet wären.

Gesund und im Einklang mit der Umwelt

Zurück zum Allerwertesten. Das Gefühl, dass Holzfußboden angenehmer ist als PVC, ist tief im Menschen verankert. Dass nachwachsende Rohstoffe bei Textilien uns näherkommen dürfen. Dass Farben, die beim Verarbeiten keine gefährlichen Lösungsmittel von sich geben, ein besseres Raumklima schaffen. Es geht aber nicht nur um den Einzelnen. Irgendwann, wenn die Schlagzeilen um Corona abebben, werden wir wieder mehr über den Klimawandel reden. Greta wird sich zurückmelden. Und schon kann der Wunsch nach einer intakten Erde uns darin beflügeln, auch zu Hause an die Natur zu denken. Ressourcenschonend einzukaufen. Das hat nichts mehr mit dem Öko-Image der Achtziger zu tun, sondern mit einem Aufbruch in ein neues Lebensgefühl.

Ein weiterer Grund: Es ist ziemlich schick. Und es führt dazu, dass ruhige Farben, Formen und Materialien zu Hause dafür sorgen, dass wir entspannt sind. Manchmal reicht schon ein schön arrangierter Korb oder ein cremefarbener Sofa-Überwurf aus edlem Material. Außerdem ist da immer noch der Wald. Die Sommerferien locken, die Wälder sind schattig und das sogenannte "Waldbaden" ist inzwischen sogar therapeutisch anerkannt.

Quelle: ntv.de