Unterhaltung

Zum Tod von Michael Jackson Bekenntnisse eines Fans

Die erste SMS kam um 00:45 Uhr: Michael Jackson ist tot! Seitdem steht mein Telefon nicht mehr still. Gut, das weltweite gemeinsame Trauern haben wir mit Lady Di gelernt, aber den Zusatz: "Alles ok mit Dir?" versteht man nur, wenn man weiß: Ich war mal der größte Fan des King of Pop. Ja. Ich war das.

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Michael, thank you for the music ...

(Foto: Reuters)

Vor 15, na gut, fast 20 Jahren haben Michael und ich viel Zeit miteinander verbracht. Ich hörte die Musik, im Fernsehen liefen die Musikvideos und mein großer Bruder fuhr meine beste Freundin und mich zur "HIStory Tour". Während meine Klassenkameraden mit der Zeit allenfalls noch auf Prince, aber noch mehr auf Nirvana oder die Red Hot Chili Peppers standen, blieb ich beim King of Pop. Das brachte mir in unserem Abi-Jahrbuch die Prognose ein, irgendwann mal als Mrs. Michael Jackson zu enden. Meine Mutter war entsetzt. Ich beneidete aber heimlich die Verena, der in demselben literarischen Machwerk bescheinigt wurde, später mal gute Chancen als Michaels Tanzlehrerin zu haben. So tanzen können wie Michael, oder wenigstens wie Janet, ja, das war auch mein Traum.

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... the steps ...

(Foto: REUTERS)

Mit den Jahren lebten der King of Pop und ich uns jedoch auseinander. Mein Musikgeschmack entwickelte sich mit kurzen Zwischenstopps bei den überaus sanften Boys II Men und der Queen of Soul, Mary J. Blige, hin zum guten, alten Pianojazz. Auf Michaels Eskapaden angesprochen, reagierte ich eher peinlich berührt. Wer will schon dauernd an seine alte Liebe erinnert werden? Nein, ich wusste auch nicht, warum er Lisa Marie geheiratet hatte und ob seine Nase tatsächlich schon zweimal abgefallen war. Dann die Pädophilie-Vorwürfe. Und der Babybaumler. Was war nur aus Michael geworden? Befremdlich. Einfach befremdlich.

Michael und seine Klone

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... and the Video-Clips.

Die Musik, die mochte ich allerdings immer noch. Ob "Billy Jean", "Beat it" oder "Blame it on the Boogie", schon bei den ersten Takten wurde das Radio aufgedreht, und, falls es sich um einen unbeobachteten Moment handelte, ein paar Tanzschritte geprobt. Die CD von Pop-Sternchen Rihanna fiel nur wegen der einen Passage bei "Don't Stop The Musik" in meinen Warenkorb – Kenner wissen, wovon ich spreche. Und zappte ich zufällig in einen Videoclip von Britney, Justin & Co hinein, erkannte ich sofort die billige Michael-Kopie.

Was Mr. Jackson Himself anging, wurde ich ein Anhänger der gruseligen Verschwörungstheorien. Michael und La Toya – ein und dieselbe Person? Auf den Konzerten nur noch Doubles, während sich MJ auf der Neverland-Land-Ranch amüsiert, oder schlimmer noch, schon seit Jahren in einer WG mit Elvis und Marilyn Monroe lebt? Eine Geschichte, die sich hartnäckig hielt, hat sich nun bewahrheitet: Die Ankündigung seines Todes im Alter von 50 Jahren. Ikonen dürfen offenbar nicht alt werden.

Meine Platten aus dem Keller zu kramen, hat keinen Sinn – wer besitzt noch einen Plattenspieler? Aber ich werde in den nächsten Tagen sicherlich oft die Gelegenheit haben, das Radio laut aufzudrehen. Und dann wird der Küchen-Moonwalk auch gelingen.

Quelle: n-tv.de