Unterhaltung

Drei Jahrzehnte "Lindenstraße" Benny Beimer kocht jetzt Kaffee

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In Berlin kann man bei ihm auf einen Latte Macchiato vorbeischauen: Christian Kahrmann alias Benny Beimer.

(Foto: imago/Future Image)

Die Mutter aller deutschen Soaps wird 30. Ohne Benny Beimer. Schauspieler Christian Kahrmann ist längst ausgestiegen. Heute steht er hinterm Tresen - und schaut seiner einstigen TV-Familie zu? n-tv.de hat ihn zum "Lindenstraßen"-Jubiläum getroffen.

Ach ja, die gute alte "Lindenstraße" … Was waren das noch für Zeiten, als man regelmäßig Sonntagabends vor dem Röhrenfernseher auf der Couch saß und eine halbe Stunde lang durch die Schlüssellöcher der TV-Familien Beimer, Dressler und Sarikakis guckte. Beziehungsdramen, Teenie-Rebellionen und jede Menge Tabu-Fingerzeige: Die "Lindenstraße" hielt Millionen deutschen Haushalten den Spiegel vor die Nase.

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So fing es an: Die Familie Beimer inklusive Sohn Benny (r.), glücklich vereint in den ersten "Lindenstraßen"-Tagen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch heute noch, nach sage und schreibe dreißig Jahren, präsentiere die Serie ein Stück Sitten- und Sozialgeschichte Deutschlands, sagt ARD-Programmdirektor Volker Herres. Für die Jubiläumsausgabe, die am 6. Dezember 2015 zu sehen sein wird, hat man sich nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Erstmals wird eine Folge der Serie live ausgestrahlt.

Einer, der an diesem Sonntag nicht mit von der Partie sein wird, ist Christian Kahrmann. Als Benny Beimer wuchs der gebürtige Kölner einst vor den Augen des TV-Publikums vom Teenie zum Mann heran. Nach 399 Folgen starb er 1993 jedoch den Serientod. Heute ist er Wahl-Berliner und ausgebildeter Barista. Im Herzen der Hauptstadt betreibt er ein Café, in dem er seinen Gästen einen Latte Macchiato nach dem anderen serviert. Mit n-tv.de sprach er aber nicht nur über Kaffee, sondern natürlich auch über seine "Lindenstraßen"-Vergangenheit und darüber, ob er denn am Sonntag vor dem Fernseher sitzen wird.

n-tv.de: Dieser Tage feiert die "Lindenstraße" ihren 30. TV-Geburtstag. Hand aufs Herz: Bist du überhaupt noch im Bilde?

Christian Kahrmann: Naja, so lala. Ab und zu schaue ich sonntags mal rein, wenn es die Zeit erlaubt. Aber im Großen und Ganzen beschäftigt mich die Serie nur noch am Rande. Ich war letztens mal wieder zu Besuch in den Studios. Da sind wir ein kleines Special für die Jubiläumsausgabe angegangen. Es war ganz interessant, all die Kollegen von früher mal wieder zu treffen. Aber ansonsten bin ich da raus.

Du hast heute gar keinen Kontakt mehr zu deinen ehemaligen Serienkollegen?

Nein, so gut wie gar nicht. Hin und wieder telefoniere ich noch mit Til Schweiger (der einstige Jo Zenker in der "Lindenstraße", Anm. d. Red.) oder Martin Armknecht (Robert Engel). Aber das war's auch schon. So richtig dicke Freundschaften haben sich da nicht entwickelt.

Auch nicht mit Moritz A. Sachs alias Klaus Beimer, deinem Serienbruder?

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Christian Kahrmann 1990 mit seiner Serienmutter Marie-Luise Marjan, die heute noch in der "Lindenstraße" mitwirkt.

(Foto: imago stock&people)

Nein. Da war der Altersunterschied damals einfach auch zu groß, als dass sich da eine Freundschaft hätte entwickeln können. Später war es dann einfach so, dass wir zu weit voneinander entfernt wohnten. Es gibt im Leben einfach keine Garantien für langfristige Freundschaften. Sicher, ich bin damals auch mal mit der Sybille Waury (Tanja Schildknecht), dem Georg Ücker (Carsten Flöter) oder dem Martin Armknecht ein Bier trinken gegangen. Aber mehr ist da nie passiert.

Klingt ja fast so, als hätte man dich da jedes Mal zu den Dreharbeiten zerren müssen.

Nein, nein. (lacht) Um Gottes Willen! Das hat schon alles viel Spaß gemacht. Es haben sich nur keine langfristigen Freundschaften daraus entwickelt. Es war aber dennoch eine tolle Zeit.

Eine Zeit, die mit deinem Serientod im Jahr 1993 ein abruptes Ende fand. Wolltest du raus? Oder hättest du den Benny Beimer gerne noch ein paar weitere Jahre gespielt?

Das war meine Entscheidung. Ich stand ja damals kurz vor meinem Abitur. Und da habe ich mich gefragt: Was mache ich eigentlich nach der Schule? Ich wollte zwar weiterhin schauspielern. Aber mir war bewusst, dass diese eine Rolle mich nicht groß weiter nach vorne bringen würde. Also habe ich die Reißleine gezogen und bin dann nach New York gezogen. Dort habe ich dann studiert und eine Schauspielschule besucht.

Und im Anschluss mit Leuten wie Colin Farrell und Christian Bale gedreht.

Naja, das waren eher Nebenrollen.

Warum bist du dann als gelernter Schauspieler nicht in New York geblieben?

Ich hatte einfach irgendwann kein Geld mehr. In New York fliegen einem die Rollenangebote ja nicht einfach so zu - einem jungen Schauspieler aus dem Ausland schon gar nicht. Das ist schon ein ziemlich hartes Pflaster. Hinzu kam, dass mich irgendwann dann auch das Heimweh geplagt hat.

Über Köln bist du dann in Berlin gelandet, wo du mittlerweile ein eigenes Café betreibst. Du schauspielerst aber auch noch nebenbei, oder?

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Ein bisschen älter ist er schon geworden: Christian Kahrmann am 25. Juni 2015 in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz.

(Foto: imago/Future Image)

Also ich bin und bleibe in erster Linie Schauspieler. In diesem Beruf ist man aber nicht täglich zu Gange. Ich bin aber ein Mensch, der sich beschäftigen muss. Und ein eigenes Café war schon immer ein Traum von mir. Ich würde es mal so formulieren: Das Café ist mein täglich Brot. Und die Schauspielerei ist ein zusätzlicher Luxus, den ich mir immer mal wieder sehr gerne gönne.

Machst du deiner Frau eigentlich jeden Morgen einen frischen Latte Macchiato mit Herzchenmuster?

Ach, dieses Latte-Art-Gedöns wird völlig überbewertet. Mir ist nur wichtig, dass der Geschmack überzeugt. Ich kann zwar auch ein paar schicke Muster in die Sahne zaubern. Aber ich nehme da an keinen Meisterschaften teil. Das ist mir zu blöd.

Du hast mittlerweile auch zwei kleine Töchter. Mal angenommen, die beiden stehen irgendwann vor der Entscheidung: TV-Karriere oder 9-to-5-Job? Zu was würde der Papa ihnen raten?

Das ist eine schwere Frage. Grundsätzlich sollen sie ihre eigenen Entscheidungen treffen. Aber wenn es denn so käme, würde ich ihnen in punkto Schauspielerei schon die eine oder andere Geschichte mit auf den Weg geben. Das ist ja alles kein Zuckerschlecken. Die Leute denken immer, da lebt man den ganzen Tag in einer Traumwelt, und es wird einem alles auf einem Silbertablett serviert. Aber dem ist natürlich nicht so. Da muss man ganz schön aufpassen. Ich habe gestern erst wieder einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem gezeigt wurde, wie Kinder in Amerika zum Schauspielunterricht geprügelt werden. Das hat mit permanentem Glanz und Glamour nur wenig zu tun. Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht an die falschen Leute gerät. Und so mal nebenbei funktioniert das sowieso nicht. Man muss da auch auf Vieles verzichten.

Deine Töchter sind jetzt 4 und 8. Lässt die Ältere denn dahingehend schon mal etwas durchblicken?

Nein, da passiert noch gar nichts. Hin und wieder sitzen beide vorm Fernseher und gucken eine Folge "Bibi & Tina". Mehr TV findet in ihrem Leben noch nicht statt. Ich finde das auch gut so. Ich glaube, ehrlich gesagt, auch nicht, dass da noch mehr passiert. Wenn ich mal irgendwo einen öffentlichen Auftritt habe, und die Kleinen durch Zufall dabei sind, dann wollen sie nie mit mir zusammen fotografiert werden. Dieses Selbstdarstellerische und Oberflächliche ist so gar nicht ihr Ding. Darauf reagieren sie regelrecht allergisch. Ich finde das ziemlich bemerkenswert.

Nikolaustag, 18.50 Uhr, Jubiläums-Sendung der "Lindenstraße": Da sitzt die Familie aber geschlossen vorm Fernseher, oder?

Ob wir alle gucken, weiß ich noch nicht. Ich werde auf jeden Fall reinschauen. Das ist ja dann doch schon ein Happening. Und da steckt natürlich auch noch ein Teil von mir drin.

Mit Christian Kahrmann sprach Kai Butterweck

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Quelle: ntv.de