Leben
Coach - oder Manager - Jürgen Klopp: Sympathieträger und Fußball-Englisch-Experte.
Coach - oder Manager - Jürgen Klopp: Sympathieträger und Fußball-Englisch-Experte.(Foto: imago/ActionPictures)
Samstag, 30. Juni 2018

Der Denglische Patient: Vergesst Fußball - let's talk football!

Eine Kolumne von Peter Littger

WM-Zeit ist Englischzeit - vor allem, wenn (bis auf die halbe Schweizer Mannschaft) kein deutschsprachiges Team mehr mitspielt. Doch wie sagt man das alles auf Englisch: Anstoß, Handspiel, Schwalbe, Schiri?

Wer überhaupt noch Lust hat, rauszugehen und über Fußball zu sprechen, dem wird rasch auffallen, dass sich ein bisschen Englisch lohnt. Schließlich war die Wahrscheinlichkeit noch nie größer, auf Fans zu treffen, die kein Wort Deutsch sprechen - und selbst mit Schweizern ist das ja manchmal so eine Sache.

Zunächst sollten wir uns für solche Situationen überlegen, wie wir über die deutsche WM-Pleite reden wollen - make sure how you want to talk about Germany's defeat:

  • Option 1: Gar nicht! Und falls man gefragt wird, höchstens mit einem Wort: "Peter, how was it for you?" Antwort: "Excruciating!" Das bedeutet: "qualvoll, unerträglich, entsetzlich, fürchterlich, schmerzhaft, quälend, scheußlich, schauderhaft".
  • Option 2: Sich dumm stellen – feigning ignorance: "Football? I prefer table tennis."
  • Option 3: Mit Allgemeinplätzen wie "You cannot always win." Aber Vorsicht: Das wirkt schnell arrogant. Besser vielleicht: "Everyone needs a rest once in a while."
  • Option 4: Mit Ehrlichkeit und einem Schuss Demut – with honesty and a degree of humility: "The German team lost their winning streak" – die Glückssträhne ist vorüber, womit man ja gleichzeitig einräumt, dass Glück immer ein entscheidender Faktor ist und sich der neue Weltmeister bloß nicht zu viel einbilden sollte.
  • Option 5: Mit Selbstironie, der sogenannten "self-deprecation". Diese ur-britische Form der Kommunikation ist uns denglischen Patienten zwar nicht angeboren, sie kann aber erlernt werden, wie Jürgen Klopp immer wieder in entwaffnender Weise demonstriert. So bezeichnete er sich selbst vor drei Jahren als "the normal one", um jeden Verdacht auszuräumen, er könne sich für etwas Besseres, einen "special one" halten. Flugs wurden T-Shirts mit diesem recht speziellen Ausspruch bedruckt. Wer hätte damals gedacht, dass schon mit der nächsten WM eine Zeit kommen würde, in der die gesamte Nationalmannschaft und Millionen Fans genau diesen Satz vor sich hertragen sollten: We aren’t special any longer – we are the normal ones!

"Football is no wish concert"

Apropos Jürgen Klopp: Seitdem er den FC Liverpool trainiert, erlebt "English made in Germany" eine Hochkonjunktur im englischsprachigen Fußball-Alltag. Während seiner Pressekonferenzen kann die Öffentlichkeit miterleben, welche Fortschritte er sprachlich macht. So weiß er mittlerweile, dass Krisenbewältigungsformeln wie "football is no wish concert" oder "one comes to the other" die Krise nur verschlimmern. Verständlich wäre: "Football is no picnic" und "Misfortune seldom comes alone". Einen großen Lernerfolg bildete das Wort "hamstring" – übersetzt ist das der hintere Oberschenkelmuskel. Nach einigen Verletzungen desselben im Liverpooler Team erklärte Klopp vorletztes Jahr: "It's the shitword of the year for me."

Doch kommen wir zum Spiel selbst, damit Sie bis zum WM-Finale ein bisschen mitreden können, wenn Sie in der Kneipe oder auf der Fanmeile mit Brasilianern, Portugiesen, hoffentlich Belgiern und wer weiß, vielleicht den Engländern fiebern. Vieles ist ganz leicht:

Anstoß - kickoff
Ecke - corner
Mauer - wall
Freistoß - free kick
Und auch das englische Abseits ist den meisten bekannt: offside.

"Handball" ist was anderes

Schwieriger wird es beim "Handspiel", das wir Deutsche gerne zum "handplay" oder "handgame" machen. Das klingt allerdings mehr nach "Fingern", also einer sexuellen Betätigung. Tatsächlich wurde Maradona 1986 aber bloß durch "handball" berühmt. Also genau genommen eine andere Sportart.

Maradona selbst war nicht Torhüter (keeper) oder Abwehrspieler (defender), sondern ein Mittelfeldspieler (midfielder), der gerne stürmte. Das machte ihn allerdings nicht gleich zum "stormer", wie manch denglische Patienten achtlos sagen. Der "Stürmer" wird als "striker" übersetzt. Und der Ersatzspieler? Er wird "substitute" oder kurz "sub" genannt. Als "Ass im Ärmel", so wie Mario … - ach lassen wir das - nennt man ihn auch "super sub".

Solche Asse sollten besondere Tricks beherrschen:

Tunneln - nutmegging
Fallrückzieher - "bicycle kick", "overhead kick" oder "scissors kick"
Hackenschuss - back-heel kick

Verlängerung, Nachspielzeit, Elfmeterschießen

Bleibt die verständliche Kommentierung das Spielverlaufs, zum Beispiel "one-nil", "two-nil", "two-one", "two-two". Endstand - the final score. Bei einem 2:2 spricht man von einem "draw". In der K.-o.-Phase kommt es dann Verlängerung: der "extra time", die nicht mit der Nachspielzeit zu verwechseln ist: "additional time", "injury time" oder "stoppage time". Wenn das nicht reicht, folgt das Elfmeterschießen. Hier kann es auch - rein sprachlich - noch einmal heikel werden: jedenfalls wenn wir Deutschen ein "shooting" erwarten. Das wäre eine Schießerei. Man sagt hingegen "penalty shootout". Alles andere wäre viel zu unsportlich - sogar in Russland.

Vorsicht ist übrigens auch mit dem Schiedsrichter ("referee") geboten, den man auf keinen Fall mit einem Flüchtling ("refugee") verwechseln darf. Die deutsche Kurzform "Schiri" findet im "ref" ihre Entsprechung. Er "schiedsrichtert": "he referees". Oder "he blows (the whistle)", zum Beispiel "for a foul". Oder "for a dive". Also ein vorgetäuschtes Foul: die Schwalbe.

Die andere Position, die nun bei uns mit Jogi Löw auf dem Spiel steht, ist die des Trainers. Da "trainers" im Englischen Turnschuhe sind, spricht man vom "coach", was als "team coach" allerdings der Mannschaftsbus ist. Unmissverständlich ist "manager". Womit wir wieder bei Jürgen Klopp sind: "Liverpool's manager". Seine wichtigste Botschaft für die Jugendlichen auf deutschen Bolzplätzen lautet: Seht her, Englischlernen lohnt sich: Ich werde damit (meistens) verstanden! Und wenn er doch mal wieder Sentenzen vom Stapel lässt, die kein Engländer versteht, fragt er vorbildlich selbstkritisch, wenn auch grammatikalisch daneben: "Is my English that worse?"

Dear Ladies and Germans, liebe Denglische Patienten! Wenn Ihnen noch mehr wichtige Fußballvokabeln und Missverständnisse einfallen, schreiben Sie mir wieder.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de