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Reich und durchtrieben Bei "Revenge" rollen Köpfe

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Madeleine Stowe, Joshua Bowman und Emily VanCamp bekämpfen sich in der Serie "Revenge", bis Blut fließt.

(Foto: REUTERS)

Es wird wieder geprügelt. "Revenge" zeigt, wozu jahrelanges Intrigen-Spinnen teuer gekleidete Strand-Elite macht: zu Mördern zum Beispiel. Staffel drei endet mit zwei bis drei Leichen und einer Enthüllung, die eigentlich niemand mehr erwartet hat.

Im Kosmos von Geld und Macht ist kein Platz für ein Happy End. Jedenfalls nicht für die Charaktere der US-amerikanischen Fernsehserie "Revenge" ("Rache"). Jahre nachdem ihr Vater wegen eines Verbrechens sterben musste, das er nie begangen hat, kehrt Amanda Clarke unter dem Namen Emily Thorne an den Ort ihrer Kindheit zurück: die Hamptons. Wo sich die Reichen und Schönen New Yorks am Wochenende mit Champagner zuprosten, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, den Namen ihres Vaters, David Clarke, reinzuwaschen. Die, die ihn einst ans Messer lieferten, stehen bei Emilys Rachefeldzug ganz oben auf der Abschussliste: Conrad Grayson und seine Frau Victoria.

Das alles ist nun drei Staffeln her. In der Nacht wurde in den USA das Finale der aktuellen Staffel ausgestrahlt. Unter dem wenig glamourösen Titel "Exekution" trennten sich die Macher der Show von einem der liebsten Protagonisten. Andere wanderten in die Klapse, aus dem Knast oder auf die Polizeiwache. Bei "Revenge" kann man langsam den Durchblick verlieren. Nicht nur, weil hier in klassischer Soap-Manier irgendwie jeder schon mal mit jedem im Bett war, sondern, weil auch den nobelsten Charakteren mittlerweile der Anstand flöten gegangen ist. Beim Staffelfinale hängt über jeder Szene das Damoklesschwert eines unvermittelten Angriffs und der kommt auch - mehrmals.

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Emily VanCamp spielt die rachsüchtige Amanda Clarke alias Emily Thorne.

(Foto: ABC)

Es lässt sich nicht bestreiten: Die Show, die das Netzwerk ABC einst als Königin der Intrige ins Rennen schickte, hat an Fahrt verloren. Wo die erste Staffel noch Folge für Folge listig ein Opfer forderte, verstrickte sich das Format zunehmend in wirren Verschwörungstheorien - so sehr, dass nicht einmal mehr die großartige Madeleine Stowe als eiskaltes Über-Socialite oder Gabriel Man als Computer-Genie im bunten Maßanzug überzeugen konnte. Je dumpfer die Tücke, umso glanzloser die Küsten-Elite. "Revenge" brauchte einen Neustart, aber so einen?

Achtung Spoiler!

Es darf wohl als Wagnis gesehen werden, treue Fans derart an der Nase herumzuführen. In der letzten Episode von Staffel drei wird enthüllt: David Clarke ist gar nicht tot. Plötzlich steht er da im schwarzen Kapuzenpullover auf dunkler Straße, rammt seinem Gegenspieler Conrad Grayson das Messer in den Bauch. Da hat sich jemand aber ganz schön Zeit gelassen mit seiner Rückkehr. Soll seine geliebte Tochter etwa Jahre ihres Lebens auf einen Feldzug verschwendet haben, der nun im Grunde ziemlich unsinnig war? Ein bisschen scheint es, als hätten die Autoren von "Revenge" die letzte, ganz große Keule geschwungen, um die Show wieder auf Kurs zu bringen.

Gut, dass ABC bereits eine vierte Staffel bestellt hat. Die muss nun beweisen, dass "Revenge" nicht umsonst geopfert hat. Damit die Wiederkehr ihres Vaters Emily nicht allzu gefühlsduselig werden lässt, mussten die Macher der Serie ihr etwas nehmen, was sie auch in Zukunft mit gleichem Antrieb lächelnd wie prügelnd Existenzen vernichten lassen würde: ihren Komplizen, Freund und Liebhaber Aiden Mathis.

Nachdem die Gruppe um Emily in der vorigen Folge bereits Conrad hinter Gitter manövriert hat, wenn auch nicht für lange, knöpfen sie sich Victoria vor. Die ist bereits zerfressen von Misstrauen gegenüber Emily. Nicht völlig zu Unrecht, schließlich hat die Blondine ihr Söhnchen monatelang an der Nase herumgeführt und mit einer erfundenen Schwangerschaft vor den Altar getrieben. Und ohne Emilys Zutun wäre sicher auch der Verlobte nicht hops gegangen. Da kann man deren Liebsten schon mal etwas Gift in den Tee mischen. Der kann es nicht glauben, als sein Körper gelähmt zusammensackt. Victorias Blick ist tot, als sie ihm das Kissen aufs Gesicht drückt, bis er sich nicht mehr bewegt.

Dass Conrad als Priester seiner Zelle entkommt, Emilys Halbschwester und Grayson-Tochter Charlotte im gutmütigen Barbesitzer Jack ihren Entführer erkennt, Emilys Ex-Mann Daniel Grayson neben einer totgekoksten Halb-Nackten im Hotelzimmer aufwacht, ja, und auch, dass Emily Victoria nicht nur eine Schaufel überzieht, sondern sie gleich auch in eine psychiatrische Anstalt einweist, verblasst hinter dem neuen Machtgefüge. Charaktere, bündelt euren Hass und lenkt ihn um. An den weißen Stränden der Hamptons ist der letzte Kopf noch nicht gerollt. "Revenge" hat mit dem Finale von Staffel drei alles auf eine Karte gesetzt - kann klappen, muss es aber nicht.

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Quelle: n-tv.de

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