Unterhaltung

"Das Nest" mit Karin Gorniak Der Dresdner "Tatort" im Schnellcheck

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Der Dresdner "Tatort" sorgt für Unterhaltung, glänzt jedoch nicht mit Logik.

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg)

Ein Hotel voller Leichen, ein psychopathischer Arzt und eine Kommissarin, die sich mit der neuen Kollegin und einem Messer im Bauch herumärgern muss. Der erste Fall nach Henni Sielands Ausstieg ist ein zitatverliebter Psychothriller - und garantiert nichts für Logik-Fans.

Das Szenario

Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt: Dabei ist Dr. Mertens (Benjamin Sadler) weniger ein Mediziner Brinkmann’scher Schule, vielmehr ist der Familienvater ein mordlüsterner Irrer, ein Bruder im Geiste von Hannibal Lecter, Ed Gein und Dr. Frankenstein. Dass ihm das Messer ziemlich lose sitzt, bekommt auch Karin Gorniak (Karin Hanczewski) am eigenen Leib zu spüren. Auf der Flucht rammt Mertens der Kommissarin die Klinge in den Bauch. Die folgenden zwei Monate verbringt sie im Krankenhaus, bevor sie, mental immer noch ziemlich angeschlagen, ihren Dienst wieder aufnimmt.

Für Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) zunächst ein Grund zur Freude, die jedoch wird jäh getrübt. Der Fall erweist sich als überaus vertrackt, die neue Kommissarin, Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), hat mit dem Schatten ihres legendären Vaters, einem Kommissar im Ruhestand, zu kämpfen - und Karin Gorniak? Die hat den beinah tödlichen Messerangriff längst nicht verdaut und zieht die abgeschiedene Asservatenkammer den hektischen Revierräumen vor. Auch nicht ganz ohne: Es gibt einen weiteren Tatverdächtigen, der Doc Mertens auffallend ähnlich sieht.

Die eigentliche Botschaft

Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) geht mithilfe eines Gerichtsmediziners einer neuen Spur nach.

Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) geht mithilfe eines Gerichtsmediziners einer neuen Spur nach.

(Foto: MDR/Daniela Incoronato)

Wir können auch Kino. Und der Rest ist uns ziemlich wurscht. So oder ähnlich dürften Autor Erol Yesilkaya und Regisseur Alex Eslam gedacht haben, als sie sich an die Entwicklung und Umsetzung dieses Dresdner "Tatorts" gemacht haben. Kaum etwas erinnert hier an den Vibe der vorangegangenen Fälle, vielmehr wirkt "Das Nest" wie eine Bewerbungsmappe der beiden Kreativköpfe für höhere Aufgaben.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Über Neil Young vielleicht? Bob Dylan oder Engelbert Humperdinck? Der Soundtrack war durchaus geschmackvoll kompiliert.

Der Plausibilitätsfaktor

Nicht vorhanden. Null. Nüscht. Gorniak liegt sechs Wochen lang im künstlichen Koma und kehrt weitere drei Wochen später schon in den Dienst zurück? Hanebüchen. Das Revier sieht mittlerweile aus wie ein Vintage-Möbelmarkt? Absurd. Schnabel und Winkler senior führen Gespräche wie anno 1957? Schräg. Und warum heißt die Folge eigentlich „Das Nest“? Wie kommt die Frau von Mertens darauf, er habe Fleisch gegessen, nachdem sie ihm einen Viertelliter Blut aus dem Bart wischt? Was war nochmal sein Motiv? Wo kriegt man diese coolen Taschenlampen? Und was mag Henni Sieland ob dieses Horrors wohl gedacht haben? So viele offene Fragen.

Die Bewertung

5 von 10 Punkten. In Sachen Look großes Kino - Story, Continuity und Logik jedoch nur in homöopathischer Dosis vorhanden.

Quelle: n-tv.de

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