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Jaenicke über RAF-"Tatort" "Das Böse setzt sich leichter durch"

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Hannes Jaenicke spricht über seine Rolle im RAF-"Tatort" und darüber, wie er die Zeit damals erlebt hat.

(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

40 Jahre ist es her, dass die Anführer der Roten Armee Fraktion im Gefängnis Selbstmord begingen. Der "Tatort" hat sich dem Thema gewidmet - mit dabei Hannes Jaenicke. Im Interview erinnert er sich an den Herbst von 1977.

Der "Tatort: Der rote Schatten" hat die Geschehnisse rund um den sogenannten Deutschen Herbst und Todesnacht von Stammheim wieder aufgerollt. Hannes Jaenicke spielt im Krimi einen V-Mann für den Verfassungsschutz, der in den 1970er-Jahren gegen die RAF eingesetzt war. Tatsächlich war der in Frankfurt am Main geborene Schauspieler im Herbst 1977 zarte 17 Jahre jung. An die Zeit kann er sich trotzdem gut erinnern.

"Ich längst politisiert, weil ich a) auf eine erzkonservative, komplett spaßbefreite Schule in Bayern ging und b) RAF, Alt-Nazis, Antisemitismus, Vietnamkrieg, Franz Josef Strauß et cetera Dauergesprächsthemen in meiner Familie waren", erinnert sich Jaenicke. Er habe das Glück gehabt, von Eltern großgezogen worden zu sein, "die durch und durch anständige Sozialdemokraten und engagierte Willy-Brandt-Unterstützer waren".

"Kein Anhänger von Verschwörungstheorien"

Für seine "Tatort"-Figur zieht Jaenicke eine nüchterne Bilanz. "Das Böse setzt sich nun mal leichter und schneller durch als das Gute", erklärt der 57-Jährige. "Es ist faszinierend, sich mit einem Charakter auseinanderzusetzen, der als Idealist anfing und als desillusioniertes, zynisches Wrack endet. Die Entwicklung dahin kann ich verstehen, den mangelnden Kampf dagegen nicht."

Über die "Todesnacht von Stammheim", auf die Regisseur Dominik Graf in seinem "Tatort" Bezug nimmt, möchte Jaenicke nicht spekulieren. "Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien", sagt er. Doch er räumt ein, immer starke Zweifel am Wahrheitsgehalt dessen gehabt zu haben, "was Politik und Medien uns seit 1977 über die RAF, deren Selbstmorde und Attentate kommuniziert haben".

Quelle: n-tv.de, ame/spot

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