Reise

Auf See gegen die Drogen Segel setzen statt Jugendknast

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Franziska Krafft steuert das Boot und wagt ein Abenteuer.

(Foto: privat)

Jonas ist drogensüchtig und kriminell. Wenn kein Wunder geschieht, muss der 16-Jährige sogar in den Jugendknast. Doch seine Mutter kämpft gegen das Jugendamt und nimmt ihren Sohn mit auf einen Segeltrip, der ihn von den Drogen abbringen soll.

Franziska Krafft ist verzweifelt: Ihr minderjähriger Sohn Jonas lebt seit drei Jahren nicht mehr bei ihr in Österreich, sondern in Frankfurt. Dort wird er drogensüchtig und finanziert Haschisch und Co durch kriminelle Aktivitäten, dealt sogar selbst. Die Aussichten könnten für ihn kaum schlechter sein. Er steht kurz davor, für längere Zeit in Jugendhaft zu gehen. Es gibt für ihn nach mehreren Wochen des medizinischen Entzugs keinen weiteren Therapieplatz. Wenn er keine weitere Einrichtung findet, muss er einsitzen. Dann hat seine Mutter, die mit weiteren zwei Kindern in einem österreichischen Bergdorf lebt, eine Idee: Sie will mit ihrem Sohn über Ost- und Nordsee segeln, ihn ablenken und von den Drogen abbringen. Krafft ist begeisterte Seglerin, ihr Sohn kennt sich damit allerdings nicht aus. Doch für das Familienprojekt muss sie erst einmal das Jugendamt überzeugen.

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Auf dem Boot "Kaimana" reist die Familie wochenlang.

(Foto: privat)

Aus ihrer Sicht ist es die einzige Chance: "Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Wahl. Dass es geklappt hat, haben wir auch Schutzengeln zu verdanken", sagt Franziska Krafft heute. Ihre Erlebnisse verarbeitet sie in ihrem Buch "Wendemanöver". Sie beschreibt darin, wie sie ihren Sohn auf der Reise von den negativen Einflüssen der Außenwelt abschottet und ihm gleichzeitig auch eine Freiheit gibt, die er im Jugendknast eben nicht hätte. Dem Jugendamt schreibt sie regelmäßige Mails und berichtet über den Gesundheitszustand von Jonas. Es ist eine Reise unter ständiger Kontrolle bei gleichzeitiger Freiheit.

Auf engem Raum zusammen

Auf dem kleinen Segelschiff "Kaimana" fährt Krafft mit ihren Kindern, ihrem Vater und anderen Gästen. Die Crew wechselt alle paar Wochen. Nur Jonas bleibt die ganze Zeit an Bord und hat Zeit zum Nachdenken. Viele Gedanken macht sich auch Franziska Krafft.

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Mutter und Sohn kämpfen auf der Reise gemeinsam.

(Foto: privat)

Zweifel habe sie schon gehabt, doch diese habe sie vor dem Reiseantritt gar nicht mehr zugelassen, erklärt die Mutter n-tv.de. "Ich war davon überzeugt, dass das unsere einzige Chance ist. Scheitern hatte ich gar nicht in Betracht gezogen. Die Bedenken der anderen habe ich ignoriert. Als wir an Bord waren und losgefahren sind, war ich mir sicher: 'Jetzt haben wir es geschafft'." Am Anfang ist der Sohn müde und matt. Seine Mutter versteckt Medikamente in den hintersten Ecken des Bootes und gibt sie dem Sohn nur dann, wenn es unbedingt nötig ist.

Zur Überraschung von Franziska Krafft meistert er sogar heikle Situationen: "Er ist aufmerksam und wach gewesen und hat etwas entdeckt, das für uns alle eine potenzielle Gefahr hätte sein können. Und er hat mich, den Captain, schnell darüber informiert. Wer hätte das noch vor wenigen Wochen gedacht", schreibt Krafft. Es handelt sich nur um ein paar Quallen und keine wirkliche Gefahr, doch die Mutter ist froh, dass ihr Kind handlungsfähig zu sein scheint. Das war nicht die ganze Zeit so, wie sie berichtet.

Am Anfang noch lethargisch

"Am Anfang war er von den Medikamenten noch ganz lethargisch, da konnte er an Widerrede gar nicht denken. Später wurde er aktiver. Wir waren in Kopenhagen sogar im Christiania-Viertel, wo auf der Straße Haschisch verkauft wird", erklärt die Mutter. Auch diese Situation übersteht Jonas.

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Für die große Grundsatzdiskussion und Eigentherapie ist an Bord kein Platz: "Ich bin ja Mama und keine Therapeutin. Ich habe ihn so genommen, wie er ist. Wenn es solche Momente gegeben hat, habe ich ihn in den Arm genommen und ihm gesagt: 'Ich habe dich lieb und wir schaffen das schon'." Mit diesem pragmatischen Ansatz scheint das zuvor Unmögliche zu gelingen.

Trotz aller Zweifel und Bedenken segeln sie erfolgreich über Ost- und Nordsee. Von Deutschland über Dänemark bis in die Niederlande. Und Jonas, der Junge, der eben noch in der Entzugsklinik war, schaut sogar in die Zukunft. Seine Mutter spricht nicht über die Vergangenheit, sondern versucht die Gedanken ihres Sohnes ins Positive zu drehen: "Wir haben darüber gesprochen, wie schön das Leben sein kann. Dass man eine gute Ausbildung haben muss, wenn man beispielsweise mit einem größeren Schiff reisen möchte. Geld verdienen und nicht klauen." Krafft glaubt, dass das ein Prozess ist, den er sein Leben lang durchlaufen werde. Erstmal zählt: Jonas haut nicht ab, bleibt an Bord und ist drogenfrei.

Nach der Reise nimmt Krafft ihren Sohn wieder mit nach Österreich. Alle drei Kinder leben bei ihr. Jonas besucht eine Handelsschule. Der Kampf gegen die Drogen geht immer noch weiter. Franziska Krafft ist dennoch optimistisch: "Er war wie ein verlorenes Kind und jetzt ist er wieder dabei." Den großen Kampf mit dem Jugendamt und gegen alle Kritiker würde sie jederzeit wieder ausfechten: "Ich finde es total normal, dass Eltern für ihre Kinder kämpfen. Und zwar mit allen Mitteln, die sie zur Verfügung haben. Wir haben die Dinge gemeinsam abgemacht und deswegen hat es funktioniert."

Quelle: n-tv.de

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