Unterhaltung

Nach rassistischem Tweet Becker erstattet Strafanzeige gegen Maier

imago70352424h.jpg

Ist nach eigener Aussage nicht wütend auf Jens Maier: Noah Becker, der Sohn von Boris Becker.

(Foto: imago/Future Image)

Der geschmacklose Tweet des AfD-Abgeordneten Maier über Noah Becker könnte bald auch die deutsche Justiz beschäftigen: Der 23-Jährige hat Maier angezeigt. Letzterer zeigte sich zuletzt reumütig - doch auf eine Unterlassungsaufforderung hat er nicht reagiert.

Noah Becker geht nach dem rassistischen Tweet auf dem Account von AfD-Politiker Jens Maier juristisch gegen den Bundestagsabgeordneten vor. Bereits am vergangenen Mittwoch sei gegen Maier "wegen aller hier in Betracht kommender Delikte" Strafanzeige erstattet sowie Strafantrag gestellt worden, teilte Beckers Berliner Anwalt Christian-Oliver Moser mit. Die AfD will an diesem Montag über den Fall beraten.

*Datenschutz

Nach Angaben von Beckers Anwalt Moser wurde Maier zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert, "um eine derartige rassistische Beleidigung in Zukunft auszuschließen". Die für Freitag gesetzte Frist habe dieser aber "ohne jede Reaktion" verstreichen lassen. Daher werde man "zeitnah auch die Zivilgerichte bemühen". Noah Becker selbst reagierte in einem Interview gelassen. "Ich bin nicht wütend auf Jens Maier, weiß nicht einmal, wie er aussieht", sagte er dem "Vice"-Magazin.

Über Maiers Twitter-Account war vor wenigen Tagen in Richtung Noah Becker der Satz gepostet worden: "Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären." Der Kommentar bezog sich auf ein Interview. In diesem hatte Noah Becker erklärt, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine "weiße Stadt", er selbst sei wegen seiner braunen Hautfarbe attackiert worden. Becker hat ein Maler-Atelier in Berlin, arbeitet als DJ und ist Mitglied einer Band.

Becker zweifelt an Maiers Ausrede

Der rassistische Kommentar wurde später gelöscht. Maier erklärte, nicht er selbst, sondern ein Mitarbeiter habe die Zeilen verfasst. Der sächsische AfD-Bundestagsabgeordnete sprach von einer "Panne", dem twitternden Mitarbeiter habe er eine Abmahnung erteilt. Bei Becker wolle er sich entschuldigen. Dennoch gab es auch in der AfD Rücktrittsforderungen an Maier, der als Vertreter des rechtsnationalen Parteiflügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke gilt. "Wenn wir das tolerieren, geht es zu weit", sagte Parteichef Jörg Meuthen.

Tennislegende Boris Becker bezweifelte in einem Gastbeitrag in der "Welt am Sonntag", dass ein Mitarbeiter den rassistischen Tweet abgesetzt hat. "Das tun sie bei der AfD doch immer, das ist ihre Masche. Irgendetwas in die Welt setzen und sich dann davon distanzieren." Rassismus dürfe nicht länger hingenommen werden. "Damit muss endlich Schluss sein! Bei diesem Thema gibt es keine Grauzone."

Auch der Chef des Deutschen Richterbundes, Jens Gnisa, geht von einer "kalkulierten Provokation" aus und bezeichnete den Tweet in der "Bild" als "unerträglich und völlig inakzeptabel". Maier arbeitete vor seinem Einzug in den Bundestag als Zivilrichter.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa