Unterhaltung

Zwischen Härte und Verletzlichkeit Ben Becker provoziert - und überzeugt

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Härte und Verletzlichkeit: Ben Becker gilt als einer der besten Schauspieler des letzten Vierteljahrhunderts.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Was man nicht macht, passiert nicht". Mit diesem Motto bringt es Ben Becker zu einem vielgeachteten Schauspieler - mit einem Hang zum Skandalösen. Becker ist ein Multitalent. Im Jahr seines runden Geburtstages widmet er sich etwa dem Dichter Paul Celan.

Eine Zeit lang machte Ben Becker mit seinem ausschweifenden Lebensstil jenseits der Bühne mehr Schlagzeilen als mit seiner Schauspielkunst. Seiner Beliebtheit beim Publikum tat das keinen Abbruch, auch nicht seinem Können. Ohne Zweifel gehört der Sohn der Schauspielerin Monika Hansen und des Schauspielers Rolf Becker, der wesentlich von seinem 2013 gestorbenen Stiefvater Otto Sander geprägt wurde, zu den aufregendsten deutschsprachigen Schauspielern seiner Generation.

Ob in seinen bisher größten Kinoerfolgen "Schlafes Bruder" (1995) oder "Comedian Harmonists" (1997) oder in Theater-Hits wie "Bash: Stücke der letzten Tage" (2001 an den Hamburger Kammerspielen) oder von 2009 bis 2012 bei den Salzburger Festspielen als Tod im "Jedermann": Beckers große Rollengestaltungen sind für alle, die ihn gesehen haben, unvergesslich. Denn der vor genau 50 Jahren in Bremen geborene Schauspieler scheint jedes Mal auch ein Stück eigener Härte und eigener Verletzlichkeit in seine Figuren einzubringen.

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Becker 2011 bei einer Probe zum "Jedermann" in Salzburg.

(Foto: dpa)

Härte und Verletzlichkeit haben ihn, nach eigenem Bekunden laut seinem Erinnerungsbuch "Na und, ich tanze" (2011), von klein auf geprägt. Zu seinen schönsten frühen Erfahrungen zählen offenkundig Arbeiten als Kinder-Sprecher für Hörspiele. Bis heute ist denn auch die überaus wandelbare Stimme sein Markenzeichen. Dabei hat er hörbar von der Freundschaft zu seinem für seine außerordentliche Sprechkultur berühmten Stiefvater Otto Sander profitiert.

Becker, der gern als Rezitator und Sänger auftritt, hat sich nach der Geburt seiner Tochter im Jahr 2001 auch einen Namen als Autor von Kinderbüchern gemacht. Negativschlagzeilen bekam Ben Becker im Juni dieses Jahres, als er als Ansager beim Comeback-Konzert der umstrittenen Band Böhse Onkelz am Hockenheimring auftrat.

Mit Meret als Sid & Nancy

Seine bisher wohl bedeutendste Arbeit hat Ben Becker schon vor knapp zwei Jahrzehnten gezeigt. Er schrieb und inszenierte 1995 das Theaterstück "Sid & Nancy", mit seiner Schwester Meret und sich selbst in den Hauptrollen. Es erzählt das tragische Ende von Sid Vicious, dem 1979 mit 21 Jahren durch Suizid gestorbenen Bassisten der Punk-Band Sex Pistols. Die Aufführungen in der damaligen Berliner Szene-Kneipe "Ex&Pop" gelten unter Fans guten Schauspiels als eines der großen deutschen Theaterereignisse des letzten Vierteljahrhunderts.

Die Anhänger von Ben Becker haben dessen intensive Interpretation des Sid als Selbstporträt verstanden. Sid trat in der Öffentlichkeit gern laut, vulgär und rüpelhaft auf, war privat aber ein ausgesprochen sensibler Mensch, ruhig, intelligent, zurückhaltend, freundlich und humorvoll. Wer Ben Becker schon einmal persönlich begegnet ist, weiß, dass dies tatsächlich auch auf ihn zutrifft.

Der sensible Ben Becker ist zurzeit gemeinsam mit dem Klarinettisten Giora Feidman zu erleben. Die beiden touren erfolgreich mit dem Programm "Zweistimmig", einer Hommage an den Dichter Paul Celan, durch den deutschsprachigen Raum. Beckers Interpretationen von Celans Lyrik offenbaren ein überaus feines Gespür für die Fragilität allen Lebens.

Quelle: ntv.de, Peter Claus, dpa

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