Leben

Nachhaltiger und komfortabler Möbeltrends in Zeiten von Greta

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Nachhaltig kann auch langlebig bedeuten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie nachhaltig sind eigentlich Möbel? Das fragen sich inzwischen immer mehr Menschen. Aber praktisch und gemütlich soll es natürlich auch sein. Die Möbelhersteller stellen sich auf diese Ansprüche ein, einen Vorgeschmack gibt die IMM in Köln.

Komfortabel, schick, raumoptimiert und vor allem nachhaltig. So sieht modernes Wohnen im Jahr 2020 aus. Auf der internationalen Einrichtungsmesse IMM Cologne in Köln kann man die wichtigsten Trends bereits sehen.

Nachhaltiges Wohnen

Beim Gang durch die Messehallen fällt besonders ein Material ins Auge: Holz. Der Werkstoff erlebt eine Renaissance. Mal ist es unbehandelt, mal grob behauen oder mit starker Maserung. Komplette Stämme werden als Tischbeine genutzt und Eichenrinde hinter verglasten Hochschränken in Szene gesetzt.

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Das Holz kann und soll man jetzt wieder sehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Diese Zurschaustellung ist kein Zufall. Immer mehr Kunden interessieren sich dafür, wie nachhaltig die Möbelstücke sind, die sie erwerben wollen. Die Nachfrage nach natürlichen Materialien wie Holz, Filz oder Baumwolle steige, sagt Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie ntv.de: "Das sind Themen, die jetzt einfach mehr nachgefragt werden, weil die Leute weg wollen von Kunststoffen oder von komischen Verbindungen, die am Ende auch nicht mehr recycelbar sind." Waren bislang eher Kleinteile aus Holz, geht es nun um sichtbare Elemente wie hölzerne Rückwände an Sofas oder Armlehnen an Sesseln.

Die Hersteller werben längst auch mit ihren Nachhaltigkeitsstrategien. Hartmann, ein Produzent aus Nordrhein-Westfalen, verwendet beispielsweise nur Holz aus der Region und pflanzt für jeden abgeholzten Baum einen neuen. Demnächst sollen Kunden sogar GPS-Koordinaten von dem Ort erhalten, wo der Ersatzbaum für das verwendete Material gepflanzt wurde. Der Strom für die Produktion wird mit einer Photovoltaikanlage produziert, geheizt wird mit Holzabfällen. Die Euro Comfort Group, ein Matratzen-Produzent aus Österreich, verspricht, dass ihre Matratzen zu 100 Prozent klimaneutral hergestellt wurden, nur aus natürlichen und recycelten Materialien. Der Rohstoff für das verwendete Garn sind beispielsweise Plastikflaschen. Viele Firmen betonen auch die Langlebigkeit ihrer Produkte.

Effizientes Wohnen

Angesichts steigender Mieten und vermehrt kleiner Wohnungen ist gerade in den Großstädten der Bedarf nach platzsparenden Einrichtungselementen groß. Besonders angesagt sind deshalb Möbel, die auf unterschiedliche Raummaße anpassbar und variabel einsetzbar sind. Bei einem Sofasystem kann man beispielsweise Rückwand und Armlehnen als Regal nutzen. Zum effizienten Wohnen gehört auch das Leben auf einer zweiten Ebene - das Hochbett wird wieder hip.

Für den Arbeitsplatz zu Hause gibt es einen neuen Ansatz: ein Schreibtisch ohne Tischbeine, der per App gesteuert werden kann und der mit an der Decke verankerten Kabeln verbunden ist. "Unser Schreibtisch verbraucht genau null Quadratmeter in der Wohnung, wenn man ihn nicht mehr benötigt. Wenn man ihn wieder braucht, kann man ihn wieder runterfahren lassen und hat einen Arbeitsplatz, selbst in der kleinsten Wohnung", sagt Florian von Heißen von "Floating Office". Der Schreibtisch soll nur ein Anfang sein, ein hochziehbarer Wäscheständer und ein Bett sollen folgen.

Ein anderes Beispiel ist eine ausfahrbare Sauna. Schiebt man sie zusammen, ist sie lediglich 60 Zentimeter tief und erinnert an einen Schrank. Andere Aussteller zeigen Armaturen, die sich um 90 Grad abkippen und damit ins Spülbecken versenken lassen. Darüber kommt ein Holzbrett und schon wird die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar.

Komfort-Wohnen

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Mit 70 Jahren ändert sich der Geschmack nicht mehr völlig.

(Foto: Koelnmesse/immcologne/Harald Fleissner)

Die Bevölkerung wird immer älter, der Bedarf an altersgerechten Möbeln steigt also. Bisher hatten die Anbieter allerding ein Problem: Für Senioren zu bauen, galt als unsexy. Entsprechend sah man bei der IMM Cologne kaum altersgerechte Möbel wie verstellbare Sessel oder Betten mit höherem Einstieg.

Jetzt laufen die neuen, schöneren Senioren-Möbel unter einem neuen, attraktiveren Begriff: Komfort-Wohnen. Die Umbenennung ist ein voller Erfolg. Firmen achten bei altersgerechten Möbel jetzt mehr auf die Optik. "Früher hatte man ja diese Sessel, die man eigentlich gar nicht so schön fand. Und da hat sich die Formensprache verändert. Sie werden kleiner, filigraner und eigentlich so schön, dass ich mir auch mit 70 einen kaufen kann", so Trendexpertin Geismann. Die Möbel sind durchaus generationsübergreifend interessant. Zum Beispiel ein schicker Sessel, den man per Knopfdruck in eine bequeme Liegeposition bringen kann.

Quelle: ntv.de