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"Es ist gut, hier zu sein" Ben Becker wird zum bösen Onkel

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Die Böhsen Onkelz treten wieder gemeinsam auf. 200.000 Menschen jubeln ihnen an zwei Abenden auf dem Hockenheimring zu. Und Ben Becker gibt den Einpeitscher. Das ist nicht skandalös, sondern vor allem wirr und peinlich.

Neun Jahre hat es die Böhsen Onkelz nicht gegeben, eine der erfolgreichsten und umstrittensten Bands der deutschen Rockgeschichte, an der sich bis heute die Meinungen spalten. Am Wochenende nun traten sie wieder gemeinsam auf die Bühne - für zwei Konzerte auf dem Hockenheimring.

Die treuen Fans waren aus dem Häuschen: Jeweils 100.000 Menschen kamen am Freitag und Samstag in die Kurpfalz. Tausende weitere Anhänger, die kein Ticket mehr ergattern konnten, sahen sich eine Liveübertragung des ersten Konzerts in der Frankfurter Commerzbank-Arena an.

"Keinen Bock, umzufallen"

Bevor die Band loslegte, gab es aber noch eine besondere Überraschung: Schauspieler Ben Becker kam auf die Bühne und heizte die Massen an. Dass sein Auftritt für Aufsehen sorgen wird, ist Becker durchaus bewusst: "Es ist gut, hier zu sein", lautete der erste Satz, dem gleich eine Ansage an etwaige Kritiker folgte: "Es gibt'n paar Leute da draußen, die werden mich verfluchen, weil ich hier stehe", sagte Becker und gab gleich seine Antwort: "Geht mich nichts an. Ich stehe hier, weil ich keinen Bock habe, umzufallen."

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Ben Becker

(Foto: picture alliance / dpa)

Tatsächlich dürfte Beckers Auftritt als Anheizer der Böhsen Onkelz viele Kritiker auf den Plan rufen. Schließlich haftet der Frankfurter Band nach wie vor ein schlechtes Image an, hervorgerufen durch ihre Vergangenheit in der rechten Szene und frühe, ausländerfeindliche Songs wie "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen".

Kritiker nehmen der Band den späteren Sinneswandel bis heute nicht ab, obwohl sich die Gruppe mehrmals deutlich von ihrer Vergangenheit distanziert hat und etwa bei "Rock gegen Rechts"-Konzerten auftrat. Wer ihre Symbole und Schriftzüge auf T-Shirts oder Mützen trägt, muss deshalb damit rechnen, in die Nähe der rechten Szene gerückt zu werden.

"Nichts ist für die Ewigkeit"

Peinlich ist für Becker, der zuletzt den Rolling Stones in der Berliner Waldbühne zujubelte, aber nicht seine Zusammenarbeit mit der umstrittenen Band. Peinlich ist in erster Linie die Art seines Auftritts. Es ist ein billiger Versuch, sich mit kruden Sprüchen und Posen an die anwesenden Fans der Onkelz anzubiedern und sich selbst ein Image als Bad Boy des Rock'n'Roll zu verleihen. Zusammenhanglos mischt der Mime Zitate aus Songs der Böhsen Onkelz mit Bibelstellen. Geradezu keifend schreit er seine Sätze ins Publikum und stolziert dabei mit stolzgeschwellter Brust über die Bühne, breitet seine Arme aus und gefällt sich in der Pose des gekreuzigten Jesus.

Dass hinter dem Gestus des großen Künstlers wenig Substanz steckt, beweist allerdings das, was er sagt - eine Kostprobe: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei. Nichts ist für die Ewigkeit. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren. Und wer es verliert, um ihretwillen, der wird es finden. Nichts ist für die Ewigkeit. Und ich sage euch, hier wird nicht ein Stein auf dem anderen bleiben. Nichts ist für die Ewigkeit." Den Songtitel "Nichts ist für die Ewigkeit" brüllt Becker so lange ins Publikum, bis ihm dieses artig im Chor antwortet.

Schließlich hat sich Becker so sehr in seine religiöse Ekstase geschrien, dass er vage die Kreuzigungsszene aus dem Matthäus-Evangelium zitiert: "Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke, und die Erde bebte, und die Gräber taten sich auf." Bleibt die Frage, ob er damit auf die Musik der Böhsen Onkelz anspielte oder auf seinen eigenen wirren Auftritt?

Quelle: ntv.de